Wegen steigender Zahlen soll Erstaufnahmeeinrichtung reaktiviert werden

Bald wieder Flüchtlinge in der Kaserne in Rothwesten?

Liegen seit fünf Jahren brach: Die ehemaligen Kasernengebäude und die Sanitärcontainer werden vermutlich reaktiviert und wieder Erstaufnahmeeinrichtung.
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Liegen seit fünf Jahren brach: Die ehemaligen Kasernengebäude und die Sanitärcontainer werden vermutlich reaktiviert und wieder Erstaufnahmeeinrichtung.

Vor fünf Jahren war die Erstaufnahmeeinrichtung in der Fritz-Erler-Anlage in Fuldatal-Rothwesten geschlossen worden, die letzten Bewohner wurden von dort nach Calden verlegt. Jetzt könnte die Anlage auf dem ehemaligen Kasernengelände wieder aktiviert werden.

Fuldatal – Denn wie Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber am Mittwochabend vor den Ausschussmitgliedern der Gemeindevertretung sagte: „Wir erleben zurzeit wieder einen ständig steigenden Migrationsdruck.“

Etwa 100 Flüchtlinge nimmt das Land Hessen derzeit etwa pro Woche auf. Und die Erstaufnahmeeinrichtungen in Gießen „platzen aus allen Nähten“, wie Schreiber sagte. Deshalb hat das Land Hessen bereits fünf Jugendherbergen angemietet und im April und Juli die Kapazitäten im Standort Gießen durch fünf Unterkünfte in Leichtbauweise erweitert sowie den Standort Darmstadt reaktiviert, wie es vonseiten der Pressestelle des zuständigen Regierungspräsidiums (RP) in Gießen heißt. „Angesichts der wachsenden Zahl von Geflüchteten in den vergangenen Monaten ist ein weiterer Kapazitätsausbau auch außerhalb Gießens in Planung.“ Dazu gehöre auch die Prüfung der Reaktivierung bereits geschlossener Liegenschaften.

Aus diesem Grund war am Mittwochmorgen auch eine knapp 40-köpfige Delegation auf dem ehemaligen Kasernengelände in Rothwesten unterwegs, um sich ein Bild vom Istzustand der Häuser und Container auf dem Gelände zu machen. Dabei waren neben Schreiber unter anderem der Präsident des RP Gießen, Christoph Ullrich, Vertreter der Bundesagentur für Immobilienaufgaben (BIMA), der das Gelände gehört, und auch die Erste Kreisbeigeordnete des Landkreises Kassel, Silke Engler.

Entschieden ist zwar noch nichts, wie Schreiber vor den Ausschussmitgliedern am Abend betonte, aber „wir können relativ sicher davon ausgehen, dass die Fritz-Erler-Anlage relativ kurzfristig wieder aktiviert wird“. Realistisch sei eine Inbetriebnahme voraussichtlich im ersten Quartal des kommenden Jahres. „Der Markt wird bestimmen, wie schnell das geht“, sagte Schreiber, denn der Bezug sei auch davon abhängig, wann man Handwerker bekomme. Nach fünf Jahren Dornröschenschlaf muss einiges an den Gebäuden und den damals aufgestellten Sanitärcontainern gemacht werden. Einige der Container seien mit der Zeit bewachsen, andere noch in gutem Zustand. Die Wasser-, Strom- und Gasversorgung wurde zwar getrennt, kann aber laut Schreiber relativ schnell wieder reaktiviert werden.

Platz gäbe es in der Erstaufnahme für etwa 800 bis 1100 Menschen. Die würden dann automatisch zu Einwohnern der Gemeinde Fuldatal. Anders als 2015 würden die Geflüchteten aber zentral in Gießen erfasst, registriert und auch geimpft und die Daten dann elektronisch an die Gemeinde übermittelt.

„Wir beabsichtigen, das alles eng zu begleiten“, sagt Schreiber. So soll es zum Beispiel auch ein Angebot in Form einer Bürgerversammlung geben. „Wir wollen das so offen und transparent wie möglich machen, es gibt da nichts zu verheimlichen“, sagt der Rathauschef. In dieser Woche hat die Delegation vom RP Gießen noch zwei weitere mögliche Erstaufnahmen besucht, die reaktiviert werden könnten. Die endgültige Entscheidung wird dann voraussichtlich in der kommenden Woche fallen. (Amira El Ahl)

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