Porträt

Wirt hört Ende des Jahres im Bürgerhaus Bergshausen auf

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Langjährige Bedienung: Marjana Bilonić und Wirt Thomas Leppin standen Jahrzehnte lang hinter dem Tresen im Bürgerhaus Bergshausen. Nun gehen sie Ende des Jahres in den Ruhestand.

Nach 26 Jahren hinter der Theke ist Schluss: Der langjährige Wirt im Bürgerhaus Bergshausen, Thomas Leppin, geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Nun sucht die Gemeinde einen Nachfolger.  

Fuldabrück/Schauenburg – Kurz vor 18 Uhr scheint die Nachmittagssonne direkt auf die Theke des Bergshäuser Bürgerhauses. Dahinter scherzt Bedienung Marjana Bilonić mit den ersten Gästen, Koch Peter Schargitz schaut schmunzelnd aus der Küche. Der Mann im blauen Pullover, der dazu kommt, ist Wirt Thomas Leppin. Ihm wird all das fehlen, wenn er Ende des Jahres in Ruhestand geht – nach 26 Jahren.

„Das hier ist schon ein Schmückstück“, sagt der 64-jährige Gastwirt über das Bürgerhaus, und ein bisschen klingt darin Wehmut mit. Das war anders, als er vor 26 Jahren das Bürgerhaus zum ersten Mal sah. „Es war ein hässlicher Waschbetonklotz“, erinnert sich der Schauenburger. Das war vor der Sanierung. 

Dass er das Bürgerhaus als Wirt übernahm, stieß bei manchen Gastrokollegen in Kassel auf Unverständnis. Zu der Zeit war Leppin Inhaber der Warsteiner Pfanne auf der Friedrich-Ebert-Straße. „Wie kannst du von der Meile gehen?“, habe er sich anhören müssen. 

Dem Gasthaus, in dem er bis 1997 gearbeitet hatte, fehlte allerdings ein separater Raum, etwa für Feiern. „Die Aufteilung im Bürgerhaus war fast optimal, das hat mich überzeugt“. So wechselte er von der Stadt aufs Dorf. „Ich kenne hier mittlerweile mehr Menschen, als in Hoof“, sagt Leppin, der in Schauenburg wohnt. 

Seinen Koch Peter Schargitz nahm er mit, Schargitz hatte bei ihm in der „Pfanne“ gelernt und gearbeitet. Bilonić war damals schon 13 Jahre im Bürgerhaus. Die gebürtige Kroatin hört ebenfalls zum Ende des Jahres auf. Mit 38 Jahren im Bürgerhaus übertrifft sie ihren Chef damit sogar noch. „Irgendwann muss man mal einen Schlussstrich ziehen“, sagt sie lachend und freut sich darauf, nicht mehr ständig auf die Uhr schauen zu müssen.

Zeitdruck gehört auch zu den Dingen, die Leppin nicht fehlen werden. „Mein Leben war von der Uhr bestimmt,“ sagt er. Oft sei er nur zum Schlafen zu Hause gewesen. „Ich musste auf vieles im Privatleben verzichten“. Trotzdem sei er immer mit Freude zur Arbeit gegangen. Dass man sich mit ihm auch gut Streiten kann, haben 30 Jahre Zusammenarbeit gezeigt, sagt Peter Schargitz mit einem Augenzwinkern. Auch er wird Leppin vermissen, vor allem schätzt er seine Gerechtigkeit. Das sei im Gastrogewerbe keine Selbstverständlichkeit. 

Auch Kuriositäten fehlten nicht. So erzählt Leppin von Anrufern, die ihren Wohnsitz ummelden wollten, statt einen Tisch zu reservieren. Und davon, wie er einmal versucht hatte, eine Tür mit Steinwolle und Spanplatten zu dämmen, um den Lärm der im Saal stattfindenden Geburtstagsfeier vom damaligen Bürgermeister Bialecki von den nebenan tagenden Seminargästen fernzuhalten. Ungewöhnlich ist auch, dass Leppin zwar viel ausschenkt, selbst aber keinen Tropfen Alkohol trinkt. Sein Bier ist Schokolade.

Auch Bürgermeister Dieter Lengemann bedauert, dass Leppin geht, und bedankt sich für die gute Zusammenarbeit. „Es lief immer fadengerade“, sagt Leppin. Bis zum Ende des Jahres sucht die Gemeinde einen Nachfolger. Dem wünscht Leppin eine gute Fortsetzung.

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