„Einzelpraxen schwer vermittelbar“

Fuldabrücker Hausärztin hört auf – Nachfolger noch nicht in Sicht

Beatrice Toka (vorn im Bild) hört als Ärztin in Fuldabrück auf.
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Beatrice Toka (vorn im Bild) hört als Ärztin in Fuldabrück auf.

Wenn der Hausarzt im Ort plötzlich fehlt, zieht das viele Probleme nach sich. Patienten sind gezwungen, sich umzuorientieren, andere Hausärzte in der Nähe müssen einspringen und auch die nahe gelegene Apotheke hat Sorge, dass nicht mehr genug Kunden kommen.

Kreis Kassel – Auf die Fuldabrücker kommt nun all das zu. Denn Beatrice Toka, seit vier Jahren Hausärztin im Ortsteil Dennhausen/Dittershausen, hört auf. „Die Praxis wird aus persönlichen Gründen zum 30. September geschlossen, bitte holen Sie ihre Befunde bis zum 20. September ab“, steht auf einem Zettel an der Praxistür.

Ein Nachfolger ist laut Bürgermeister Dieter Lengemann bisher nicht in Sicht. „Wir sind in intensiven Beratungen, wie es in Dennhausen/Dittershausen nun weitergeht. Aber von heute auf morgen geht das nicht.“

Grundsätzlich sei es für eine Übergangszeit möglich, dass die anderen Hausärzte in Fuldabrück Tokas Patienten übernehmen. „Aber das führt natürlich zu einer größeren Belastung der Ärzte“, sagt Lengemann. „Wir wollen so schnell wie möglich einen Nachfolger finden.“

Dass das nicht einfach wird, sagt auch Karl Roth, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen. „Generell wird das Thema der Nachbesetzung in den nächsten Jahren kompliziert bleiben. Megatrends wie die Feminisierung des Arztberufs, Teilzeitmodelle und der Wunsch nach Kooperation und besserer Work-Life-Balance führen dazu, dass die klassische Einzelpraxis – schon gar im ländlichen Raum – schwer vermittelbar wird und bleibt.“

Bei der Suche nach einem Nachfolger für Beatrice Toka ist auch der Landkreis Kassel mit im Boot. „Es ist auch für die Infrastruktur des Fulda-brücker Ortsteils wichtig, dass es dort einen Hausarzt gibt“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Doch auch er weiß, einfach wird es nicht, für den Job jemanden zu finden.

„Viele möchten heute eher Teil einer Gemeinschaftspraxis und nicht alleine verantwortlich sein“, sagt Kühlborn. „Die Balance zwischen arbeiten und leben ist denjenigen, die heute Medizin studieren, wichtiger als früher – und das ist auch gut so.“ Der Vorteil einer Gemeinschaftspraxis sei zum Beispiel eine geregeltere Arbeitszeit. „Es bleibt eben nicht alles an einer einzigen Person hängen“, sagt Kühlborn.

Toka hatte die Praxis in Dennhausen 2017 von Dr. Turhan Cubukcu übernommen, der inzwischen verstorben ist. Warum Toka die Praxis in der Parkstraße in Fulda-brück aufgibt, ist unklar. Die Ärztin war bis Redaktionsschluss für unsere Zeitung nicht erreichbar, auch in der Praxis liefen alle Anrufe ins Leere. (Theresa Novak)

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