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Freunde über Generationen

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Projekt von Nachbarschaftsverein und Gesamtschule Fuldatal bringt Alt und Jung zusammen. Foto: Schräer
Projekt von Nachbarschaftsverein und Gesamtschule Fuldatal bringt Alt und Jung zusammen. Foto: Schräer © Michael Schräer

Fuldatal. Diese drei haben sich gesucht und gefunden, über Generationen hinweg. 67 beziehungsweise 68 Jahre trennen Seniorin Irmgard Theiss von den Jugendlichen Jacqueline Siebert und Romina Schulze.

Ein Projekt von Nachbarschaftsverein und der Gesamtschule Fuldatal führte die drei zusammen. Alt plus jung gleich mehr Lebensqualität heißt es und besteht seit Herbst 2009.

 „Brauche Unterhaltung“

 Als dies seinerzeit im Nachbarschaftsverein vorgestellt wurde, habe es ihr gleich gefallen, sagt die 84-Jährige, die in Simmershausen wohnt. „Ich bin ein lebhafter Mensch und brauche Unterhaltung.“ Lebhaft, sehr sogar, seien auch „die zwei jungen Damen“, die sie kennengelernt habe.

Jacqueline (17) und Romina (16) sind froh, an dem als Arbeitsgemeinschaft angebotenen Projekt teilzunehmen. „Ältere Menschen und Jugendliche, das geht doch immer mehr auseinander“, meint Jacqueline. Nicht so bei den Schülerinnen. ^

Die rufen bei Irmgard Theiss an, wenn sie vorbeikommen wollen. Und bleiben dann mal eineinhalb, mal zwei Stunden. „Wir helfen im Haushalt, haben die CDs neu sortiert. Die lieber gehörten kamen oben in die Schublade“, sagt Romina. Oder sie lesen der sehbehinderten Seniorin aus der Fernsehzeitung vor. Mit den beiden sei Leben im Haus „und wir lachen viel“, sagt Irmgard Theiss.

Paulina Sobanski (15) und Nilab Sarwari (17) trafen sich mehrfach mit zwei Seniorinnen, die über den Nachbarschaftsverein vermittelt wurden. Gemeinsam Kaffee getrunken, Karten gespielt, Fotoalben angesehen habe man. Aber auch auf die Leiter sind die Mädchen gestiegen, um Gardinen aufzuhängen oder haben gezeigt, wie der PC funktioniert. „Das hatte die Frau vergessen“, sagt Nilab.

„Neue Erfahrungen machen“

 Die 17-Jährige geht auch noch Babysitten, den Kontakt zu Senioren habe sie gesucht, um „mal andere, neue Erfahrungen zu machen“. Ihre Großeltern sind bereits gestorben beziehungsweise wohnen weiter weg. Eine schöne Abwechslung seien die Besuche, meint Paulina, die Erzieherin werden und „vielleicht im Altersheim arbeiten“ möchte.

Kein Glück hatten Yasmin Rode (15) und Irena Lasic (16). Mit der alten Dame, Ende 70, hätten sie sich gut verstanden. „Wir haben viel telefoniert“, sagt Yasmin. „Nur ihrem kranken Mann ist es nicht geheuer gewesen, dass fremde Mädchen zu ihnen kommen.“ Jetzt hoffen die beiden Schülerinnen, dass sie sich um eine der beiden Frauen von Paulina und Nilab kümmern dürfen. I

rmgard Theiss will ihre Verbindung zu Jacqueline und Romina auf keinen Fall aufgeben. Und für die beiden Mädchen ist ebenso klar, dass sie auch nach ihrem Abgang von der Gesamtschule weiter bei der Seniorin vorbeischauen werden. Letztens kochten sie sogar Spaghetti Bolognese für die 84-Jährige. „Sogar das Salz hatten sie mitgebracht und hinterher die Küche wieder sauber gemacht“, lobt Irmgard Theiss. Und hofft, dass sie es erlebt, wenn ihre „Ersatzenkelinnen“ einmal heiraten.

Senioren hatten die Idee Start als Versuch im Jahrgang 10

Schon vor längerer Zeit habe man sich über das Projekt alt plus jung verständigt, sagen Christine Saure, Leiterin der Gesamtschule Fuldatal (GSF), und der Vorsitzende des Nachbarschaftsvereins Helmut Radi. Die Idee sei unter den Senioren aufgekommen, „jetzt sind wir froh, dass es umgesetzt wird“, betont Radi.

Gestartet wurde im Sommer 2009 mit den Vorbereitungen. Als Arbeitsgemeinschaft (AG) an der GSF eingerichtet, ist es gleichzeitig ein Projekt im Rahmen der Referendarsausbildung. Als die angehenden Lehrer Christopher Minne und Samira Fromm ein entsprechendes Thema suchten, habe sich dies geradezu angeboten, „dann war es ein Selbstläufer“, meint die Schulleiterin.

 „Gerne auch Jungen gehabt“

Zunächst warben Minne und Fromm in den damaligen 9. Klassen für die AG. Dann folgten einige Vorbereitungstreffen. Am Ende fanden sich sechs Teilnehmerinnen der aktuellen Jahrgangsstufe 10. „Wir hätten gerne auch Jungen gehabt“, meint Minne. Ab November trafen sich die sechs Schülerinnen mit zunächst vier Seniorinnen. Ursprünglich war an ein Verhältnis eins zu eins gedacht, sagt Radi. Aber noch gebe es Hemmschwellen bei den älteren Menschen, „obwohl der Bedarf da ist“.

Christopher Minne und Samira Fromm haben das Projekt bisher begleitet, alles protokolliert und eine Abschlussarbeit erstellt. Jetzt wollen sie sich darum kümmern, dass neue Schüler gefunden werden, um es nach den Sommerferien fortzuführen.

Urkunde als Beleg

Schüler, die teilnehmen, bekommen eine Urkunde als Beleg ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Christine Saure: „Die macht sich bei jeder späteren Bewerbung gut.“ (mic)

Hintergrund: Förderung durch Kultusministerium

Die sechs Schülerinnen der Gesamtschule Fuldatal und die drei Seniorinnen seien die erste Versuchsgruppe, sagt der Vorsitzende des Nachbarschaftsvereins Fuldatal Helmut Radi. Wenn das Projekt „alt und jung gleich mehr Lebensqualität“ funktioniere, soll es nach dem Willen der Initiatoren über die Klassenstufe 10 hinaus auf weitere Jahrgänge ausgedehnt werden.

Die Initiative wird vom Kultusministerium Hessen mit 1000 Euro gefördert. Bürgermeisterin Anne Werderich und Klaus-Peter Sänger hatten Kultusministerin Dorothea Henzler (alle FDP) auf das Projekt aufmerksam gemacht. (mic)

Kontakt für interessierte Senioren: Nachbarschaftsverein Fuldatal, Telefon  05 61/81 81 23 , E-Mail: nachbarfuldatal@1-online.de

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