Besondere Menschen im Porträt

Fuldatal-Simmershausens Brunnenmeister hat den Dorf-Mittelpunkt vor seiner Tür

Ein Herr höheren Alters mit hellen Haaren zeigt auf ein Steingebilde, aus dem Wasser herausläuft.
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Eine der Brunnenmeister-Aufgaben: Immer am 30. April öffnet Herbert Pötter (76) in Fuldatal-Simmershausen die Wasserleitung zum Brunnen am Kumpplatz.

Ein spannender Beruf, ein besonderes Hobby oder eine bewegende Lebensgeschichte – es gibt viele interessante Menschen im Kreis. Heute: der Fuldataler Brunnenmeister Herbert Pötter.

Fuldatal – O’zapft is! Das Gefühl, den Startschuss und Anlass für ein wichtiges Fest im Ort zu geben, kennt nicht nur der Münchner Oberbürgermeister, der traditionell das erste Bierfass auf dem Oktoberfest ansticht.

Denn mit dem gleichen Satz könnte auch der 76-jährige Herbert Pötter aus Fuldatal-Simmershausen seine Aufgabe im Dorf beschreiben: Er ist dort Brunnenmeister und stellt immer pünktlich zum 30. April den Brunnen am Kumpplatz in der Heinrichstraße an.

Vor 40 Jahren aus Espenau nach Simmershausen gezogen

Das wird seit knapp 20 Jahren traditionell von einer großen Feier samt Bierpilz und Live-Musik begleitet – dem Kumpplatzfest. „Das ist noch richtig dörflich. Da kennt man jeden, der dahin kommt“, sagt Herbert Pötter. Das sei im Dorf mittlerweile nicht mehr selbstverständlich, da sich nicht alle Menschen, die dort hinziehen, auch gleichzeitig damit identifizieren.

Auch Herbert Pötter selbst ist laut eigener Aussage „nur ein Zugezogener“ – das dafür bereits seit mehr als 40 Jahren. Ursprünglich kommt der ehemalige Telekom-Mitarbeiter und jetzige Rentner aus Espenau-Mönchehof.

Doch als er im Januar 1977 seine heutige Frau Angelika geheiratet hatte, zog er gleich zu ihr in die Heinrichstraße 2 nach Simmershausen – und damit direkt an den Kumpplatz, wo 1997 der Brunnen gebaut wurde, um dessen Pflege und Instandhaltung sich Pötter heute kümmert.

Offiziell Brunnenmeister ist Herbert Pötter seit 2018

„Kump“ ist dabei eine regionale Bezeichnung für „Brunnen“. Anfang November oder vor dem ersten Frost dreht Pötter dann jedes Jahr über den Winter die Wasserleitungen des Brunnens zu. Im Frühjahr putzt und befreit er ihn wie im gesamten Jahr von Algen, damit er pünktlich zum 30. April wieder angestellt werden kann.

Mit einem Hydrantenschlüssel gelangt Herbert Pötter an die Wasserleitung, um sie aufzudrehen.

Offizieller Brunnenmeister ist Herbert Pötter erst seit 2018. Inoffiziell ist er bereits seit dem Brunnen-Bau an dessen Pflege und Instandhaltung beteiligt. Denn dabei habe er stets seinen Vorgänger Karl-Heinz Burghardt unterstützt, wie auch Rainer Haldorn, Sprecher des Simmershäuser Ortskuratoriums, sagt.

Als Burghardt 2018 jedoch altersbedingt beschloss, sein Amt abzugeben, musste Herbert Pötter nicht lang überlegen, ob er diese Aufgabe übernehmen möchte. Zumal sich der Brunnen direkt an seinem Grundstück befindet und Pötter ohnehin schon immer auch an den Kumpplatzfesten beteiligt war.

„Der eine wollte gern Strom, der andere gern das“, sagt Pötter. Und Haldorn ergänzt: „Herbert und Angelika stellen schon immer kostenfrei ihr Grundstück für Bänke zur Verfügung.“

Familie Pötter hat neun Haflinger-Pferde auf ihrem Hof

Beim Gespräch mit beiden wird klar: Das Kumpplatzfest ist der Höhepunkt des Jahres in Simmershausen, der beiden sichtlich fehlt. Denn auch dieses Jahr konnte die Feier wie schon 2020 coronabedingt nicht stattfinden.

An Leben mangelt es Herbert Pötter zuhause aber trotzdem nicht, denn mit in seinem Haus leben sein mittlerweile 44-jähriger Sohn Christian samt Frau und Kind.

Hinzu kommen neun Pferde auf dem Hof, denn sein Sohn züchtet Haflinger-Pferde, mit denen er bereits viele Preise gewonnen hat. Davon ist auch Herbert Pötter spürbar begeistert – mit leuchtenden Augen sagt er am Ende des Gesprächs: „Ich gehe jetzt wieder ins Heu.“ (Jan Trieselmann)

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