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Sorge um Bergshäuser Brücke

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Von: Boris Naumann

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Das Bild zeigt die mit Stahlseilen stabilisierte Bergshäuser Brücke.
Im Jahr 2019 wurde das Nordbauwerk der Bergshäuser Brücke aufwendig mit Stahlseilen stabilisiert, zeitgleich wurde auch das Südbauwerk saniert. Auf diese Weise soll die Brücke nach bisheriger Einschätzung bis 2028 halten. Das Nordbauwerk ist der ältere Brückenteil, er wurde im Jahr 1962 fertiggestellt, das Südbauwerk zehn Jahre später. Archivfoto: Valerie Schaub © Valerie Schaub

Obwohl die Entwurfsplanung für die neue Bergshäuser Brücke laut aktueller Aussage der Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs und -bau GmbH) „inzwischen weit vorangeschritten ist“, macht sich in Berlin derzeit der Zweifel breit, dass das A 44-Ersatzbauwerk über die Fulda womöglich doch nicht wie bisher geplant bis zum Jahr 2028 fertig wird.

Kreis Kassel - Diese Sorge teilt auch der Kasseler SPD-Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels. So kursiere im Berliner Politikbetrieb unter der Hand schon die Befürchtung, dass der Zeitplan bis 2028 nicht einzuhalten sei. Gremmels: „Demnach wird bis 2028 weder die neue Brücke fertig sein, noch wird die alte Brücke bis zum Jahr 2028 halten.“

Um Klarheit über den tatsächlichen Sachstand zu erhalten, hat Gremmels nun den neuen Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) angeschrieben und ihn um seine Einschätzung hinsichtlich der Lebensdauer der Berghäuser Brücke gebeten. Unabhängig davon hat auch die HNA die Deges um eine aktuelle Einschätzung mit Blick auf den zu erwartenden Zeitpunkt der Fertigstellung der neuen Bergshäuser Brücke gebeten – in beiden Fällen steht eine Antwort noch aus.

„Noch im letzten Jahr hatte das Verkehrsministerium unter Andreas Scheuer (CDU) mitgeteilt, dass der Teilneubau der Berghäuser Brücke rechtzeitig vor dem prognostizierten Lebensende der bestehenden Brücke fertiggestellt sein soll“, sagt Gremmels. „Interessant ist jetzt zu erfahren, ob die neue Hausleitung an der Einschätzung festhält“.

Zweifel am alten Zeitplan hält Timon Gremmels für berechtigt. „Wir haben jetzt schon das Jahr 2022, und die Entwurfs- und Genehmigungsplanungen als Voraussetzung für die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens sind noch nicht fertig“, sagt der Bundestagsabgeordnete. Vom Planfeststellungsverfahren bis zum Baurecht dauere es wiederum wenigstens ein Jahr, wenn nicht noch gegen das Projekt geklagt werde. Zuletzt kommt noch die reine Bauzeit der Brücke, die die Deges gegenüber der HNA schon einmal mit etwa fünf Jahren angegeben hatte. „Wir streben an, den ersten Brückenüberbau – entweder den Nord- oder den Südteil – im Jahr 2028 fertigzustellen“, hatte es geheißen.

Dem Thema wohnt eine gewisse Brisanz inne. Denn wenn das alte Bauwerk weder bis 2028 hält, noch die neue Brücke bis dahin fertig ist, könnte es zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen auf der A 49 als einzige Ausweichstrecke über die Fulda kommen. Schon jetzt nutzen laut dem Projektinformationssystem zum Bundesverkehrswegeplan 2030 rund 42 000 Autos und Lkw pro Tag die Bergshäuser Brücke. Laut Prognose wird der Verkehr in den nächsten Jahren auf 72 600 Fahrzeuge pro Tag anwachsen.

Grundsätzlich ginge es nicht darum, Panik zu verbreiten, sagt Gremmels. „Es geht nur um eine korrekte Einschätzung der Situation, um ein Verkehrschaos zu vermeiden.“

Tatsächlich sorgt derzeit eine solche Fehleinschätzung für Chaos in Nordrhein-Westfalen. So musste entlang der A 45 bei Lüdenscheid schon im Dezember die 452 Meter lange und 75 Meter hohe Rahmedetalbrücke komplett gesperrt werden. Planungen für eine neue Brücke waren wegen geänderter Priorität aufgeschoben worden, gleichzeitig war der marode Zustand der 1968 fertiggestellten Brücke unterschätzt worden. Aktuell wird der gesamte Autobahnverkehr durch die angrenzenden Orte geleitet – solange, bis eine neue Brücke gebaut ist.

Von Boris Naumann

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