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Fuldabrücker Firma LET wirkt mit Vier-Tage-Woche dem Fachkräftemangel entgegen

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Von: Theresa Novak

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Ist auf gute Mitarbeiter angewiesen: Lars Löwer, Chef von LET in Dörnhagen, hat die Vier-Tage-Woche in seinem Unternehmen eingeführt. LET deckt die Bereiche Solar, Klima und Brennwerttechnik ab.
Ist auf gute Mitarbeiter angewiesen: Lars Löwer, Chef von LET in Dörnhagen, hat die Vier-Tage-Woche in seinem Unternehmen eingeführt. LET deckt die Bereiche Solar, Klima und Brennwerttechnik ab. © Theresa Novak

Mehr Freizeit, längere Erholungsphasen und dadurch eine höhere Motivation am Arbeitsplatz: Die Vier-Tage-Woche soll viele Vorteile bringen und ist längst kein neues Arbeitszeitmodell mehr. Auch die Energietechnik-Firma LET mit Sitz im Fuldabrücker Ortsteil Dörnhagen hat die Vier-Tage-Woche für ihre Mitarbeiter möglich gemacht – und dadurch einen ordentlich Zuwachs an Fachkräften bekommen.

Fuldabrück – Seit Oktober haben Angestellte bei LET die Möglichkeit, ihre 37,5 Stunden Arbeitszeit auf vier statt fünf Tage zu verteilen. Das bedeutet eine Dienstzeit von Montag bis Donnerstag, 7 bis 17.15 Uhr. Wer das nicht will, muss auch nicht. „Wir wollten den Mitarbeitern keine Haube überstülpen“, sagt Lars Löwer, der die Firma zusammen mit seiner Frau führt. „Jeder konnte entscheiden, wie es für ihn am besten passt.“

Denn nur vier Tage arbeiten bedeutet auch, abends später nach Hause zu kommen. „Für Eltern mit Kindern, die nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit am Tag fremdbetreut werden können, ist das zum Beispiel kein passendes Modell“, sagt Löwer, der das Geschäft zusammen mit seiner Frau führt.

Auch für viele ältere Mitarbeiter sei die Arbeitszeitaufteilung auf vier Tage nicht der richtige Weg. „Manche möchten einfach nicht so viele Stunden an einem Tag arbeiten und schaffen das auch körperlich nicht.“

Doch für andere sei es genau das Richtige. Das spürt der Geschäftsführer auch an den Bewerbungen, die reinkommen. „Wir haben plötzlich ein viel größeres Einzugsgebiet an Leuten, die bei uns arbeiten wollen. Angesichts des Fachkräftemangels können wir in der Beziehung zurzeit ruhiger schlafen.“

Sechs neue Mitarbeiter hat LET eingestellt, seit sich die Vier-Tage-Woche rumgesprochen hat, insgesamt arbeiten jetzt 38 Angestellte für das Energietechnikunternehmen. „In den vergangenen Jahren war es sehr schwierig, neue Kräfte zu finden. Das Angebot des neuen Arbeitszeitmodells hat da richtig Schwung reingebracht.“

Vor allem jüngere Menschen fühlten sich von der Möglichkeit, ihre Arbeit im Zeitraum von Montag bis Donnerstag zu erledigen, angesprochen. „Das Arbeitsleben ist heute bunter, das erfordert auch vom Arbeitgeber mehr Flexibilität. Man muss um gute Kräfte werben und ihnen etwas bieten“, sagt Löwer.

Und das fällt Löwers auch nicht schwer, denn das Ehepaar sieht für die Firma nur Vorteile: „Die Gesundheit der Mitarbeiter wird geschont, die Produktivität und Motivation steigt und der Kunde ist auch glücklich. Denn bei dem können wir längere Zeit am Stück arbeiten und eine Baustelle so schneller fertigmachen.“

Ein Beispiel: Wenn sonst Montagmorgen eine Heizung ausgebaut wurde, hatte der Kunde bis Dienstagnachmittag kein warmes Wasser. Jetzt bleiben die Monteure montags länger und der Kunde kann schon Dienstagvormittag wieder warm duschen.“

Positive Auswirkungen gebe es auch auf den 24-Stunden-Notdienst am Wochenende: „Wer von montags bis freitags gearbeitet hat, will nicht auch noch Samstag und Sonntag abrufbereit sein“, sagt Löwer. „Wir waren deshalb schon kurz davor, unseren Notdienst einzustellen. Es wollte ihn keiner mehr machen.“ Doch nun wüssten die Mitarbeiter, dass ja der Freitag sonst immer frei ist. „Das motiviert enorm.“ (Theresa Novak)

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