Falsche Auskunft am Telefon

189 Euro für ein Gartenschloss: Fuldataler fühlt sich von Schlüsseldienst abgezockt

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Ärger mit dem Schlüsselnotdienst: Das Bild zeigt den oberen Teil der Rechnung, die der Fuldataler vorgelegt bekam. 

Ein Fuldataler will vor einem Schlüsseldienst warnen. Denn der verlangte - trotz anderer Aussagen am Telefon - 189 Euro, um ein Gartenschloss aufzubohren. 

Wer kennt das nicht: Man sucht und sucht, aber genau der Schlüssel, den man braucht, lässt sich nicht finden. So ging es auch Wolfgang Potthoff aus Fuldatal an diesem sonnigen Mittwoch Mitte April. Gemeinsam mit seiner Frau wollte er an diesem Tag in sein Gartenhaus in Simmershausen, aber das kleine Schloss ließ sich einfach nicht öffnen.

Deshalb suchte der 67-Jährige im Internet nach einem Schlüsseldienst und stieß sehr schnell auf den „Schlüsseldienst für Fuldatal“. Am anderen Ende der 0800-Nummer meldete sich eine Frau. „Ich habe sie direkt gefragt, was das kosten würde“, sagt Potthoff, der Facharzt für Psychotherapie in Kassel und Gerichtsgutachter ist. 

Firmensitz in Bochum

Die Antwort der Frau am Telefon: 20 Euro koste die Anfahrt, 39,90 Euro jede angefangene Stunde des Monteurs. Was Potthoff zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Die Firma Schlossauf wirbt zwar mit „Schlüsseldienst in Fuldatal“, hat ihren Firmensitz jedoch in Bochum, wie Potthoff später auf der Rechnung sieht.

„60 Euro, um das Schloss zu öffnen, fand ich okay“, sagt Potthoff. So wurde der Monteur bestellt, der auch nach einer halben Stunde vor Ort war. Der Mitarbeiter schaute sich das Schloss an, gab an, es aufbohren zu müssen, wofür er nicht mehr als eine Viertelstunde bräuchte und tatsächlich die zuvor am Telefon genannten 39,90 Euro berechnen würde. Doch damit sei es nicht getan. Da es sich nicht um eine normale Wohnungstür handele, müsse er hier einen Pauschalpreis von 189 Euro ansetzen, erklärte der Monteur Wolfgang Potthoff.

„Ich war stinksauer“, sagt der. Denn davon war zuvor am Telefon überhaupt keine Rede gewesen. „Das ist eine Abzocke, wenn am Telefon eine falsche Auskunft gegeben wird.“ Der Monteur habe noch angeboten, den Preis auf 150 Euro zu senken. „Aber das habe ich abgelehnt, das geht gar nicht.“

Firma legt auf Nachfrage im Gespräch auf

Nachfrage bei Schlossauf in Bochum. Für die Preise seien die Monteure vor Ort zuständig, sagt Markus Weiß vom Auftrag-Annahme-Service am Telefon. „Wir sind nicht vor Ort und können am Telefon nicht sehen, um was für einen Rahmen und was für einen Zylinder es sich handelt.“ Deshalb könne man am Telefon auch nicht sagen, was eine Stunde Arbeit kosten würde. Warum eine Firma aus Bochum Monteure in Fuldatal beschäftigt, will Weiß nicht beantworten und legt mitten im Gespräch auf.

Wolfgang Potthoff weigert sich an diesem sonnigen Tag Mitte April, den vom Monteur genannten Pauschalpreis zu zahlen. Deshalb stellt ihm der Monteur eine Stornogebühr von 60 Euro in Rechnung. „Dadurch, dass ich ihn telefonisch bestellt hatte und damit einen Vertrag eingegangen sei, müsse ich das zahlen, erklärte mir der Monteur“, sagt Potthoff. Er zahlte den Betrag, ließ sich eine Rechnung ausstellen, weigerte sich jedoch, darauf anzukreuzen, dass alles ordnungsgemäß abgelaufen sei.

Fuldataler wendet sich an Verbraucherzentrale

Auch wenn er stinksauer gewesen sei, der junge Mann sei fair gewesen, sagt Potthoff. „Er hat mir vor Beginn der Arbeit die Kosten gesagt.“ Aber über die falsche Kostenaufklärung am Telefon sei er wütend. Deshalb hat er auch die Verbraucherzentrale angeschrieben, um sie über den Fall zu informieren. 

Es gehe ihm nicht darum, die 60 Euro zurückzubekommen. „Das ist zwar ärgerlich, aber das soll nicht in einen Rechtsstreit ausarten“, sagt Potthoff. Er will einfach andere warnen, damit sie nicht den gleichen Fehler machen. „Es gibt ja auch seriöse Firmen, die eine Notlage nicht eiskalt ausnutzen.“

Seine Gartentür bekam der Fuldataler dann aber doch noch auf. „Der Nachbar hat sie mir aufgebohrt“, sagt Potthoff.

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