Interview

„Als Erstes wird am Schlaf gespart“ - Expertin leitet neuen VHS-Kurs zum Thema erholsamer Schlaf

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Mit Schlafstörungen haben viele Menschen zu kämpfen. Eine Ursache kann die Dauerbelastung am Tag sein.

Schlafstörungen sind ein Problem, das viele Menschen kennen – und davon im alltäglichen Leben eingeschränkt werden. Eine Expertin aus Fuldatal erklärt, was dagegen hilft.

Kreis Kassel – Alexandra Galauch aus Fuldatal ist Entspannungstrainerin und Stressmanagerin und leitet ab Freitag, 28. Februar, einen Kurs an der Volkshochschule Region Kassel, der sich mit dem Thema beschäftigt. Wir sprachen vorab mit ihr über das Thema.

Frau Galauch, was sind die Ursachen dafür, dass Menschen schlecht schlafen?

Stress und eine Dauerbelastung am Tag, auch eine ständige Erreichbarkeit. Wenn ich meinen Organismus den ganzen Tag auf einem hohen Level fahre, kann ich am Abend schlecht abschalten. Das ist eine verhaltensbedingte Schlafstörung – sie machen den größten Teil aus. Darauf können wir einwirken. Alle anderen Schlafstörungen, die krankheitsbedingt sind, wie Schlafapnoe, da kann ich nichts machen. Betroffene dürfen in Absprache mit dem Hausarzt natürlich trotzdem zu mir kommen.

Wann sollte man denn bei Schlafstörungen einen Arzt aufsuchen?

Generell gilt, dass man mit dem Hausarzt sprechen sollte, wenn man schon über einen sehr langen Zeitraum nicht mehr schlafen kann und es Auswirkungen auf den Tag hat. Meine Arbeit ist eine unterstützende Methode. Man darf den medizinischen Aspekt nicht außen vor lassen. Meine Arbeit dient auch der Prävention – viele kommen immer erst in Krisenzeiten zu mir. Es ist eigentlich besser, sich vorher drum zu kümmern, zum Beispiel, wenn ich weiß, dass eine stressige Zeit bevorsteht.

Welche Menschen sind besonders von Schlafproblemen betroffen?

Wenn Nachwuchs kommt, man sich scheiden lässt oder andere Lebenseinschnitte stattfinden, sind das immer Ausnahmezustände. Gerade bei Neugeborenen leiden Eltern natürlich unter Schlafeinschränkungen – das sollte dann aber von alleine wieder weggehen mit dem Größerwerden des Kindes. Ansonsten betrifft es die breite Masse. Es kann durch verschiedene Umstände bedingt sein – nicht nur durch Stress im Beruf, sondern zum Beispiel auch, wenn ich keinen Arbeitsplatz mehr habe. Dann ist das psychischer Stress, und es kann passieren, dass ich nicht mehr schlafen kann, weil ich in ein Loch falle. Schlafprobleme können jeden treffen, da ist keiner vor sicher.

Wann wird Schlafmangel problematisch?

Es ist zu unterscheiden, ob ich kurzfristig mal durch eine Prüfung eine Zeit habe, in der Schlafen Luxus ist, oder ob es anhält. In der heutigen Zeit wird als allererstes am Schlaf gespart. Schlafen ist aber ein Luxus, den man sich nehmen muss, denn kein Individuum kann ohne Schlaf leben. Wenn ich nicht ausgeschlafen bin, habe ich weniger Leistungsfähigkeit, als wenn ich mir eine Stunde mehr Schlaf gönne.

Wie viele Stunden Schlaf sind denn optimal?

Man geht davon aus, dass eine Schlafzeit unter fünf Stunden langfristig krank macht. Ansonsten ist die Schlafdauer individuell. Es gibt eine durchschnittliche statistische Schlafempfehlung, die liegt bei etwa acht Stunden – für den einen ist das zu viel, für den anderen immer noch zu wenig. Da muss man schauen: Wann bin ich wirklich ausgeschlafen? Wie kann ich den Tag ohne ein akutes Leistungstief bewältigen und bin abends nicht wie erschlagen? Viel wichtiger ist dafür die Qualität des Schlafes.

Wie kann ich für eine gute Schlafqualität sorgen?

Wer Schlafprobleme hat, sollte so dunkel wie möglich schlafen. Das Licht hat einen großen Einfluss auf den Körper und den Hormonhaushalt. Es ist beispielsweise nicht förderlich, wenn ich bis 22 Uhr oder noch länger am Monitor oder am Handy gearbeitet habe. Viele Menschen gehen außerdem bedingt durch die Arbeit nach 20 Uhr zum Sport – das wird nicht empfohlen. Vier Stunden bevor man ins Bett geht, sollte man keinen ergiebigen Sport mehr machen, weil das Gehirn dann auf Aktivität getrimmt ist. Man sollte abends eher beruhigende Sachen machen, zum Beispiel lesen, angenehme Gespräche führen – aber tatsächlich angenehme, denn Streitgespräche wühlen den Organismus wieder auf.

Gibt es weitere Tipps?

Ein warmes Bad kann helfen, damit man mit Wohlbefinden ins Bett geht. Wichtig ist auch, dass das Bett zum Schlafen genutzt wird – ansonsten sollte man aus dem Bett raus. Es gibt Studenten mit Ein-Zimmer-Wohnungen, da entstehen Probleme, denn das Gehirn verknüpft dann das Bett auch mit Aktivität. Eine Idee wäre, ein Bett zu kaufen, das man zur Couch umfunktionieren kann – das reicht dem Unterbewusstsein oft schon.

Schlafzimmer haben manchmal auch den Charakter eines Abstellraumes, dabei sollte man sich dort wohlfühlen. Der Fernseher und andere Lichtquellen gehören prinzipiell raus, vor allem wenn die Schlafprobleme ganz stark sind. Positive Gedanken aufzuschreiben oder was der Tag Gutes gebracht hat, kann auch helfen. Kuscheln ist eine gute Sache – egal ob mit Katze, Hund oder Ehepartner.

Zur Person Alexandra Galauch

Alexandra Galauch, Stressmanagerin

Alexandra Galauch (42) ist gelernte Krankenschwester und leitete elf Jahre lang einen ambulanten Pflegedienst. „In der Selbstständigkeit bin ich an meine eigene Grenze gekommen“, sagt Galauch, und wollte etwas für sich tun, aber auch etwas dazulernen. Sie ist nebenberuflich Entspannungstrainerin und Stressmanagerin, hauptberuflich leitet sie eine Tagespflegeeinrichtung. Galauch lebt in Fuldatal-Rothwesten, ist liiert und hat eine Tochter.

VHS-Kurs: Noch freie Plätze

„Erholsamer Schlaf – Wie geht das?“ heißt der Kurs unter der Leitung von Alexandra Galauch. Er beginnt am Freitag, 28. Februar, und findet an vier weiteren Freitagen von jeweils von 18.15 bis 19.45 Uhr an der Wilhelmshöher Allee 19 im Hermann-Schafft-Haus, Raum H26, statt. In dem Kurs geht es um Übungen für gutes Schlafen, angelehnt an das Sounder-Sleep-System von Michael Krugman aus dem Jahr 1999. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Es wird darum gebeten, eine Decke, drei kleine Kissen und gegebenenfalls bequeme Kleidung mitzubringen.

Info: Die Kosten betragen 40,50 Euro, es gibt noch freie Plätze. Anmeldung unter zu.hna.de/schlafenvhs

Weitere Hilfe gibt es beispielsweise auch unter wieder-gut-schlafen.com und unter schlafstoerung-selbsthilfe.org

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