Naturschutz

Die Termenei bei Fuldatal ist gegen den Klimawandel gut gewappnet

Das Bild zeigt zwei Personen (Axel Krügener vom RP Kassel sowie Reinhard Vollmer, Naturschutzbeauftragter bei Hessen Forst), die in einer Heidelandschaft stehen. Rechts steht eine Eiche.
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Eine typische Heidefläche im Naturschutzgebiet Termenei bei Fuldatal: Für das Heidekraut ist der Klimawandel eher förderlich, sagen (von links) Axel Krügener vom RP Kassel sowie Reinhard Vollmer, Naturschutzbeauftragter bei Hessen Forst.

46 Naturschutzgebiete gibt es im Landkreis Kassel - sie sind zunehmender Trockenheit und Hitze ausgesetzt. Gefährdet der Klimawandel die Schutzgebiete? Heute die Termenei bei Fuldatal-Wilhelmshausen.

Kreis Kassel – Wer die Termenei, die einzige Heide im gesamten Landkreis Kassel, einmal in voller Blüte erlebt hat, weiß, weshalb sie von Wanderern so geschätzt wird. Wie ein lila Teppich überziehen im Sommer die blühenden Pflanzen den Boden, einzelne frei stehende Eichen geben der Szene etwas Erhabenes: eine romantische Landschaft wie im Märchen.

Nicht umsonst steht die Termenei – übrigens ein ehemaliger Truppenübungsplatz – schon seit 1987 unter Naturschutz. Sie wird gehegt und gepflegt, um das dort auf etwa 4,8 Hektar vorkommende Heidekraut zu erhalten. Jedes Jahr werden für das gesamte, 28 Hektar große Naturschutzgebiet bis zu 20 000 Euro ausgegeben. Die Pflegemaßnahmen sind erfolgreich. Doch wird das Gebiet auch mit dem Klimawandel zurechtkommen? Mit der zunehmenden Trockenheit und dem Temperaturanstieg?

„Die Termenei ist an vielen Stellen im Wandel“, bestätigen Axel Krügener vom RP Kassel und Reinhard Vollmer von Hessen Forst, die das Naturschutzgebiet schon seit Jahren betreuen. „Es verändert sich einiges. Es entsteht vor allem viel Neues.“

Um es vorwegzunehmen: „Der Heide selbst tut der Klimawandel eher gut“, sagt Vollmer. „Wir machen uns keine Sorgen.“ Trockenperioden und starke Sonneneinstrahlung machten dem Zwergstrauch deutlich weniger aus, als anderen Pflanzen. „Das bedeutet, dass das Heidekraut jetzt sogar einen Vorteil gegenüber Konkurrenzpflanzen hat“, erklärt Vollmer. So kümmere wegen der Trockenheit der Adlerfarn auf der Heidefläche inzwischen nur noch vor sich hin. Noch vor einiger Zeit drohte der Farn die Heide zu überwuchern. „Dennoch müssen wir die Heideflächen immer noch regelmäßig freischneiden und pflegen.“

Schwieriger werde es dagegen in den Bereichen der Termenei, wo es um Amphibienschutz geht. Vor etwa 15 Jahren wurden auf einer etwa 10 000 Quadratmeter großen Fläche mehrere kleine Tümpel angelegt. „Diese Tümpel sind in den sehr trockenen Jahren 2018, 2019 und 2020 tatsächlich ausgetrocknet, weil sie sich nur über Regenwasser speisen“, sagt Krügener. Für Amphibien wie die seltene Kreuzkröte sei das zunächst nicht dramatisch. „Die Tiere können sich über Jahre im Wald verkriechen, aber dann natürlich auch keine Nachkommen erzeugen“.

So seien die Tümpel mit einem Bagger noch einmal tiefer ausgehoben worden. „Das hat funktioniert. In diesem Jahr ist wieder ausreichend Wasser drin“, sagt Vollmer. Aber: „Die Menge des Kröten-Laichs war deutlich geringer als in normalen Jahren“.

Die zunehmende Trockenheit und der allgemeine Temperaturanstieg haben also einen Effekt. „Wir merken, dass vor allem die Insektenwelt darauf reagiert“, sagt Vollmer. Inzwischen werde an sonnenexponierten Stellen ganz bewusst Erde aufgerissen und so belassen. „Der kümmerliche Bewuchs bietet Sandbienen, Heuschrecken und verschiedenen Ameisen neue Lebensräume“.

Seit Neuestem wird auch dem Hirschkäfer eine Chance gegeben. So seien erst kürzlich Eichenstämme zur Hälfte in den Boden eingegraben worden – als Brutstätte für Hirschkäfer-Engerlinge. „Ob es klappt, wissen wir vielleicht erst in fünf oder acht Jahren. Denn so lange brauchen die Hirschkäfer, um sich zu entwickeln.“

Das Beispiel Hirschkäfer zeige aber, in welche Richtung die Pflege des Naturschutzgebietes Termenei ginge. „Natürlich wollen wir Bestehendes wie die Heide erhalten. Wir schauen aber auch, was der Klimawandel bringt und begreifen das als Chance für neue seltene Tier- und Pflanzenarten.“ (Boris Naumann)

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