Bedroht der Quarzsand-Abbau die Idylle?

Anwohner von Gut Eichenberg bei Kassel wehren sich erneut gegen Tagebau

Diese Eichenallee am Rande einer landwirtschaftlichen Fläche ist Teil des Kassel-Steigs. Im Vordergrund ist eine Sitzbank zu sehen.
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Historische Sehenswürdigkeiten: Die Eichenallee am Rande der landwirtschaftlichen Fläche, die offenbar künftig als Tagebau genutzt werden soll, ist Teil des Kassel-Steigs. An dieser Allee liegt auch der historische Friedhof, der der Familie von Escheberg gehört und von ihr unterhalten wird.

Der Abbau von Quarzsand auf einem Feld zwischen Gut Eichenberg und dem historischen Friedhof in Rothwesten war Geschichte – eigentlich. Denn jetzt gibt es offenbar erneut das Bestreben, den Rohstoff aus dem Erdreich zu schürfen.

„Ein Rahmenbetriebsplan ist beantragt und befindet sich in der Ergänzung durch den Antragsteller“, bestätigt das Regierungspräsidium Kassel (RP). Wer sich die Rechte an dem Tagebau sichern möchte, gibt das RP nicht bekannt. Es kursiert aber das Gerücht, dass der Betreiber der benachbarten Schutthalde neben der Biokompostierungsanlage Antragsteller sein soll. Auf HNA-Anfrage widerspricht der dem Gerücht. Er habe lediglich die Konkursmasse des früheren Fuldataler Betriebs Adolf Wielebinski aufgekauft.

Aber von vorn. Thomas Wielebinski wollte 2010 Quarzsand bei Gut Eichenberg abbauen. Der Unternehmer hatte seinerzeit viel Geld investiert, um sich die Schürfrechte zu sichern. Das Vorhaben scheiterte. Zum einen, weil die Anwohner erheblichen Widerstand leisteten. Zum anderen, weil die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck – Eigentümerin der Fläche – dem Vorhaben letztendlich im April 2014 eine Absage erteilt hatte. Nachdem Thomas Wielebinski im Januar 2013 plötzlich gestorben war, übernahm sein Vater Manfred Wielebinski im August desselben Jahres den Betrieb. Er konnte das finanziell angeschlagene Unternehmen aber nicht retten und meldete 2015 Insolvenz an. Die Konkursmasse wurde daraufhin veräußert.

Anwohner Dr. Frank Klobes vor dem 8,7 Hektar großen Feld. Im Hintergrund steht die Reitanlage.

Ob in naher Zukunft nun doch auf dem 8,7 Hektar großen Areal ein Tagebau entsteht, ist ungewiss. Denn ein Hauptbetriebsplan, der für den Abbau des Quarzsandes nötig ist, liegt laut RP noch nicht vor. Außerdem müsste die Kirche die Fläche für den Tagebau zur Verfügung stellen. Auf HNA-Anfrage teilte Oberlandeskirchenrat Timo Koch mit: „Unsere ist Fläche derzeit verpachtet. Im letzten Jahr gab es eine weitere Anfrage hinsichtlich einer Verpachtung. Diese ist allerdings bislang nicht weiterverfolgt worden.“ Aktuell ist die Fläche an einen Fuldataler Landwirt verpachtet.

Kritik an Tagebau bei Fuldatal: Einspruch beim Regierungspräsidium eingelegt

Allein auf das mögliche Veto der Kirche wollen sich die Anwohner auf Gut Eichenberg nicht verlassen. Sie haben Einspruch beim RP eingelegt. Denn der Tagebau läge nur wenige Meter von ihren Grundstücken entfernt. „Neben den gesundheitlichen Beeinträchtigungen werden wir auch deutliche wirtschaftliche Abwertungen unserer Immobilien hinzunehmen haben“, sagen sie. Einer von ihnen ist Dr. Frank Klobes. Er betreibt mit seiner Lebensgefährtin die stationäre Jugendpflegeeinrichtung im ehemaligen Landschulheim. „Wir haben große Angst und sorgen uns um unsere Zukunft“, sagt er im Namen aller Betroffenen.

Auch das angrenzende Pferdetrainings- und Schulungszentrum Pro-Ride sowie die Eigentümer der anderen Häuser auf Gut Eichenberg seien verunsichert, weil niemand weiß, wer ein Interesse an dem Quarzsandvorkommen hat. „Es ist schon seltsam, dass das alles im Verborgenen geschieht“, sagt Klobes. Ob die Betroffenen erfahren, wer Antragsteller ist, bleibt abzuwarten. Das RP hat nach eigenen Angaben den „Einspruch an den Unternehmer weitergeleitet“.

Kritik an Tagebau bei Fuldatal: BUND hat sich eingeschaltet

Auch der BUND hat sich eingeschaltet. „Wir haben am 22. Mai Antrag auf Beteiligung am Verfahren gestellt“, teilt Stefan Bitsch mit. Weil die besagte Fläche aber kleiner als zehn Hektar ist, wird das RP der Forderung der Naturschützer nicht Folge leisten. „Es handelt sich um ein fakultatives Rahmenbetriebsplanverfahren ohne öffentliche Beteiligung.“ Eine allgemeine Vorprüfung sei nicht angedacht.

Weil der Kassel-Steig direkt an dem möglichen Tagebau vorbei führt, hat Anfang der Woche auch der Hessisch-Waldeckische Gebirgsverein Kassel einen Brief an das RP geschickt. Der Verein hatte den Panoramawanderweg 2013 erschlossen und fürchtet nun um dessen Attraktivität. Eine Rückmeldung des RP steht noch aus.

Ob die Anwohner auf Gut Eichenberg jemals erfahren, wer Antragsteller ist, hängt schlussendlich davon ab, ob der sich zu erkennen gibt, oder einen Hauptbetriebsplan beantragt. Dann spätestens muss die Öffentlichkeit beteiligt werden.

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