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Ehemalige Tierfarm im Schocketal: Zukunft des Geländes bleibt ungewiss

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Von: Valerie Schaub

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Abgesperrt und verkommen: Das Land Hessen hat nach dem Tod des Besitzers um das Grundstück der ehemaligen Tierfarm in Fuldatal-Simmershausen einen Bauzaun aufgestellt.
Abgesperrt und verkommen: Das Land Hessen hat nach dem Tod des Besitzers um das Grundstück der ehemaligen Tierfarm in Fuldatal-Simmershausen einen Bauzaun aufgestellt. © Valerie Schaub

Inmitten des Schocketals unterbrechen Bauzäune die Idylle. Wer durch die Gitter schaut, erkennt noch Reste der ehemaligen Tierfarm. Doch Frage, wie es weitergeht, ist heute schwieriger denn je zu beantworten.

Fuldatal – Die Gemeinde Fuldatal ist zwar nach wie vor Eigentümer, erklärt Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU). „Aber das Nutzungsrecht hat das Land Hessen.“ Der ehemalige Besitzer hatte für das Grundstück 1977 ein Erbbaurecht von der Gemeinde erworben. Weil es keine Erben gibt, ist dieses Recht nach seinem Tod vor knapp zwei Jahren an das Land gefallen.

Auf dem 20 000 Quadratmeter großen Waldstück an der Bundesstraße bei Simmershausen hatte sich der einstige Star-Dompteur Siegfried Wiesner einst einen Lebenstraum erfüllt: Mit seinen Löwen, Pumas, Tigern und Leoparden auf einer Farm zu leben. Dieser Traum zerbrach nach und nach in den 80er-Jahren, als ein neues Artenschutzgesetz und Steuerschulden ihn zwangen, seine Raubkatzen zu verkaufen und die Farm zu schließen. Lange lebte Wiesner noch in einem alten Wohnwagen auf dem Gelände. Das Wrack ist noch zu sehen.

Zuständig ist nun zwar das Land, trotzdem passiert auf dem Grundstück nur das absolut Nötigste. Lediglich Bauzäune sind um das Gelände aufgestellt worden. Das hat auch damit zu tun, dass das Grundstück belastet ist und das Land die Schulden nicht mit Steuergeldern begleichen kann, heißt es aus Wiesbaden. Auf Nachfrage verweist der zuständige Landesbetrieb Bau und Immobilien (LBIH) auf die beschränkte Erbenhaftung: Die Erbschaft sei dürftig, deshalb hafte das Land als Zwangserbe nur mit dem vorhandenen Erbe. Eine Instandhaltung könne nicht aus dem Nachlass gedeckt werden. Selbst Sicherungsmaßnahmen seien nur im Rahmen der Gefahrenabwehr machbar.

Auch das Regierungspräsidium (RP) Kassel war und ist eingebunden: Das Dezernat Abfallwirtschaft hatte bereits 2018 das Gelände nach gefährlichen Abfällen durchkämmt. Man wollte verhindern, dass Boden und Grundwasser durch austretendes Öl, Farben, Lacke oder Bestandteile von Elektroaltgeräten verunreinigt werden, teilt die Pressestelle mit. Die Kosten im mittleren vierstelligen Bereich hatte damals schon das Land getragen.

Star-Dompteur Siegfried Wiesner lebte mit Leoparden, Pumas und Affen bei Simmershausen. Das Bild von 1974 zeigt ihn bei der Tigerfütterung.
Star-Dompteur Siegfried Wiesner lebte mit Leoparden, Pumas und Affen bei Simmershausen. Das Bild von 1974 zeigt ihn bei der Tigerfütterung. Archivfoto: Seringhaus © Archivfoto: Seringhaus

Denn für den einstigen Besitzer war das Grundstück längst zur Belastung geworden, finanziell und emotional. Nach einem Unfall war er einem gesetzlichen Betreuer unterstellt. Dieser hatte sich noch vergebens bemüht, dass die Bank auf ihre Forderungen verzichtet, erklärt er gegenüber der HNA. Dann hätte Wiesner sein Erbbaurecht vielleicht verkaufen können.

Jetzt hängt die Zukunft des Geländes weiter in der Schwebe, wie Bürgermeister Schreiber es nennt. „Es geht erst mal gar nicht weiter.“ Das Land Hessen sieht drei mögliche Auswege: Das Erbbaurecht für das Gelände wird verkauft, von der Gemeinde aufgelöst oder von den Grundbuchgläubigern zwangsversteigert. Würde es aufgelöst, ginge es an die Gemeinde Fuldatal zurück.

Anvisiert ist laut Land die erste Möglichkeit: der Verkauf. Dazu stehe der Landesbetrieb in Kontakt mit der Gemeinde, Grundbuchgläubigern und Interessenten. Wenn sich tatsächlich ein Käufer findet, könnte aus der ehemaligen Tierfarm endlich wieder etwas Neues entstehen.

Von Valerie Schaub

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