Kein Güterverkehr auf Solling- und Südharzbahn

Kurve Kassel: Gegenwind aus Niedersachsen

Bahnstrecke bei Schwalmstadt Treysa.
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Bahnstrecke

Der geplante Bau einer Güterzugtrasse im Norden von Kassel sorgt für Streit zwischen der SPD in Niedersachsen und Hessen. Mehr Güter auf die Schiene wollen alle, doch vor der eigenen Haustür lieber nicht.

Kreis Kassel – Wenn in den vergangenen Monaten über die geplante Güterzugtrasse nördlich von Kassel gesprochen wurde, dann fiel in diesem Zusammenhang regelmäßig die Sollingstrecke. Denn immer wieder haben die Bürgerinitiativen „Keine Kurve Kassel“, aber auch die Bürgermeister in der Region sowie Landes- und Bundestagsabgeordnete der SPD gefordert, dass die Verbindung über Altenbeken – Northeim – Nordhausen von der Bahn als Alternative zur Kurve Kassel gleichwertig geprüft wird.

Dagegen wehrt sich nun die SPD-Kreistagsfraktion Northeim. In einer Pressemitteilung heißt es, dass man mit Erstaunen und Verärgerung die immer neuen Versuche von politisch Verantwortlichen in Nordhessen zur Kenntnis nähme, das Neubauprojekt Kurve Kassel auf die überwiegend eingleisige Eisenbahnstrecke zwischen Ottbergen und Nordhausen zu verlagern.

„Die Versuche nordhessischer und Kasseler Politiker, dieses Projekt und damit den Güterverkehr auf die Strecke entlang des Sollings und des Südharzes zu verschieben, missbilligen wir auf das Schärfste“, betont der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion und Landtagsabgeordnete Uwe Schwarz. Die Strecke berühre mit Fördermitteln touristisch erschlossene Gebiete im Uslarer Land am Solling. Diese touristische Infrastruktur sichere das Einkommen vieler Familien und würde durch eine Güterzugstrecke erheblich gestört.

Rückendeckung bekommt die SPD-Kreistagsfraktion Northeim vom Fahrgastverband Pro Bahn Südniedersachsen. Für die Ablehnung des Streckenausbaus an Solling und Südharz durch die SPD-Kreistagsfraktion Northeim machen die Fahrgastvertreter „kurzsichtige Populisten in Nordhessen“ verantwortlich, „die mit falschen Behauptungen Stimmung gegen die Bahn machen“, heißt es in einer Pressemitteilung von Pro Bahn.

So sei längst schlüssig nachgewiesen, dass die in wesentlichen Teilbereichen eingleisige Solling-Südharzstrecke nur dann geeignet sei, neben dem Schienen-Personenverkehr zusätzlich bis zu 40 Güterzüge aufzunehmen, wenn sie auf ganzer Länge massiv ausgebaut und elektrifiziert werde.

„Wir können auch nicht nachvollziehen, wie in Nordhessen schon zu Beginn der Planungen zuerst schwerwiegende Eingriffe in Natur und Wohnumfeld in Hessen als absolute Zumutung beklagt werden, danach aber ohne Umwege auf Südniedersachen verwiesen wird“, sagt Südniedersachsen-Vorsitzender Gerd Aschoff.

Pro Bahn hätte sich auch den gleichwertigen Bau der Kasseler Kurve und den Ausbau der Solling-Südharzstrecke vorstellen können, habe dafür auch in der Region geworben. „Die Holzhammer-Methoden der Nordhessen haben unsere Bemühungen aber kaputtgemacht“, sagt Aschoff.

Die Strecke über den Solling ist 34 Kilometer kürzer als über die Kurve Kassel, weshalb die Bürgerinitiativen im Landkreis Kassel und politische Vertreter aus der Region wirtschaftliche Vorteile und ökologischen Nutzen der Strecke über den Solling als Argumente für eine gleichwertige Prüfung mit ins Spiel bringen. Zudem hätten die Anwohner an dieser Strecke beim Ausbau nicht nur einen Anspruch auf Lärmschutz, es würden sich auch Potenziale für den ÖPNV ergeben.

Dem widerspricht die SPD-Kreistagsfraktion Northeim. Sie befürchtet, dass mit der Auslastung der Strecke durch Güterverkehr der derzeit darauf befindliche Regionalverkehr eingeschränkt werden müsste. Ihr Vorsitzender Schwarz fordert deshalb seine Kollegen auf, künftig alle Versuche zu unterlassen, das Projekt in eine Region zu verschieben, in der sie keine politische Verantwortung tragen und sich nicht gegenüber den Wählern rechtfertigen müssten.

„Die bisherige Vorgehensweise der Nordhessen ist gegenüber anderen haupt- und ehrenamtlich Tätigen in der Politik unfair und unsolidarisch.“ Das Bundesverkehrsministerium hat bereits mehrfach klargestellt, dass es keine detaillierte Prüfung der Strecke geben wird. (Amira El Ahl)

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