Jugendlicher bestreitet Anruf

„Mussten vom Schlimmsten ausgehen“: Scherzanruf von 15-Jährigem sorgt für riesigen Polizeieinsatz

Notruf nur im Notfall wählen: Wer sich einen Scherz mit der Polizei erlaubt, muss dafür zahlen.
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Notruf nur im Notfall wählen: Wer sich einen Scherz mit der Polizei erlaubt, muss dafür zahlen.

Als in Fuldatal ein besorgter Anrufer eine Massenschlägerei meldet, rückt die Polizei mit einem Großaufgebot aus. Dahinter steckt aber nur ein schlechter Scherz.

Fuldatal - Die Situation klingt dramatisch. Als am Montagnachmittag vergangener Woche (27.09.2021) um 18.26 Uhr ein Notruf bei der Polizei Kassel eingeht, schildert der Anrufer eine Lage, wie man sie nur aus Krimis kennt.

Dass es sich um einen sehr schlechten Scherz handelt, kann die Polizei in diesem Moment nicht wissen. Denn was der junge Mann erzählt, klingt glaubhaft und seine Beschreibungen sind detailliert. In der Veckerhagener Straße in Ihringshausen sei eine Massenschlägerei in Gang, etwa 20 Personen seien involviert, einige hätten Schnittwunden im Gesicht. Ältere, betrunkene Junkies seien dabei. Außerdem sei ein Knall zu hören gewesen, vermutlich von einer Schusswaffe.

Kreis Kassel: Polizei rückt mit Großaufgebot an

„Wir mussten vom Schlimmsten ausgehen“, sagt Dirk Bartoldus, Erster Polizeihauptkommissar von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Polizeipräsidium Nordhessen. „Gerade weil auch Schüsse gemeldet wurden. Das ist das Schlimmste, was passieren kann.“

Neben sechs Polizeistreifen rückt ein Rettungswagen in die Veckerhagener Straße aus. Die Kollegen in der Leitstelle versuchen derweil, den Mann am Telefon zu halten. Um 18.30 Uhr beschreibt er laut Protokoll eine schwarz gekleidete Person, die wegrennt. Im Protokoll der Polizei heißt es weiter, dass er auf Nachfrage nur mäßig kooperativ gewesen sei.

Als um 18.33 Uhr die ersten Streifen in Fuldatal ankommen, melden sie sofort an die Leitstelle, dass keine Schlägerei im Gange sei, auch keine Verletzten seien zu sehen. Um 18.38 Uhr werden die Rettungskräfte abbestellt, weil klar ist, dass sie nicht gebraucht werden. Doch es dauert, bis klar ist, dass sich der Anrufer einen schlechten Scherz erlaubt hat.

Polizei prüft Situation im Kreis Kassel: Scherzanruf fällt erst später auf

Es sei nicht ungewöhnlich bei Massenschlägereien, dass beim Eintreffen der Polizei niemand mehr zu sehen sei, sagt Bartoldus. „Wenn da zerstrittene Parteien oder Gangs involviert sind, dann haben die kein Interesse, dass die Polizei ermittelt.“ Die Streifenpolizisten fragen also in einer Gaststätte und einem Imbiss nach, ob sie etwas beobachtet hätten. Erst um 18.56 Uhr entlässt der Einsatzleiter laut Protokoll die weiteren Kräfte und lässt nicht mehr ermitteln.

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Etwa 20 Polizeibeamte plus Rettungskräfte sind eine gute halbe Stunde mit dem fiktiven Einsatz beschäftigt – und fallen somit aus, sollte irgendwo ein wirklicher Notfall eintreten und die Rettungskräfte und die Polizei an anderer Stelle dringend gebraucht werden. „Durch so etwas könnten Personen geschädigt werden“, sagt Bartoldus. „Das muss sich der Anrufer bewusst machen.“

Polizeieinsatz im Kreis Kassel: 15-Jähriger streitet Scherzanruf ab

Im Laufe der Ermittlungen stellt sich heraus, dass der Notruf vom Handy eines 15-Jährigen aus Fuldatal abgesetzt wurde. Der bestreitet zwar, etwas mit dem Anruf zu tun zu haben, aber seine Aussage schätzt Bartoldus als „wenig glaubhaft“ ein. „Er hat angegeben, dass er sein Handy an einem Kiosk vergessen und später erst abgeholt hätte.“

Der 15-Jährige wird in den nächsten Tagen zur Vernehmung bei der Polizei vorgeladen. Es läuft ein Strafverfahren gegen ihn wegen Vortäuschung einer Straftat und Missbrauchs von Notrufen. Zudem droht ihm eine Rechnung im dreistelligen Bereich für den ausgelösten Polizeieinsatz.

Zum Glück komme es bei der Leitstelle der Polizei nur sehr selten vor, dass über den Notruf bewusst falsche Informationen gegeben würden, sagt Bartoldus. Vermutlich nicht mehr als bei ein bis zwei Prozent aller Notrufe sei das der Fall. „Dass es so massiv ist wie in diesem Fall, das haben wir ganz selten“, erklärt Bartoldus. (Amira El Ahl)

Eine Frau aus Kassel ist Opfer von Betrügern geworden: Sie bekam einen Schockanruf von einem angeblichen Polizisten und übergab Schmuck im Wert einer sechsstelligen Summe.

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