Kita-Schließungen in Vellmar und Fuldatal

Engpässe bei Kinderbetreuung im Kreis Kassel: „Das wird ein harter Winter“

Die Krippe Pusteblume in Obervellmar musste wegen mehrerer positiver Coronafälle schließen und öffnet voraussichtlich erst Anfang nächster Woche wieder.
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Wegen Krankheit geschlossen: Die Krippe Pusteblume in Obervellmar musste wegen mehrerer positiver Coronafälle schließen und öffnet voraussichtlich erst Anfang nächster Woche wieder.

Wegen Krankheitsfällen müssen mehrere Kitas im Kreis Kassel schließen. Eltern beschweren sich über eine fehlende Notbetreuung

Kreis Kassel – Der Herbst ist Erkältungszeit, aber so schlimm wie in diesem Jahr war es lange nicht mehr – ganz unabhängig vom weiterhin grassierenden Coronavirus. Viele Kinderkliniken sind voll, weil vor allem Kleinkinder und Säuglinge derzeit vom RS-Virus betroffen sind. Aber auch viele Erwachsene kämpfen in diesen Wochen mit teils hartnäckigen Erkältungskrankheiten.

Vor allem Kindertagesstätten sind betroffen. Eine Einrichtung, die es besonders hart getroffen hat, ist die Kita Hummelnest in Fuldatal-Rothwesten mit der Außenstelle Hummelbox. Dort fehlen seit Wochen teils die Hälfte der Erzieherinnen wegen Krankheit, weshalb seit Anfang des Monats Gruppen geschlossen werden mussten. Dagegen laufen nun die Eltern Sturm.

Kitas im Kreis Kassel müssen schließen: Eltern fordern mehr Personal

Michael Thöne, der den Fachbereich Allgemeine Verwaltung und Familie in der Gemeinde leitet, kann den Unmut der Eltern verstehen. Die kritisieren zum einen, dass sie zu kurzfristig informiert worden seien. Zudem habe es nie eine Möglichkeit für eine Notbetreuung gegeben.

Die Forderung der Eltern: zum einen mehr Personal vorzuhalten und zum anderen den Personalnotstand intern aufzufangen und aus anderen Kitas Personal abzuziehen. Doch das sei kaum möglich, sagt Thöne. „Wir reißen Löcher auf, wenn wir Personal aus anderen Kitas holen. Es bringt ja nichts, wenn wir eine Kettenreaktion von Engpässen verursachen.“

Engpässe bei Kinderbetreuung im Kreis Kassel

Trotzdem widerspricht er dem Vorwurf, dass es nicht genügend Personal in der Kita Hummelnest gäbe. Das Gegenteil sei der Fall. „Die Ironie des Schicksals ist, wir haben dort sogar eine satte, gute Personalausstattung“, betont Thöne, sogar weit mehr, als vom Gesetzgeber gefordert. „Aber wenn von elf Kräften sechs plötzlich fehlen, dann stehen wir mit dem Rücken zur Wand.“ Seit Anfang des Monats fallen mehr als 50 Prozent der Erzieher aus.

Eigentlich hätten ab Montag wieder sieben Erzieherinnen arbeiten sollen, aber am Wochenende meldeten sich erneut drei Kräfte krank. Nun versucht die Verwaltung, kurzfristig eine Lösung in Abstimmung mit der Kita-Fachaufsicht des Landkreises zu finden. So könnten zum Beispiel auch Externe für die Betreuung eingesetzt werden. In Deutschland wird es immer schwieriger, neue Erzieherinnen und Erzieher zu finden - auch im Kreis Kassel ist der Fachkräftemangel spürbar.

Kita in Vellmar: Viele Kinder an RS-Virus erkrankt

Nicht nur Fuldatal ist betroffen. Auch in anderen Kommunen gibt es etliche krankheitsbedingte Ausfälle von Erzieherinnen.

In Vellmar mussten in dieser Woche in der Krippe Vellmar-West zwei Gruppen zusammengelegt werden. Dort sind derzeit vier von sechs Erzieherinnen krank. „Die Kita-Leitung hat in Absprache mit den Eltern geregelt, dass einige ihre Kinder zu Hause lassen“, sagt Katharina Hausmann, die bei der Stadt Vellmar die Pädagogische Leitung innehat. Nur so hätte verhindert werden können, die Krippe ganz zu schließen.

Derzeit hätten viele mit den typischen Herbstkrankheiten zu kämpfen. Vor ein paar Wochen seien viele Kinder hartnäckig und auch lange krank gewesen, sagt Hausmann, und besonders in den Krippen tauche das RS-Virus auf. „Jetzt ist eher das Personal krank.“ Aber Erzieherinnen zwischen den Kitas auszutauschen, käme nicht infrage. „Das ist viel zu heikel in der derzeitigen Situation“, betont Hausmann.

Corona-Fälle: Kita Pusteblume in Obervellmar bis zum 22. November zu.

Denn auch Corona schlägt in den Kitas der Stadt wieder zu. Erst war die Kita Frommershausen fast zwei Wochen wegen vieler positiver PCR-Tests ganz geschlossen, jetzt ist die Kita Pusteblume in Obervellmar bis zum 22. November zu.

Auch in den Kindertagesstätten der Awo im Landkreis und der Stadt Kassel gibt es derzeit viele Krankheitsausfälle – bei Kindern und Mitarbeitern, sagt Nancy Schmidt, Abteilungsleiterin des Fachbereichs Kinder- und Jugendhilfe. Ganze Kitas hätten bisher zwar nicht schließen müssen, aber hin und wieder wurden Gruppen zusammengelegt, sagt Schmidt.

Bei den Lossespatzen in Helsa hätten sich an einem Tag fünf Mitarbeiter krank gemeldet, aber weil es eine große Einrichtung mit vielen Köpfen sei, hätte der Ausfall aufgefangen werden können. „Es unterstützen sich alle gegenseitig“, sagt Schmidt. So würden im Notfall auch mal Mitarbeiter einer Einrichtung in einer anderen aushelfen. „Wir tauschen lieber, als zu schließen.“

Deutlich mehr Krankheitsfälle im Kreis Kassel als üblich: „Praxis regelrecht überflutet“

Der Allgemeinmediziner Gunter Lehmann bestätigt, dass derzeit wesentlich mehr Menschen krank sind, als sonst üblich zu dieser Jahreszeit. „Es genügt ein Wort: Katastrophe“, sagt Lehmann. Seine Praxis in Ihringshausen werde regelrecht überflutet. „Das hatten wir schon lange nicht mehr.“ Und dabei handele es sich nicht nur um Coronafälle, sondern eben auch um Erkältungskrankheiten wie die Grippe. Vor allem jüngere Patienten zwischen 15 und 40 Jahren seien betroffen und machten 90 Prozent der Patienten aus. „Das sind die, die am meisten draußen sind und Kontakt haben.“

Deshalb sei auch der aktuelle Krankheitsstand in der Kita in Rothwesten nicht erstaunlich. Auch in seiner Praxis waren in der vergangenen Woche auf einen Schlag vier Mitarbeiterinnen krank. Seine Prognose: „Das wird ein harter Winter für uns alle.“ (Amira El Ahl)

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