Es soll die leiseste Lösung sein

Planer begründen Südvariante für neue Bergshäuser Brücke

 So könnte die neue Bergshäuser Brücke aussehen: Diese Simulation mit Blick von Süden zeigt einen ersten Entwurf der inzwischen festgelegten Südvariante (Variante 3) der Bergshäuser Brücke.
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So könnte die neue Bergshäuser Brücke aussehen: Diese Simulation mit Blick von Süden zeigt einen ersten Entwurf der inzwischen festgelegten Südvariante (Variante 3) der Bergshäuser Brücke. Ihr Standort liegt etwa 700 Meter südlich vom jetzigen Standort.

Schon längst hätte es eine Bürgerinformation zum Neubau der Bergshäuser Brücke in Fuldabrück geben sollen. Wegen Corona musste Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD) aber die schon angesetzte Infoveranstaltungen absagen.

Bereits im Juni hatte es ein Treffen mit Lengemann und Planern der Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) gegeben, bei dem noch einmal Details zum geplanten Ausbau der A 44 zwischen Kassel-West und Kassel-Süd mitsamt der neuen Bergshäuser Brücke vorgestellt wurden. Vor allem ging es um die Frage, warum gerade der Südvariante (Variante 3) der Vorzug gegeben wurde und weshalb die anderen beiden Varianten 1 und 2 keine Chance hatten. Hier eine Gegenüberstellung:

Variante 1

Variante 1 sah den Ausbau des Streckenabschnitts mit Neubau der Bergshäuser Brücke am jetzigen Standort vor, was aber aus Sicht der Deges die schlechteste Lösung gewesen wäre. Eine Herausforderung bildet der Anschluss an die A 7, der durch die Nähe zur Ausfahrt in die Tank- und Rastanlage Kassel-Ost nicht verkehrsgerecht umgebaut werden kann. Im Hauptverkehrsstrom von Dortmund nach Hannover wäre daher der Bau einer direkten Verbindungsrampe nicht möglich gewesen. Damit wären mit Blick auf künftige Verkehrsmengen Planziele nicht erreicht worden.

Zur Erinnerung: Mit dem Neubau der Bergshäuser Brücke wird auch die Fahrbahnbreite zwischen Kassel-West und Kassel-Süd von aktuell vier auf dann sechs Fahrstreifen erweitert. Das neue Autobahndreieck Kassel-Süd muss dem gerecht werden.

Nachteil: Der Brückenneubau hätte die Anwohner Bergshausens stark belastet, ein Wohnhaus hätte sogar weichen müssen, um den Neubau überhaupt zu ermöglichen. Nach dem Bau wäre Bergshausen weiter zerschnitten gewesen.

Vorteil: Die Variante 1 wäre mit einer nur 720 Meter langen Brücke ausgekommen, was nicht nur den Bauaufwand, sondern auch die Baukosten minimiert hätte.

Dafür schneidet Variante 1 in Sachen Lärmschutz überhaupt nicht gut ab. Unter Annahme von fünf bis sieben Meter hohen Lärmschutzwänden hätte es in der Nacht Grenzwertüberschreitungen für insgesamt 182 Gebäude gegeben – 27 in Baunatal-Rengershausen und 155 in Bergshausen.

Mit Blick auf den Artenschutz weist die Variante 1 wiederum die geringsten Auswirkungen auf. Das Große Mausohr, eine Fledermausart, würde ihr Sommerquartier verlieren. Die Tiere haben ihren Schlafplatz im östlichen Brücken-Widerlager eingerichtet – das bei Abriss verloren ginge. Es müsste daher ein Ersatzquartier vor Abriss des Widerlagers hergestellt werden.

Variante 2

Der verkehrstechnische Vorteil von Variante 2 liegt im Bau einer direkten Rampe auf die A7 für die Hauptverbindung Dortmund-Hannover. Andererseits wäre aber durch die Verschiebung der Trasse am Anschluss an die A 7 um etwa 350 Meter nach Süden die Brücke um 225 Meter länger geworden. Das mittlere Brückenfeld, das die Fulda überquert, hätte alleine eine Spannweite von 280 Metern gehabt. Solche Spannweiten sind im Stahlverbund-Bau schon deutlich schwieriger, aufwendiger und teurer zu realisieren.

In Sachen Lärmschutz hätte auch Variante 2 immer noch keine befriedigende Lösung gebracht. Im Rechenmodell würde sie nachts mit fünf bis sieben Meter hohen Lärmschutzwänden immer noch 93 Gebäude mit Verkehrslärm jenseits der geltenden Grenzwerte beschallen – 27 Häuser in Rengershausen und 66 in Bergshausen.

Auch geriete die Trassenführung der Variante 2 am Ost-Ufer der Fulda in Konflikt mit dem dortigen Wasserschutzgebiet. Zwei Brückenpfeiler hätten dort in der Wasserschutzzone II gelegen. Dazu das Regierungspräsidium Kassel: „Jegliche Bodeneingriffe und bauliche Tätigkeiten in der Schutzzone II kommen nicht in Frage.“

Mit Blick auf den Artenschutz hätte Variante 2 Einzelvorkommen des Grauspechts, der Bechsteinfledermaus und des Großen Mausohrs beeinträchtigt. Jedoch handelt es sich hierbei um bereits vorbelastete, suboptimale Habitate, sodass die Eingriffe den Bestand der Arten nicht gefährdet hätten.

(Süd-)Variante 3

Wie schon Variante 2 erlaubt auch die nun ausgewählte Variante 3 (Südvariante) den Bau einer direkten, sicheren und leistungsfähigen Rampe auf die A7 in Richtung Hannover. „Damit werden Planziele in jeder Hinsicht erreicht“, heißt es.

Die Verschiebung des neuen Brückenstandorts um ganze 700 Meter nach Süden macht aber im Variantenvergleich den Bau der längsten Brücke erforderlich (1155 Meter). Zum Überspannen der Fulda sind dann zwei mittlere Brückenfelder mit jeweils 145 Metern länge nötig, was aber bautechnisch viel leichter zu realisieren ist, als nur ein mittleres Brückenfeld mit 280 Metern Länge (Variante 2). Kostenmäßig gibt es zwischen der Variante 2 und 3 keinen großen Unterschied.

Mit Blick auf die Lärmbelastung erweist sich die Südvariante für die Anwohner insgesamt als die beste Lösung, obwohl im Rechenmodell in den Nachtstunden immer noch 28 Gebäude einer Grenzwertüberschreitung ausgesetzt wären – 27 in Rengershausen, und ein Gebäude in Bergshausen.

Und was ist mit Dennhausen? Auch dort werden sich die Lärmwerte voraussichtlich etwas erhöhen. „Diese liegen jedoch noch unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte“, heißt es bei der Deges.

Beim Artenschutz verhält es sich wie bei der Variante 2. Wieder sind es Einzelvorkommen der Bechsteinfledermaus, des Großen Mausohrs und des Grauspechts, die gefährdet werden. Ausgleichsmaßnahmen zum Erhalt der Tiere sind geplant.

Grafik der Südvariante der neuen Bergshäuser Brücke

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