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Brandstifter aus Fuldabrück vor Gericht: Urteil steht fest

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Von: Theresa Novak

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Das ausgebrannte Reihenmittelhaus in Dörnhagen, Baunsbergstraße 35, nach dem Brandanschlag in der Nacht des 4. Mai
Fast ein Jahr lang konnten die Eigentümer des Reihenmittelhauses in Dörnhagen ihr Zuhause nicht nutzen. Mittlerweile ist es wieder aufgebaut und das Ehepaar eingezogen. © Michaela Pflug

Ein 65-jähriger Mann aus Fuldabrück steht wegen zweifacher Brandstiftung vor Gericht – jetzt ist das Urteil gefallen.

Fuldabrück – „Dies ist sicher kein glückliches Ergebnis für die Geschädigten, aber es bleibt nichts anderes, als es so machen.“ Mit diesen Worten schloss Richter Christian Geisler die Verhandlung vor dem Landgericht Kassel gegen einen 65-Jährigen aus Fuldabrück, der vor genau einem Jahr zwei Häuser in Dörnhagen und im drei Kilometer entfernten Guxhagen mithilfe von Benzinkanistern angezündet hat.

Trotz, dass das Ehepaar aus Dörnhagen bei dem Brand um ein Haar ums Leben gekommen war und auch heute noch psychische und körperliche Einschränkungen hat, lautete das Urteil des Gerichts Freispruch wegen Schuldunfähigkeit. „Der Rechtsstaat gibt vor, dass jemand, der zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war, nicht bestraft werden kann“, sagte Richter Geisler. „Wir ordnen aber eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, die auch nicht zur Bewährung ausgesetzt wird.“

Brandstifter aus Fuldabrück: Gutachten schreibt dem Angeklagten Wahnvorstellungen zu

Das Gericht stützte sein Urteil auf das Gutachten einer Sachverständigen, die dem Angeklagten Depressionen und Wahnvorstellungen zuschrieb. Wegen dieses Krankheitsbilds sei der 65-Jährige bereits 2019 in einer psychiatrischen Klinik gewesen und dort medikamentös eingestellt worden. Diese Medikamente habe er dann, als der Tod seiner Frau und seines Katers ihm den Boden unter den Füßen weggerissen hatte, nicht mehr eingenommen.

Deshalb komme sie zu dem Schluss, dass das gleiche Krankheitsbild auch bei der Tat vor einem Jahr die tragende Rolle gespielt hat. Wenn der 65-Jährige normal verurteilt worden wäre, „sprechen wir hier von versuchtem Mord in zwei Fällen“, sagte Richter Geisler. Man müsse bei der Tat von Heimtücke ausgehen, weil sie nachts geschah und dazu noch im Lockdown, wo Ausgangssperre herrschte. „Es konnte einfach nicht anders sein, als dass die Hauseigentümer zu Hause sind, schlafen und sich keiner Gefahr bewusst waren. Es ist wirklich extremes Glück, dass niemand gestorben ist. Da ging es um Minuten.“

Freispruch für 65-jährigen Brandstifter aus Fuldabrück: Angeklagter kannte Hausbesitzer

Am Haus war ein Schaden über 440 000 Euro entstanden, am Hausrat über 300 000 Euro. Die zweite Tat in Guxhagen passierte in derselben Nacht. Weil ein aufmerksamer Nachbar noch wach war und das Flackern von Flammen gesehen hatte, konnte dort Schlimmeres verhindert werden.

Das Ehepaar in Dörnhagen hatte dagegen sehr viel größeres Pech und konnte sein Haus fast ein Jahr nicht nutzen. „Wir hatten gar nichts mehr, sagte der Ehemann vor Gericht. „Keine Klamotten, keine Möbel, keine Erinnerungen, die wir über Jahrzehnte gesammelt haben.“

Ein Motiv konnte während der Verhandlung nicht herausgearbeitet werden. Der Angeklagte kannte das Ehepaar aus Dörnhagen, hatte aber keinen Kontakt zu ihm. „Auch das spricht für das Wahnhafte“, sagte Richter Geisler. Der Geschädigte in Guxhagen sei zwar früher der Betreuer des Täters gewesen, aber auch mit ihm habe es keinen nennenswerten Streit gegeben. (Theresa Novak)

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