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Fuldabrücker Unterstützerkreis für Flüchtlinge gründet Verein

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Von: Valerie Schaub

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Magadisa (von links), Hadisa (beide 11) und Shukla Azimi, daneben Sergii Galiuza mit Tochter Julia (1, aus der Ukraine), links und rechts Rüdiger Schmidt und Hans-Günter Franke vom Unterstützerkreis.
Vor allem die Fahrradwerkstatt des Unterstützerkreises in Fuldabrück ist beliebt. Die drei afghanischen Schwestern durften fürs Foto auf den Helm verzichten. Magadisa (von links), Hadisa (beide 11) und Shukla Azimi, daneben Sergii Galiuza mit Tochter Julia (1, aus der Ukraine), links und rechts Rüdiger Schmidt und Hans-Günter Franke vom Unterstützerkreis. © Valerie Schaub

Seit 2015 helfen Ehrenamtliche Flüchtlingen in Fuldabrück Fuß zu fassen. Noch Jahre später sind sie mit ehemaligen Schützlingen in Kontakt. Jetzt haben sie mit einem Verein ihre Hilfe verankert. Damit sind sie die ersten im Landkreis.

Fuldabrück – Die drei Schwestern aus Afghanistan brausen mit Fahrrädern herum, eine ukrainische Familie hat gerade ihre neuen Pässe bei der Ausländerbehörde abgeholt – mittendrin im Gewusel der Neuankömmlinge sind Rüdiger Schmidt und Hans-Günter Franke.

Die beiden Ehrenamtlichen helfen mit ihren Mitstreitern in den Flüchtlingsunterkünften in Fuldabrück, wo sie können. Mit ihrem Unterstützerkreis tun sie das schon seit 2015. Nun hat sich die lose Gruppe von Aktiven zum Verein zusammengeschlossen – als erster Unterstützerkreis im Landkreis.

In Fuldabrück bieten sie Sprachkurse an, machen gespendete Fahrräder in der eigenen Werkstatt fit, helfen bei Formularen und sind Ansprechpartner. Für manche sind sie auch mehr als das. Burhanuddin Azimi aus Afghanistan beschreibt sie als Brüder. Ohne viel Fachwissen und Erfahrung haben die Ehrenamtlichen 2015 angefangen, ihre Hilfe anzubieten. In Sachen Spontanität und Kreativität sind die Helfer mittlerweile Profis. Mit ihrem Laientum und „Larifari“, wie Hans-Günter Franke die anfängliche Arbeit schmunzelnd betitelt, haben sie Erfolge gemeistert, Neuankömmlingen geholfen, Fuß zu fassen und Analphabeten auf dem Weg zum Abitur begleitet. Darauf sind sie stolz.

Doch das Organisieren von einer Handvoll motivierten Bürgern ohne feste Struktur wurde schwieriger. Es fehlte Geld für Bücher und die Fahrradwerkstatt, schildert Schmidt. Als Verein können sie nun Sponsoren eine Spendenquittung ausstellen. In ihrem Tun sind die Ehrenamtlichen versichert. Auch der Landkreis hat es einfacher, einen Verein anstatt eine Gruppe von Privatpersonen zu unterstützen, bestätigt ein Kreissprecher.

Zu Erfolgsgeschichte der Ehrenamtlichen zählt auch Sergii Galiuza. Der Ukrainer gehört zu den 20 Gründungsmitgliedern des Vereins, dabei ist er selbst mit seiner Frau und den drei Kindern erst Anfang März in Fuldabrück angekommen. Franke hat den Familienvater bei der Registrierung in der Erstunterkunft angesprochen und ihm eine Wohnung vermittelt. Seitdem sind die beiden Nachbarn, Galiuza nennt Franke beim Spitznamen. „Wenn ich eine Frage habe, rufe ich vom Balkon rüber“, sagt er. „Wir sind so dankbar für die Hilfe in Deutschland.“ Davon möchte er zurückgeben, was er kann.

Seine Familie kommt aus dem Donbass. Als der Krieg im Osten vor acht Jahren begann, ist sie nach Odessa geflüchtet. Jetzt brach sie erneut auf. Für wie lange ist völlig unklar, schildert Galiuza auf Englisch.

Die afghanische Familie Azimi hat einen ähnlichen Weg zurückgelegt. Im August 2021 flohen der Ingenieur und die Lehrerin mit den Töchtern vor den Taliban in die Ukraine, bis sie im Februar erneut aufbrechen mussten und in Fuldabrück landeten. Dank der Fahrradwerkstatt sind sie mobil. Mit den reparierten Rädern fahren sie nach Kassel, schildert Mutter Nasreen. Die Frage, ob sie bleiben dürfen, zieht sich, eine Antwort blieb bisher aus.

Franke und Schmidt sind auch nach Jahren noch mit ehemaligen Schützlingen in Kontakt. Manche studieren mittlerweile Medizin. Einige haben sich sofort als Vereinsmitglieder angemeldet. Mit ihrem Jahresbeitrag helfen nun auch die, die selbst einmal Hilfe bekommen haben.

Kontakt: Wer den Verein unterstützen möchte, kann sich an hans-guenter-franke@web.de wenden.

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