Bei ihr sagten 400 Paare „Ja“

Fuldatals Standesbeamtin geht nach 29 Jahren in den Ruhestand

Ihre 400. Trauung: Heike Woltschinsky (vorne) geht nach 29 Jahren als Mitarbeiterin der Gemeinde Fuldatal in Ruhestand. Sonja und Rainer Schmidt waren das 400. Ehepaar, das sie in dieser Zeit getraut hat.
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Ihre 400. Trauung: Heike Woltschinsky (vorne) geht nach 29 Jahren als Mitarbeiterin der Gemeinde Fuldatal in Ruhestand. Sonja und Rainer Schmidt waren das 400. Ehepaar, das sie in dieser Zeit getraut hat.

29 Jahre lang hat Heike Woltschinsky das Standesamt im Fuldataler Rathaus geleitet und in dieser Zeit 400 Paare getraut. Jetzt geht sie in den Ruhestand - mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Fuldatal – Wenn Heike Woltschinsky am 15. Dezember ihren 63. Geburtstag feiert, beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt. Denn am gleichen Tag wird die Standesamtsleiterin nach 29 Jahren aus dem Dienst im Fuldataler Rathaus verabschiedet. Auch wenn sie sich auf die Zeit mit ihrer großen Familie freut, ein „bisschen wird mir auch schon Angst und Bange“, sagt die Ihringshäuserin.

Denn Standesbeamtin war sie mit Leib und Seele. Kurz vor dem Abschied hat sie noch eine außergewöhnliche Marke geknackt: Gestern Vormittag traute sie zum 400. Mal ein Paar im Rathaus. „Das ist auch für uns was ganz Besonderes“ sagen Sonja (47) und Rainer Schmidt (51) aus Ihringshausen.

Langweilig sei diese Arbeit nie geworden, im Gegenteil, sagt Woltschinsky. „Jede Trauung ist feierlich und bedeutsam zugleich, so empfinde ich das bis heute.“ Sie versuche immer, jede Trauung individuell zu gestalten. „Das Ehepaar zu begleiten, das Strahlen und Glück in den Augen der Eheleute zu sehen, das ist das Schönste.“

Es war eigentlich der pure Zufall, der Woltschinky ins Rathaus verschlug, aber ein besonders glücklicher. Nach einer Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notargehilfin arbeitete sie mehrere Jahre in unterschiedlichen Unternehmen. Mit Anfang 30 arbeitete sie bei der Awo in der Vermittlung von Mutter-Kind-Kuren, ein Job, der ihr viel Freude bereitete. Aber das Unternehmen musste Konkurs anmelden und sie brauchte – frisch geschieden und alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern – dringend einen neuen Job.

Durch einen Kontakt sei sie im Rathaus „so reingerutscht“ und bekam zuerst einen Job als Verwaltungsangestellte. Später machte sie eine Fortbildung zur Verwaltungsfachangestellten und wechselte ins Standesamt, wo sie sich sofort wohlfühlte. „Ich kann mir unheimlich gut Gesetze, Paragrafen und Zahlen merken.“ Ihre Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notargehilfin habe ihr oft geholfen.

Aber nicht nur der Job passte. Sie wohnte mittlerweile wieder in der alten Heimat, konnte zu Fuß ins Büro laufen, fand schnell Freunde im Rathaus und in Wilhelmshausen eine neue Liebe. „Es sollte alles so sein“, sagt die Woltschinsky und lacht.

An ihre allererste Trauung kann sie sich noch gut erinnern, denn sie durfte gleich eine Arbeitskollegin verheiraten. „Ich habe einige aus dem Haus verheiratet, das ist immer was Besonderes.“ Aber nicht nur Fuldataler hat sie getraut. Bei ihr war schon die halbe Welt zu Gast. Heiratswillige aus Brasilien, der Mongolei, Ghana und Eritrea hat sie verheiratet.

Die Eheschließungen seien der schönste Teil ihrer Arbeit, zu der auch die Beurkundung von Sterbefällen gehört oder die Ausstellung von Geburtsurkunden. Das komme aber seltener vor, hauptsächlich bei Hausgeburten, „wir haben ja kein Krankenhaus in Fuldatal.“ Oder, wenn das Kind eines Fuldataler Bürgers im Ausland geboren wurde und eine deutsche Geburtsurkunde brauche.

In den 29 Jahren hat Woltschinsky viel erlebt, oft wurde „Rotz und Wasser geheult“ bei den Trauungen. Aber umentschieden hat sich bei ihr – die übrigens seit 23 Jahren in wilder Ehe lebt – noch niemand. (Amira El Ahl)

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