80 Seiten nach intensiver Recherche

Seenotrettung liegt ihm am Herzen - Fuldabrücker hat Essay geschrieben

Bei der Arbeit: Jean-Luc Bouchon (17) aus Bergshausen hat einen 80-seitigen Essay zum Thema Seenotrettung geschrieben.
+
Bei der Arbeit: Jean-Luc Bouchon (17) aus Bergshausen hat einen 80-seitigen Essay zum Thema Seenotrettung geschrieben.

Wenn sich Jean-Luc Bouchon etwas in den Kopf setzt, dann macht er das auch. In den vergangenen Wochen war das vor allem eins: sein Essay zum Thema Seenotrettung.

Fuldabrück – Dabei ist das Schreiben in der Schule eigentlich nicht sein Ding, gesteht der 17-Jährige aus Bergshausen. Aber das Thema, dass Flüchtlinge seit der Krise 2015 auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer sterben, hat ihn so sehr beschäftigt, dass letzten Endes ein 80-seitiger Essay mit dem Titel: „Nr. 47 stirbt – Europas Rückzug bei der Seenotrettung“ dabei herausgekommen ist.

„Ich verfolge das Thema seit 2015“, sagt der Zwölftklässler. Dass das Thema in den Nachrichten kaum mehr auftauche, habe ihn stutzig gemacht. Nachdem er eine alte Schularbeit dazu wiedergefunden hatte, verfolgt er das Thema weiter. Hauptsächlich auf den Social-Media-Kanälen der Seenotretter. „Es geht um Menschen, die vergessen werden und weiter sterben, obwohl die Mittel, sie zu retten, da sind“, sagt Bouchon. Er findet das unmenschlich. Die Nr. 47 im Titel bedeute, dass 2019 jeder 47. Migrant, der von den Behörden erfasst wurde, bei der Flucht über das Mittelmeer starb.

Als in Bergshausen die Flüchtlingsunterkunft öffnet, gibt seine Mutter dort ehrenamtlich Deutschunterricht. Sie bringt Geschichten mit nach Hause von Kindern, die irgendwann unter Tränen Bruchteile ihrer Flucht erzählen – von einem gekenterten Boot und zwei Menschen, die dabei sterben. „Es hatten nicht alle Schwimmwesten“, erzählt Nicole Bouchon.

Neben seiner täglichen Recherche hat auch das Jean-Luc zu seinem Essay bewogen. Schon vor dem Lockdown, Anfang Dezember, sucht er während der Busfahrt zur Schule im Internet nach Infos, die er abends in seinen Text aufnehmen kann, schreibt manchmal bis 1 Uhr nachts und macht morgens um 7 weiter.

Ganz selbstverständlich erzählt der junge Bergshäuser das, so, als ob neben den ganzen Hausaufgaben und Videokonferenzen nicht viel dabei wäre. „Er macht das sowieso alles nebenher“, sagt Nicole Bouchon, die ihn bei seinen Ideen unterstützt.

Doch der Essay ist nicht das Einzige. Manchmal geht der 17-Jährige, der eine Zwillingsschwester hat, abends noch in seine Werkstatt und setzt eine Idee um, die er gerade im Kopf hat.

Im Corona-Jahr hat Bouchon so nicht nur eine Außenküche mit Herdplatten und Wasseranschluss gebaut, sondern auch zwei Kochbücher geschrieben und mit einer App designt – einfach, weil er seiner Oma fürs Kochen Ideen geben wollte.

Nach der ersten Version mit einfachen Rezepten kam das Grill-Spezial heraus. Wer die dünnen Bücher aufklappt, sieht nicht etwa abgetippte Rezeptlisten, sondern professionell angerichtete Suppen, Spieße und Burger mit grafischen Anweisungen. Bouchon stibitzt Suppenteller von der Oma, „damit nicht jedes Foto gleich aussieht“. Er holt Bretter aus dem Baumarkt, um seine Gerichte darauf anzurichten. „Wir haben dann öfter kalt gegessen“, sagt Nicole Bouchon und lacht. Das Fotografieren hat so lange gedauert.

Vielleicht will er irgendwann seinen Essay auch in den Druck geben und an Freunde verteilen. Eine Veröffentlichung sei teuer, sagt Jean-Luc Bouchon. Und vielleicht will er auch beruflich in diese Richtung gehen. Vielleicht aber auch ein eigenes Restaurant eröffnen. Jetzt arbeitet er erst mal an einem Backbuch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.