Seit drei Jahren keine Risse

Kontrollgang unter der Fahrbahn: Bergshäuser Brücke wird geprüft

Der besondere Blick: Prüfer Henning Manche schaut sich die Knotenpunkte genau an und prüft sie auf Korrosion und Risse. Er steht dabei auf einem fahrbaren Untersichtgerät, das von einem Lkw oben auf Fahrbahn gesteuert wird. Die Prüfungen finden alle zwei Monate statt. Dabei werden auch die Rollenlager geprüft.
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Der besondere Blick: Prüfer Henning Manche schaut sich die Knotenpunkte genau an und prüft sie auf Korrosion und Risse. Er steht dabei auf einem fahrbaren Untersichtgerät, das von einem Lkw oben auf Fahrbahn gesteuert wird. Die Prüfungen finden alle zwei Monate statt. Dabei werden auch die Rollenlager geprüft.

Das Absacken der Salzbachtalbrücke bei Wiesbaden Mitte Juni hat die Frage aufgeworfen, wie es um andere marode Brücken steht. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir zählt auch die Bergshäuser Brücke, die Kassel über die A44 mit Dortmund verbindet, zu den Problembrücken.

Fuldabrück - Bernhard Klöpfel sieht derzeit allerdings keinen Grund zur Sorge. Er leitet die Außenstelle Kassel der Autobahn GmbH, die sich seit Anfang des Jahres auch um die Bergshäuser Brücke kümmert.

„Wir wissen noch nicht, was die Ursache für das Absacken der Salzbachtalbrücke war“, sagt Klöpfel. Doch man habe sehen können, dass ein Rollenlager zwischen Brückenpfeiler und Fahrbahn herausgefallen war. Dadurch sank die Brücke ab. Nach der Ursache wird noch gesucht.

Ein ähnliches Szenario ist laut Bernhard Klöpfel in Bergshausen nicht denkbar. Das liege schon allein an der unterschiedlichen Konstruktion. Die Salzbachtalbrücke ist eine Spannbetonbrücke, die Bergshäuser eine offene Stahlfachwerkkonstruktion, die sehr biegsam sei.

Rollenlager gibt es an der Bergshäuser Brücke auch – wie an vielen großen Brücken aus den 1960er- und 70er-Jahren. Sie fangen horizontale und vertikale Bewegungen der Brücke auf, erklärt Klöpfel. 1997 sind sie ausgetauscht worden. Klöpfel rechnet ihnen eine Lebensdauer bis zu 40 Jahren zu. Sie werden alle zwei Monate kontrolliert.

Diesen Job übernimmt am Freitag Henning Manche. In schwindelerregender Höhe steht er auf dem Steg eines Untersichtgeräts, das per Lkw auf der Fahrbahn über ihm gesteuert wird. Es fährt ihn auch an die Stellen, an der das Bauwerk viel aushalten muss, erklärt Klöpfel. Dort, wo die Fachwerkstreben zusammenlaufen, schaut er sich mit der Taschenlampe die Nietansätze an, denn die sind besonders anfällig für Anrisse. Manchmal, so Klöpfel, werden solche Stellen auch geröntgt. „Wie beim Knochenbau kann man auf einem Röntgenbild dann Risse sehen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind.“

„Der Prüfer kennt jeden Knotenpunkt auswendig“, sagt Thomas Ackermann, Leiter Ingenieurbauwerke, während er den Steg unter der Fahrbahn entlang läuft. Wären an diesen Stellen Risse zu sehen, müssten sie in einer Sperrpause mithilfe von Schweißnähten saniert werden. Im schlimmsten Fall müsste die Lkw-Spur verlegt werden bis hin zur Vollsperrung. Nötig war das bisher nicht. „Seit 2018 hatten wir keine neuen Risse“, sagt Klöpfel.

Auch die 32 Rollenlager werden bei den Sonderprüfungen unter die Lupe genommen. Anhand der Lagestandsanzeige kontrolliert der Fachmann, ob sie sich mehr als vorgesehen verschoben haben. Steht eine Rolle am Ende der Anzeige, stimmt etwas nicht. Dass eine herausfällt, „ist der Supergau für uns“, sagt Klöpfel.

Die ersten Rollenlager bestanden aus Edelstahl und waren kleiner und härter. Deshalb neigten sie bei höheren Temperaturschwankungen leichter zu Rissen. „Außerdem konnte man damals nicht die Verkehrsentwicklung voraussehen“. Am Widerlager der Bergshäuser Brücke, dort, wo der feste Teil der Fahrbahn mit dem frei schwingenden verbunden ist, sind auch modernere, noch beweglichere Lager eingesetzt. Sie nennen sich Elastomerblöcke und sind aus Gummi und Stahlplatten.

Neben den Sonderprüfungen gehen zweimal im Jahr Brückenprüfer die Strecke ab. Außerdem werden alle Brücken alle drei Jahre in einer einfachen Prüfung, alle sechs Jahre in einer Hauptprüfung kontrolliert.

Dass die Bergshäuser Brücke bis 2028 hält, ist sich der Ingenieur Klöpfel ziemlich sicher. Vielleicht sogar länger. Das sei wie mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum auf einem Joghurt. „Wir nehmen das Verfallsdatum sehr ernst.“ (Valerie Schaub)

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