Laden schließt für ein halbes Jahr

Zwischen Schnäppchen und Wehmut: Ein Vormittag im Möbelhaus Finke in Fuldabrück

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Anstehen: Viele Kunden warten schon vor Ladenöffnung vor dem Möbelhaus.

Die meisten Kunden, die bei Finke unterwegs sind, hoffen, Schnäppchen ergattern zu können. Einige sind aber auch wehmütig. Ein Samstagmorgen im Möbelhaus.

Sie kommen seit Jahren, viele seit Jahrzehnten: Für viele hatte der Besuch im Fuldabrücker Möbelhaus, das jetzt für einige Monate wegen Umbaus schließt und dann unter neuer Führung wieder eröffnet, so etwas wie Tradition. Nicht nur bei ihnen ist Finke Gesprächsthema, aber was passiert da eigentlich gerade? Ein Samstagmorgen im Möbelhaus.

Um kurz vor 10 Uhr hat sich schon eine Schlange vor der Eingangstür gebildet. Den Parkplatz füllen nicht nur Autos mit Kasseler Kennzeichen, sondern Fahrzeuge aus der gesamten Region. So voll wie an den vergangenen Wochen ist es am Samstag allerdings nicht – das gute Wetter lockt viele nach draußen und nicht ins Möbelhaus. Pünktlich öffnen sich die Türen. Mit einem freundlichen „Guten Morgen“ werden die Kunden von einem Mitarbeiter begrüßt. Wenigstens einer habe gute Laune, wenn es am Samstag zum Einkaufen geht, murmelt jemand in der Schlange.

Vom gewohnten Anblick ist in den Finke-Hallen mittlerweile allerdings kaum noch etwas übrig. Die halb leeren Regale stimmen sentimental – Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen.

Friedel und Barbara Kaiser finden es schade, dass das Möbelhaus jetzt erst mal geschlossen wird. „Es war eine Institution.“ Mutter und Tochter sind seit der Eröffnung regelmäßig zum Einkaufen gekommen und haben die Beratung geschätzt. Auch für die Mitarbeiter sei es eine schwierige Situation.

„Aber es wird ja weitergehen.“ Erwin Speckenbach aus Wildeck, der mit seiner Frau Marlies schon viele Jahre nach Kassel zu Finke fährt, ist optimistisch. Eigentlich hatten die beiden einen Sessel gesucht, aber etwas Passendes haben sie nicht gefunden.

„Wir hatten gehofft, dass das Restaurant noch auf hat, aber das ist ja auch schon zu“, sagt Marlies Speckenbach. Ein Schild weist die Kunden darauf hin, dass das Restaurant bereits seit der vergangenen Woche umgebaut wird – eigentlich ist das nicht notwendig, denn das ist kaum zu übersehen. Vor dem Eingang liegt in Folie verpackt das Bällebad, in dem vor wenigen Tagen noch Kinder gespielt haben, Küchengeräte, Anrichten, alles ist schon entfernt worden.

Bald Geschichte: Der Abriss der Lagerräume hat in d en vergangenen Tagen begonnen.

Matratzen, Stühle, Lampen – egal. Eine konkrete Vorstellung, was sie eigentlich suchen, haben die meisten nicht, die zwischen den zahlreichen Rabattplakaten unterwegs sind. Roter Punkt – 50 Prozent, grün und gelb 30 Prozent. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Überall in den Gängen warten auf Rollwagen verpackt Waren, die schon Käufer gefunden haben, auf ihre Abholung. Auf vielen Möbelstücken stehen Reserviert-Schilder. Einige Bereiche der Ausstellung sind schon komplett leer geräumt und mit Flatterband abgesperrt. „Viele Bereiche werden aber mit Lagerware immer wieder aufgefüllt“, sagt André Schmidt, stellvertretender Leiter des Hauses. „Es lohnt sich also, noch mal zu kommen.“ Auch die Mitarbeiter haben beim Ausverkauf alle Hände voll zu tun. Die meisten von ihnen wollen sich zur bevorstehenden Schließung aber nicht äußern. Einige betonen schließlich, dass sie gern bei Finke arbeiten.

Den Mitarbeitern sei angeboten worden, dass sie während des Umbaus die Arbeiten unterstützen können, sagt Schmidt. Wer das nicht wolle, würde für den Zeitraum freigestellt und bekomme dann entsprechend weniger Gehalt. Die Entscheidung müsse jeder Mitarbeiter für sich selbst treffen.

Bis Ende März sollen dann endgültig alle Möbel raus sein, und der sechsmonatige Umbau soll beginnen. In dieser Woche hat der Abriss des angrenzenden Warenlagers begonnen. Bagger haben die ersten Wände eingerissen. Am seitlichen Gebäudeteil ist mittlerweile über einem großen Schutthaufen nur noch „Fink“ zu lesen – auch das wird dann in den nächsten Tagen Geschichte sein.

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