Beamte zeigen Sog am Gleisbett

Infos für Schüler in Fuldatal über Gefahren an Bahnsteigen

Beratung zum Auftakt des Schuljahrs: Die Bundespolizisten Michael Gries (links) und Bernd Haas (rechts) warnten diese Schüler des Engelsburg-Gymnasiums, darunter die elfjährige Carla (links neben Haas) vor den Gefahren am Bahnsteig und verteilten Flyer.
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Beratung zum Auftakt des Schuljahrs: Die Bundespolizisten Michael Gries (links) und Bernd Haas (rechts) warnten diese Schüler des Engelsburg-Gymnasiums, darunter die elfjährige Carla (links neben Haas) vor den Gefahren am Bahnsteig und verteilten Flyer.

Nicht jeder Zug hält im Bahnhof Ihringshausen. Und wenn ein Regionalexpress heranprescht, empfiehlt sich größte Vorsicht.

Fuldatal - Die Bundespolizisten Bernd Haas und Michael Gries treten einen Schritt von der weißen, dicken Warnmarkierung zurück, als ein solcher Zug vorbeirast. Dennoch zerrt der Luftzug noch gehörig an den beiden Beamten. „Bei einem Güterzug ist er sogar doppelt so stark“, sagt Haas. Wer gar die Begrenzungslinie zum Fahrdamm missachte, gerate in einen heftigen Sog. Es droht dann der Sturz in den Fahrdamm, wo man vom Zug überrollt werden kann.

Das war eine der Gefahren am Bahnsteig, die die beiden Bundespolizisten im Rahmen einer Präventionsaktion am Montagmorgen und -mittag Pendlern und Schülern zum Beginn des Schulbetriebs erklärten. Gerade wenn sich Gruppen wartender Fahrgäste auf dem schmalen Bahnsteig aufhalten, seien Neuankömmlinge versucht, diese Menschentraube dicht an der Bahnsteigkante zu umgehen, sagte Haas. Gefährlich kann es auch werden, wenn mehrere Fahrgäste Fahrräder oder Scooter im Zug mitnehmen wollen und diese Geräte den Platz auf dem Bahnsteig einengen.

Auch die Maskenpflicht beim Warten auf den Zug war beim Präventionstag ein Thema. „Alle hatten eine Maske dabei“, sagte Haas. Die Polizisten mussten nur einige Schüler daran erinnern, den Mund- und Nasenschutz schon vor Betreten des Bahnsteigs anzulegen. Eine Ermahnung bekamen auch Jugendliche, die mit dem Rad direkt auf den Bahnsteig vorfuhren oder den Sicherheitsabstand zu den Gleisen aus Gedankenlosigkeit nicht einhielten.

Doch Drängeln und Schubsen unter Schülern erlebten die Bundespolizisten am Montagmorgen nicht, als rund 70 Schüler in Ihringshausen einstiegen, um nach Kassel zur Schule zu fahren. „Alle haben sich im Zug gut verteilt, Rangeleien gab es nicht“, berichtete Carla Dornemann, die wie viele ihrer Altersgenossen das Engelsburg-Gymnasium in Kassel besucht und mittags von ihrer Mutter Francisca am Zug abgeholt wurde. Die elfjährige Sechstklässlerin war froh, ihre Maske nach Verlassen des Bahnhofs abnehmen zu können. Sie habe diese auch während der Zugfahrten und im Unterricht tragen müssen, erzählt sie.

„Ohne Kontrolle geht es nicht“, sagt Bundespolizist Haas. Damit meint er nicht nur Schüler und Corona-Disziplin. Der Ihringshäuser Bahnhof sei trotz Alkoholverbots im Bahnhof während der Corona-Krise abends zunehmend ein Feierort für Jugendliche und manche Erwachsene geworden. Zerschlagene Bier- und Schnapsflaschen zeugen davon. Auch Flaschensammler könnten sich selbst gefährden, wenn sie nach Leergut zwischen den Gleisen suchen. Am Mittag mussten Haas und Gries zwei Zecher des Bahnsteigs verweisen. Im Wiederholungsfall droht ihnen ein Bußgeld. Der Bundespolizist weiß, wie schnell Selbstgefährdung zu einem tragischen Tod führen kann: Vor einem halben Jahr sei ein Mann auf die Gleise in Ihringshausen geklettert, um sich dort zu erleichtern. Er sei von einem anfahrenden Zug überrollt worden. (Peter Dilling)

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