Kritik an Nachbarn und am Rathaus

Nur Notwegerecht: Seniorin aus Fuldatal kommt nicht mehr zu ihrem Haus - Gericht schmettert Klagen ab

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Ihr täglicher Gang führt über eine kleine Brücke: Dagmar Woike vor ihrem Haus an der Simmershäuser Straße in Fuldatal.

Eine 63-jährige Fuldatalerin hat nur ein Notwegerecht, um zu ihrem Haus zu gelangen. Sie kritisiert die Nachbarn und das Rathaus. Auch gerichtlich versuchte sie bereits vorzugehen. 

Waldreben, Bambus und Sommerflieder wachsen geordnet im Vorgarten von Dagmar Woike in Fuldatal-Ihringshausen. Ihr kleines, orangefarbenes Haus ist gemütlich eingerichtet. Hier fühlt sich die 63-Jährige wohl. Doch das Kleinod an der Simmershäuser Straße wird der Frau zunehmend zur Last. 

„Ich habe kein Wegerecht zu meinem eigenen Haus“, erklärt die Rentnerin. Obwohl sie Grundstückseignerin sei, dürfe sie nicht mit dem Auto in ihre Einfahrt einbiegen. Sie erklärt das so: Einst habe ihr Grundstück zu einem größeren gehört. Dann sei ihres davon abgetrennt worden, aber ohne ein Wegerecht dafür einzutragen.

Muss 50 Meter entfernt parken

Nur durch ein Notwegerecht dürfe sie zu Fuß zu ihrem Haus, denn der Weg davor gehört ihren Nachbarn. So müsse Woike immer mindestens 50 Meter davon entfernt parken. „Das ist schwer für mich, vor allem mit Einkäufen. 

Ich kann nur mit einem Rollator laufen.“ Woike leide an Fibromyalgie, einer Erkrankung, die Schmerzen in verschiedenen Körperregionen hervorruft und ihr die Beine immer wieder wegsacken lasse.

Für ihre Wegemisere sieht die Rentnerin eine Teilschuld bei ihren Nachbarn: „Bis 2016 haben mich die Besitzer über ihr Grundstück fahren lassen“, erläutert sie. 

Grundstück wurde verkauft

Dann sei das Grundstück verkauft worden. Die neuen Anwohner duldeten nicht mehr, dass Woike mit dem Auto über deren Fläche fährt.

„Es ist ein Unding, dass sie das nicht zulassen“, sagt die Rentnerin. Obendrein hätten sie sich eine neue Gasleitung zu ihrem Haus legen lassen und den Graben nicht wieder zugeschüttet. „Ich muss über eine kleine Holzbrücke gehen.“

Ihre Nachbarn, die anonym bleiben möchten, sehen die Sache anders: „Nachdem wir die Fläche mit Häusern 2016 gekauft haben, ist Dagmar Woike über unseren Weg gefahren.“ Sie hätten Woike freundlich darauf hingewiesen, dass sie das unterlassen solle und hätten mit ihr ein Notwegerecht zu Fuß vereinbart – gegen eine monatliche Geldrente.

Alle Verfahren verloren 

„Dann gab es drei Verfahren, die Dagmar Woike gegen uns geführt hat, um auch mit dem Auto fahren zu können. Alle drei hat sie verloren“, sagt der Nachbar.

Aktuell laufe ein vierter Prozess. Zur kleinen Holzbrücke sagt er: „Die habe ich Dagmar Woike sogar gekauft, damit sie zu ihrem Haus kommt.“ Den Graben wolle er erst schließen lassen, wenn das derzeitige Verfahren abgeschlossen ist.

Gleichzeitig kritisiert die 63-Jährige die Gemeinde Fuldatal: „Die Verwaltung hatte Gelegenheit, das Grundstück zu kaufen und mir ein Wegerecht einzuräumen. Das wurde aber verpennt.“

Gemeinde wehrt Kritik ab

Die Gemeinde wehrt jegliche Kritik jedoch ab. „Kauft man ein Grundstück, muss man sich darüber informieren, ob man ein Wegerecht hat oder es ein sogenanntes totes Grundstück ist“, sagt Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU).

Offenbar habe der Notar im Falle von Dagmar Woike nicht darauf geachtet. „Und sie hat es in Ahnungslosigkeit gekauft“, sagt Schreiber. 

Kein Öffentliches Interesse 

Den Grund dafür, dass die Gemeinde sich nicht um ein Vorkaufsrecht für das Grundstück gekümmert habe, erklärt Schreiber wie folgt: „Das geht nur, wenn ein öffentliches Interesse daran besteht. Denn wir hantieren mit Steuergeld“, sagt er. 

Zum Beispiel, wenn die Gemeinde eine Kita bauen wolle. „Aber so ein Interesse besteht hier nicht.“ So könne die Gemeinde auch nicht dafür sorgen, dass Dagmar Woike einen eigenen Weg erhält. „Das ist schlichtweg nicht unsere Aufgabe.“

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