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Ukraine-Krieg: Im Kreis Kassel registrierten sich am Freitag 102 geflüchtete Ukrainer

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Von: Paul Bröker

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Hilft in der Not: Reza Danesh (ganz links) nimmt sie bei sich auf: (von links) Maria, Nikita Hashemi und Irina sowie Oksana, Ehsan und Amin Hashemi.
Hilft in der Not: Reza Danesh (ganz links) nimmt sie bei sich auf: (von links) Maria, Nikita Hashemi und Irina sowie Oksana, Ehsan und Amin Hashemi. © Paul Bröker

Auswirkungen des Ukraine-Kriegs: Im Landkreis Kassel kommen vermehrt Geflüchtete an. Am Freitag registrierten im Kreis Kassel 102 Menschen aus der Ukraine.

Fuldabrück – Amin Hashemi steht vertieft in sein Smartphone vor der Glastür der Flüchtlingshilfe des Landkreises Kassel in Fuldabrück. Auf einem Zettel prangen die ukrainische Flagge und der Hinweis „Registrierung“, einmal gedruckt auf Deutsch, einmal handschriftlich auf Ukrainisch. Er ist einer von etlichen Kriegsflüchtlingen, die sich am Freitag im Landkreis registriert haben.

Nicht mal einen Steinwurf entfernt laden Kunden eines Gartenmarktes ihre Einkäufe in die Kofferräume ihrer Autos: Blumen, Töpfe, Schaufeln. Der 17-Jährige Amin Hashemi stottert vor Anspannung leicht, als er versucht, auf Englisch seine Situation zu erklären.

In einem Raum der Flüchtlingshilfe sind provisorisch zwei Tische aufgebaut. Hier können sich ukrainische Bürger registrieren, die dem Ukraine-Krieg in ihrem Heimatland entkommen sind. Es ist halb eins und der größte Andrang ist bereits vorüber. Laut Kreissprecher Harald Kühlborn haben sich am Freitag 102 Menschen registriert. Am Donnerstag waren es nur 15.

Krieg in der Ukraine: 102 Geflüchtete registrierten sich am Freitag im Kreis Kassel

Amin Hashemi ist Donnerstag in der Region angekommen, nach einer langen Autofahrt mit seinem Vater Ehsan, seiner Mutter Oksana und seinem Bruder Nikita. Schon jetzt sagt er: „Wir wollen dauerhaft hierbleiben.“ Noch sei keine Zeit dafür geblieben, die neue Heimat kennenzulernen. Der Herkules auf der anderen Seite der Fulda ist ihm noch fremd.

Eine erste Bleibe hat die Familie bereits gefunden. Der Onkel seines Vaters, Reza Danesh (54), arbeitet beim Landkreis und ist an diesem Tag auch vor Ort, um der Familie bei Seite zu stehen. In seinem Haus in Vellmar kommt Familie Hashemi unter. Neben ihnen nimmt Danesh auch eine weitere ukrainische Flüchtlingsfamilie auf: Maria und ihre Tochter Irina, die im Grundschulalter ist. „Bislang haben 250 Menschen aus dem Landkreis Unterkünfte angeboten“, sagt Kühlborn.

Amin Hashemi ist mit den Gedanken noch in der Ukraine. Dort befänden sich noch Verwandte, auch seine Großmutter, zu denen er per Telefon Kontakt hält. „Die Lage ist ernst“, sagt er und hofft, dass der Krieg bald vorbei ist.

Geflüchtete kommen im Kreis Kassel an: 102 Registrierungen bei Anlaufstelle in Fuldabrück

Eine weitere Gruppe von Geflüchteten wartet mit ihrer Begleiterin auf Einlass in den Raum, in dem die Registrierungen stattfinden. Eine Frau ist mit ihrem kleinen Sohn und ihrer Mutter am Mittwochabend in der Region angekommen. Zehn Stunden habe die Fahrt nach Deutschland gedauert. Sie möchte anonym bleiben, „Kein Foto, kein Name bitte!“, sagt sie.

Heidi Lindenberg, Helferin aus Oberkaufungen.
Heidi Lindenberg, Helferin aus Oberkaufungen. © Paul Bröker

Ihre Begleiterin ist gesprächsbereit und kann die Angst, die den Menschen in den Knochen steckt, nachvollziehen. Heidi Lindenberg aus Oberkaufungen ist unverhofft zur Helferin geworden. Ihr Nachbar habe den Kontakt zu den ukrainischen Flüchtlingen hergestellt, musste aber kurzfristig zu einem wichtigen Familienfest in die Türkei reisen. „Er hat mir den Schlüssel zur Wohnung und zum Auto in die Hände gedrückt“, erzählt sie. „Wir verstehen uns sehr gut und ich helfe natürlich gern.“

Auch mit den Menschen, die bei ihr Unterschlupf finden, verstehe sie sich gut. „Hab ich ein Glück, dass ich so tolle Leute getroffen habe“, sagt sie, während eine der Mitarbeiterinnen die Daten der Geflüchteten prüft. Etwas abseits sitzt der kleine Junge auf dem Boden und spielt mit einem Feuerwehrauto. Gelegentlich schallt es durch den Raum, wenn er Bauklötze fallen lässt.

Nach etwa 20 Minuten hat sich die Familie registriert und Heidi Lindenberg fährt sie mit dem Auto des Nachbarn ins neue Zuhause. (Paul Bröker)

Tausende verlassen wegen des Krieges die Ukraine. Auch in unserer Region kommen Geflüchtete an – meist verängstigt und erschüttert durch ihre Erlebnisse.

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