Ohne Computer geht nichts mehr

Anforderungen im Kfz-Gewerbe sind gestiegen – Ausbildung wird technischer

Kabel und Computer: Ohne Analysegeräte, wie rechts im Bild, kann Kfz-Mechatronikergeselle Niko Kulmann nicht mehr arbeiten. Für unser Bild arbeitet er an einer Autobatterie.
+
Kabel und Computer: Ohne Analysegeräte, wie rechts im Bild, kann Kfz-Mechatronikergeselle Niko Kulmann nicht mehr arbeiten. Für unser Bild arbeitet er an einer Autobatterie.

Ohne Computer geht heute im Kfz-Gewerbe gar nichts mehr. Denn moderne Autos stecken voller Elektronik. Deshalb müssen Auszubildende in dem Beruf heute vor allem technische Zusammenhänge verstehen.

Kreis Kassel/Fuldatal – Angefangen hat es beim Rennsport schauen mit seinem Onkel. Niko Kulmann wollte wissen, wie die schnellen Autos eigentlich funktionieren. Und so hat sich der Kasseler für eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker entschieden. Und obwohl er ein Faible für Technisches hat, ist dem 23-Jährigen die Ausbildung nicht immer leicht gefallen.

Vor allem zu verstehen, wie die vielen kleinen Computer heutzutage in modernen Autos miteinander kommunizieren, sei schwierig gewesen, sagt er. „Da musste ich schon einiges büffeln.“ Mittlerweile hat der Kasseler ausgelernt und arbeitet fest bei seinem Ausbildungsbetrieb Hermann Klein in Fuldatal-Ihringshausen.

Um die Herausforderungen, die der Geselle meistern musste und muss, weiß auch sein Vorgesetzter, Pkw-Werkstattleiter Andreas Wenzel: „Die Ausbildung ist anspruchsvoller geworden.“ Das kann er aus eigener Erfahrung sagen. Mitte der 80er-Jahre, als er selbst seine Lehre machte, ging es vor allem um zwei Dinge: mechanische Abläufe und handwerkliches Geschick. Von E-Mobilität oder Digitalisierung war damals noch nicht die Rede.

„Heute macht man sich immer noch die Hände schmutzig, aber muss vor allem viele technische Zusammenhänge verstehen.“ Wie ein Einparkassistent und ein Automatikgetriebe funktioniert oder wie die verschiedenen Computer und Motoren im Auto zusammenwirken. Um sich all das anzueignen, sei viel Eigeninitiative gefragt. Denn wo früher eine Werkzeugkiste genügte, benötige man heute auch Diagnosegeräte.

„Wir merken, dass Azubis mit einem guten Hauptschulabschluss teils Schwierigkeiten haben“, sagt Wenzel. Mittlerweile sei eher ein Realschulabschluss notwendig. Manche Auszubildende hätten sogar Abitur.

Laut Jürgen Klein haben sich die gestiegenen Anforderungen nur leicht auf die Bewerberzahlen für die Ausbildung ausgewirkt. „Wir hatten zuletzt etwas weniger, aber immer noch genügend Bewerber“, sagt der Mit-Geschäftsführer des Autohauses. Von einem Fachkräftemangel könne noch keine Rede sein – zumindest in seinem Betrieb. Auch wenn die Ausbildung anspruchsvoller geworden ist: „Sorgen machen, dass man irgendwann nicht mehr mitkommt, braucht man sich in der Ausbildung und danach nicht.“ Dafür gebe es ständige Fortbildungen.

So blicke Klein zuversichtlich in die Zukunft, in der autonomes Fahren eine immer größere Rolle spielen könnte.(Von Moritz Gorny)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.