Gerichtsbericht

Titelhändler muss mehr als fünf Jahre hinter Gitter - Fuldataler versprach den „Doktor“ für Geld

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Derzeit verbüßt der 50-jährige Fuldataler bereits eine 18-monatige Freiheitsstrafe in der JVA Hünfeld. Jetzt wird es für ihn noch einmal mehr. 

Kassel/Fuldatal – Wegen gewerbsmäßigen Betrugs, Urkundenfälschung und Titelmissbrauchs verurteilte ihn die 11. Strafkammer des Landgerichts zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. In dieses Urteil rechnete die Kammer von Richter Dr. Christian Springmann frühere Strafen des Landgerichts Frankfurt und des Amtsgerichts Kassel mit ein.

Für die jetzt angeklagten Betrugstaten, bei denen der Titelhändler seinen gutgläubigen „Kunden“ den einfachen Erwerb von Doktortiteln an bekannten Universitäten in England versprach, wurde er noch einmal zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Von den insgesamt fünf Jahren und drei Monaten gelten bereits drei Monate als vollstreckt. 36 500 Euro, die der Angeklagte für seinen Titelhandel kassiert hatte, werden eingezogen.

In seiner Urteilsbegründung bezog sich Richter Springmann auf das Gutachten des Psychiaters Prof. Borwin Bandelow, der dem Angeklagten eine soziale und narzisstische Persönlichkeitsstörung bescheinigt hatte. Verteidiger Dr. Hans-Otto Sieg aus Frankfurt war mit seinem Antrag gescheitert, den Gutachter vom Gericht ablehnen zu lassen. Die Kammer hatte keinen Zweifel an der Sachkunde des Göttinger Psychiaters.

Bereits zwischen 2002 und 2011 hatte der Angeklagte mit seiner „Promotionsberatungs GmbH“ den flinken, gleichwohl illegalen Erwerb von Doktortiteln angeboten. Nach einer Verurteilung hatte es dann bis 2017 eine Zeit im Leben des Mannes gegeben, die das Gericht nicht so richtig aufklären konnte. Dann stieg der Mann, der seit vielen Jahren alkoholabhängig ist und auch Kokain konsumiert hatte, wieder in den Titelhandel ein.

Vor seinen Kunden trat er offenbar sehr glaubwürdig als „Prof. Dr. Dr. Hammerstein“ mit besten Kontakten zu Elite-Unis in Cambridge, Oxford und London auf. Einige Titel-Interessenten wunderten sich zwar über die deutliche Alkoholfahne, die dem kleinen, rundlichen Mann voranwehte, zweifelten aber nicht an seinen Möglichkeiten, ihnen den so sehr begehrten akademischen Grad zu beschaffen.

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