Hessen reaktiviert Erstaufnahme

Fuldatal: Flüchtlinge werden in Fritz-Erler-Anlage untergebracht

Unser Bild aus dem Oktober 2016 zeigt die Sanitär-Container in der ehemaligen Bundeswehrkaserne.
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Erstaufnahme für Geflüchtete: In der Fritz-Erler-Anlage in Rothwesten sollen schon bald wieder Menschen untergebracht werden. Unser Bild aus dem Oktober 2016 zeigt die Sanitär-Container in der ehemaligen Bundeswehrkaserne.

Steigende Flüchtlingszahlen und die Pandemie bringen die hessische Erstaufnahmeeinrichtung an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Menschen sollen in der Fritz-Erler-Anlage in Rothwesten untergebracht werden.

Fuldatal – Täglich reisen Menschen ein, für die dringend eine Unterkunft gebraucht wird. Nun hat das Land sich dazu entschieden, die leer stehenden Mannschaftsunterkünfte auf dem Gelände der Fritz-Erler-Anlage in Rothwesten zu reaktivieren.

Ende 2015 war die Erstaufnahme in Rothwesten erstmalig in Betrieb genommen worden. Die letzten Bewohner verließen Ende September 2016 die Einrichtung. Im Sommer 2018 wurde der Standort schließlich ganz aufgegeben. Doch jetzt wird die Anlage wieder gebraucht. Dass sie reaktiviert werden soll, teilte das zuständige Regierungspräsidium Gießen (RP) am Dienstag mit.

Etwa 5700 Menschen leben aktuell in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (EAEH) an mehreren Standorten. Seit Beginn der Pandemie werden laut RP alle Anstrengungen unternommen, um die Geflüchteten und Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen und ausreichende Möglichkeiten der Isolierung zur Verfügung zu stellen. Wesentlich sei hierbei „eine aufgelockerte Belegung“ – dies bedeute, dass die ursprüngliche Kapazität nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden könne. Um der steigenden Zahl von Geflüchteten gerecht werden zu können, soll neben Rothwesten auch ein Objekt in Friedberg reaktiviert werden, ein Reserve-Standort soll zusätzlich in Bensheim geschaffen werden, heißt es vonseiten des RP Gießen.

In der Fritz-Erler-Anlage in Rothwesten ist nach aktuellem Stand die Unterbringung von bis zu 600 Menschen geplant. Vor sechs Jahren war die Anlage für etwa 1000 Menschen ausgelegt. Bis die ersten Flüchtlinge nach Rothwesten kommen, wird es noch eine Weile dauern. „Wir gehen davon aus, dass die ersten Menschen im ersten Quartal 2022 einziehen werden“, sagt Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber, der im engen Kontakt zum RP Gießen steht. Wie schnell die Anlage reaktiviert werden kann, hänge auch davon ab, wie schnell Personal und Material bereitstehen. Zum einen müsse die Infrastruktur beispielsweise für Wasser, Strom und Heizung geschaffen werden. Zum anderen brauche es einen Betreiber für die Erstaufnahme, der sich um die Versorgung der Menschen kümmere.

„Wir werden uns jetzt Gedanken machen, ob wir den Unterstützerkreis wieder beleben“, sagt Schreiber. Denkbar sei auch, Schulpatenschaften für die Kinder zu vermitteln und eine Kinderbetreuung in der Anlage aufzubauen. Denn für Flüchtlingskinder bestehe kein Rechtsanspruch auf eine Kita-Betreuung. Auch das ÖPNV-Angebot müsse geprüft werden. „Es kann sein, dass die Taktung nicht ausreicht“, sagt Schreiber, der bereits vor sechs Jahren Erfahrungen im Umgang mit Geflüchteten in der Erstaufnahme gesammelt hatte.

Klar ist, dass der Mehraufwand für die Gemeinde steigen wird. Das beginnt schon beim Meldeservice, weil jeder Flüchtling zu einem Einwohner der Gemeinde wird. Um diese Mehrbelastung gegenüber dem Land Hessen geltend zu machen, haben sich die Bürgermeister der Kommunen, in denen es einen Erstaufnahmestandort gibt, bereits zusammengeschlossen, berichtet Schreiber. Die Rothwestener sollen – wie im Jahr 2015 – bei einer Bürgerversammlung über die Entwicklungen in der Fritz-Erler-Anlage informiert werden.

Aktuell werden dem Land Hessen jede Woche 100 Geflüchtete zugewiesen. Die Situation könnte sich in den kommenden Monaten aber weiter verschärfen, weil unter anderem immer mehr Menschen versuchen, über Belarus nach Polen und weiter nach Deutschland zu gelangen. Außerdem flüchten aktuell wieder mehr Menschen aus Afghanistan und Afrika in Richtung Europa. (Alia Shuhaiber)

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