Nach über 400 Jahren wieder am Fuldaufer heimisch

Die Biber sind zurück - Fraßspuren bei Fuldatal-Knickhagen

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Fleißiger Nager: Im Uferbereich der Fulda hat Werner Diemer aus Speele deutliche Bissspuren an den Weidenbäumen im Uferbereich der Fulda gefunden, die von einem Biber stammen, der hier höchstwahrscheinlich heimisch geworden ist.

Lange Zeit galten Biber in Hessen als ausgerottet. Doch bei einem Wiederansiedlungsprojekt Ende der 1980er Jahre wurden zunächst 18 Biber im Spessart ausgesetzt.

Daraus hat sich über die Zeit eine prächtige Biberpopulation entwickelt, die bis nach Nordhessen reicht. So wurden jetzt erneut Spuren eines Bibers im Uferbereich der Fulda, unweit der Bushaltestelle bei Knickhagen, gefunden.

„Ich bin gern mit dem Fahrrad unterwegs“, erklärt Werner Diemer aus dem niedersächsischen Speele, einem Ortsteil der Gemeinde Staufenberg. Bei einer dieser Radtouren hat der 63-Jährige vom Fuldatal-Radweg aus, ein umgestürztes Weidenbäumchen gesehen, das mutmaßlich von einem Nager angefressen wurde. „Ich habe mir die Bissstelle näher angesehen und bin zu der Überzeugung gekommen, dass hier nur ein Biber am Werk gewesen sein kann“, ist sich Werner Diemer sicher. 

Dafür spricht auch die sogenannte Biberrutsche, die im Uferbereich deutlich zu erkennen ist und für ein schnelles Abgleiten des Nagers ins nahe Wasser benötigt wird. Wenige Stunden nach der Sichtung der ersten Spuren eines vermeintlichen Bibers hatte dieser bereits ein weiteres Bäumchen gefällt.

Biberexperte beim RP: Über die neuerliche Ansiedlung der vor 400 Jahren ausgerotteten Biber an der Fulda freut sich Axel Krügener, Sachbearbeiter für Naturschutzgebiete in Stadt- und Landkreis Kassel beim Regierungspräsidium in Kassel.

„Die Fraßspuren des Bibers sieht man eigentlich nur im Winterhalbjahr“, erklärt Biberexperte Axel Krügener vom Regierungspräsidium Kassel. Der Sachbearbeiter ist zuständig für Naturschutzgebiete in Stadt- und Landkreis Kassel und kennt sich mit dem Neuankömmling bestens aus. 

Im Sommer ernährt sich der Biber von Ufer- und Wasserpflanzen. Nur im Winter nagt er an den Weidenbäumen, die im Uferbereich wachsen und durch Verbiss möglichst ins Wasser fallen sollen, damit die Rinde feucht bleibt. Die Uferbereiche sind bevorzugte Siedlungsgebiete, wo die Biber an und in Gewässern, teils am Ufer und teils im Wasser leben. An Land wirken sie eher unbeholfen. Im Wasser sind sie dagegen elegante Schwimmer und können bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben. Natürlich kann es durch Biber auch zu Schäden kommen, doch als Schädling möchte ihn der Experte nicht bezeichnen.

„Die neuen Nagetiere zeigen ein gewisses Wanderverhalten, das sich immer weiter nach Norden erstreckt, um dort neue Lebensräume zu finden, beschreibt Krügener das Siedlungsverhalten der Tiere, die schließlich vor Jahrhunderten schon einmal in Nordhessen zuhause waren.“

Zum Thema: Der Biber ist an den Auen im Raum Kassel sesshaft geworden

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