Ländliche Entwicklung

Bäckerauto kommt nicht mehr - Situation ist für Ältere in Fuldatal-Wahnhausen besonders schwierig

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Die Brötchentüten sind leer. Das Bäckerauto, das Ortschaften wie Wahnhausen rund 20 Jahre lang belieferte, kommt nicht mehr. Karlheinz Schulze ist einer von vielen, die das traurig macht.

Das Bäckerauto kommt nicht mehr nach Fuldatal-Wahnhausen. Nun gibt es dort keinen Lebensmittelladen mehr. 

Fuldatal – „Ich war so froh, dass dienstags und donnerstags pünktlich um 10.30 Uhr das Bäckerauto kam. Für Samstag konnte ich auch etwas bestellen. Jetzt kommt das Bäckerauto nicht mehr nach Wahnhausen“, sagt Karlheinz Schulze. Der Rentner ist pflegebedürftig und nicht mobil. Das Bäckerauto war für ihn die einzige Möglichkeit, ab und zu frische Brötchen zu bekommen.

Rund 20 Jahre versorgte das Bäckerauto der Bäckerei Hamenstädt die Wahnhäuser mit frischen Backwaren. Vergangenes Jahr kam es kurz vor Weihnachten das letzte Mal. „Der Abschied war schwer, das habe ich auch bei den Nachbarn gemerkt“, erzählt Schulze.

Seit 1998 der Edeka in Wahnhausen schloss, ist die Versorgungslage im Ort schwierig geworden. Schulze sagt, es gehe vielen Menschen so wie ihm. „Man kann sich hier ohne Hilfe kaum noch selbst versorgen“, sagt der 63-Jährige. Er habe ein bisschen Unterstützung, „aber was ist mit den Menschen, denen es noch schlechter geht?“

Warum das Bäckerauto nicht mehr kommen kann, darüber können die Anwohner nur spekulieren. Sie vermuten, dass es mit der neu eingeführten Kassenbonpflicht zu tun hat. Das Auto habe über keine geeignete Kasse verfügt, um für die im Bäckerauto verkauften Waren direkt einen Bon auszugeben. Die Bäckerei Hamenstädt selbst wollte auf Nachfrage der HNA keine Auskunft geben.

Seit Kurzem gibt es für die Wahnhäuser aber Hoffnung. Ein neuer Lieferant hat nun seine Dienste angeboten. Die Brötchen und Brote werden jeden Morgen frisch von der Bäckerei Döhne in Baunatal gebacken. Ihren Weg in Ortschaften wie Wahnhausen finden sie durch Anke und Reinhold Beckmann. Das Angebot wird gern wahrgenommen, berichten sie. In Wahnhausen haben sie inzwischen 30 Kunden.

Anfang des Jahres machte sie ein bereits bestehender Kunde darauf aufmerksam, dass die Bäckerei Hamenstädt nun keine Brötchen mehr liefern kann, erklärt das Paar. Das Unternehmen „Beckmann bringt’s“ gibt es bereits seit 2014. Sie bieten nicht nur Brötchen an, sondern vieles, was man im alltäglichen Leben braucht. „Wenn eine ältere Dame anruft und Toilettenpapier oder Haarspray braucht, bringen wir das mit“, sagt Anke Beckmann.

Täglich bis 17.30 Uhr könne telefonisch oder online bestellt werden. Geliefert wird am nächsten Tag, die Bezahlung läuft per Lastschrift, erklären Beckmanns. Das ermögliche ihnen, diesen Service überhaupt anzubieten, da die Bonpflicht sie so als Onlinehandel nicht betreffe.

Als moderner und mobiler „Tante-Emma-Laden“ sind sie gerade für ältere und pflegebedürftige Menschen in ganz Nordhessen eine Hilfe. „Die Leute leiden ja darunter, wenn sie so abgeschnitten sind“, sagt Reinhold Beckmann. Das Paar betreibt auch zwei Filialen in Vellmar und Baunatal, aber der Lieferservice liegt ihnen besonders am Herzen, weil er den Leuten hilft, sagen sie.

Von Sarah Schnieder

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