Folgen einer Not-Operation

Vor 13 Jahren infizierte sich der Fuldabrücker Michael Moses-Meil mit MRSA

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Hat auch viele Jahre nach einer MRSA-Infektion noch Probleme: Michael Moses-Meil aus Fuldabrück setzt sich für mehr Tests in Krankenhäusern ein. 

Was passiert, wenn Bakterien resistent gegen Antibiotika werden? Das hat Michael Moses-Meil am eigenen Leib erleben müssen.

Nach einem Unfall musste er operiert werden, eine der Wunden heilte aber einfach nicht. Moses-Meil hatte sich mit MRSA infiziert, einem multiresistenten Erreger (MRE). Wo er sich das Bakterium eingefangen hat, ist nicht klar. Einen Test bei Ankunft in der behandelnden Klinik habe es nicht gegeben. Und da setzt ein Antrag an, den die AfD-Fraktion, zu der Moses-Meil gehört, im Kreistag einbringen will.

Seit 13 Jahren kämpft der heute 50-Jährige mit den Folgen seines Unfalles. Am 9. September 2006 wurde er von einem Auto auf dem Radweg erfasst, nachdem dessen Fahrer die Kontrolle verloren hatte. Er wurde am Kopf verletzt, brach sich den Unterschenkel und das Sprunggelenk und musste im Krankenhaus operiert werden. „Bald schon merkte ich, dass die Wunde am Bein nicht richtig heilen wollte.“ Die Schmerzen seien massiv gewesen. „Ich wusste damals allerdings gar nicht, was multiresistente Keime sind. Da habe ich gar nicht dran gedacht.“

Das Problem: Verschiedene Antibiotika und Antibiotika-Ketten versagten bei ihm. Moses-Meil entwickelte eine Knochenentzündung. Erst nach einer Madentherapie und der 24. Operation konnte die Wunde geschlossen werden. Noch heute hat der 50-Jährige mit den Spätfolgen zu kämpfen. „Wenn ich das Bein zu stark belaste, schmerzt es“, sagt er. Auch habe er immer wieder Probleme mit Schwellungen. Moses-Meil muss mitunter einen Gehstock einsetzen und ist auf einen behindertengerechten Arbeitsplatz angewiesen.

„Damit hatte ich aber noch Glück“, sagt er. In seiner Zeit der Krankenhausaufenthalte und Rehas habe er immer wieder Leute kennengelernt, denen nach Ausbruch der Infektion Gliedmaßen amputiert werden mussten, auch würden jedes Jahr zahlreiche Patienten an den Folgen einer Infektion mit MRE sterben.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

„Dieses Leid könnte man leicht vermeiden, wenn man für alle Krankenhäuser lückenlose Tests vorschreiben würde“, sagt Moses-Meil. „Die Praxis in anderen Ländern wie Holland zeigt ja, das das funktioniert. Warum also macht man das in Deutschland nicht flächendeckend?“. Bisher gebe es nur einzelne Häuser, wie das Marienkrankenhaus in Kassel, die die Tests auf eigene Kosten durchführen. Daher soll der Kreistag beschließen, den hessischen Landtag und die Landesregierung aufzufordern, in hessischen Krankenhäusern flächendeckend MRE-Tests einzuführen. Über den Antrag berät der Kreistag am Montag. Im Ausschuss für Soziales fand er keine Unterstützung, nachdem Grüne und Linke laut Moses-Meil dagegen stimmten und sich SPD und CDU enthielten.

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