Es gibt zu wenige Plätze für Kinder 

Gemeinde Fuldatal sagt zugesagten Kita-Platz wieder ab: Eltern sind verärgert

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Wohnen gleich um die Ecke: Ralf Fischer und seine Frau hatten ihre Tochter Valentina bereits kurz nach der Geburt in der Kita Weddel in Ihringshausen angemeldet. Im Juni diesen Jahres bekamen sie eine Zusage. Die wurde nun wegen Doppelbelegung wieder zurückgezogen. 

Eigentlich wurde Familie Fischer der Kita-Platz in Ihringshausen für ihre Tochter schon zugesagt, doch vor ein paar Wochen hat die Gemeinde die Zusage widerrufen. Für sie: Ein Schlag ins Gesicht.

Sie ist zwar erst zwei Jahre und vier Monate alt, aber den Weg zum Kindergarten Weddel in Ihringshausen kennt Valentina schon ganz genau. Aus der Haustür raus, einmal rechts und wieder links abgebogen, und schon liegt der weiße Flachbau vor ihr. Selbst für die kleinen Beinchen ist der Weg ein Klacks. Länger als fünf Minuten läuft auch die Zweijährige nicht.

Valentina weiß, was sie will. Nämlich in den Kindergarten rein. Denn all ihre Freunde und Nachbarn sind schon da. „Papa, reingehen“, sagt Valentina und zeigt bei einem Spaziergang zum nahegelegenen Spielplatz auf den Eingang. „Das tut schon weh“, sagt Vater Ralf Fischer. Denn obwohl die Familie bis vor ein paar Wochen noch fest davon ausging, dass Valentina ab Anfang des kommenden Jahres die Kita Weddel besuchen wird, sieht die Welt jetzt plötzlich ganz anders aus.

Am 20. November bekam die Familie einen Brief der Gemeinde, in dem es heißt: „Die Ihnen bereits erteilte Platzzusage für die Kindertagesstätte Weddel müssen wir hiermit leider widerrufen, da wir irrtümlicherweise die Erteilung einer erforderlichen Einzelfall-Ausnahmegenehmigung durch die Kita-Fachaufsicht beim Landkreis Kassel angenommen hatten.“ Die Absage kam fünf Wochen, bevor Valentina in den Kindergarten kommen sollte. Für seine Frau und ihn sei das wie ein Schlag ins Gesicht gewesen, sagt Fischer.

Anmeldung bereits sieben Tage nach der Geburt 

Denn sie hatten Valentina bereits sieben Tage nach ihrer Geburt am 11. August 2016 schriftlich in der Kita Weddel angemeldet. Damals gab es eine schriftliche Bestätigung der Anmeldung von der Gemeindeverwaltung, jedoch keine verbindliche Zusage. Ende 2017 vereinbarten die Fischers mit der Kita-Leiterin, dass Valentina die Eingewöhnung nach den Sommerferien 2018 beginnen sollte.

Im April 2018 kam dann ein weiterer Brief der Gemeinde. Darin war erstmals davon die Rede, dass für das kommende Kindergartenjahr die Nachfrage höher als das Platzangebot sei. Deshalb bat die Verwaltung die Familie darum, einen beigefügten Fragebogen auszufüllen. Anhand der daraus ermittelten Daten sollte eine „Rangliste“ erstellt werden. „Das haben wir gemacht“, sagt Fischer. Zwei Monate später, am 14. Juni, kam dann die schriftliche Zusage für einen Platz ab dem 1. Januar 2019 in der Kita Weddel. „Wir waren uns sicher, dass wir den Platz haben“, sagt Fischer.

Es gibt zu wenig Plätze für die Kinder 

Doch Anfang Oktober wurde den Fischers plötzlich klar, dass etwas nicht stimmte. Vonseiten der Kita-Leitung hieß es, dass es Neuerungen gebe und Plätze nicht mehr gewährleistet seien. Ralf Fischer kontaktierte sofort die Gemeindeverwaltung, wo ihm mitgeteilt wurde, dass es zu wenig Plätze gebe. Zuerst wurde er auf die Gemeindevertretersitzung Ende Oktober verwiesen, wo eine Entscheidung bezüglich einer Container-Lösung beraten wurde.

Die geplante Containeranlage im Neubaugebiet „Auf der Treber“ ist für Familie Fischer keine Option. „Wo sollen die Kinder da spielen, zwischen den Betonmischern?“, fragt Fischer. Eine Großbaustelle sei kein geeigneter Platz für Kinder. Zudem würde seine Tochter aus ihrem sozialen Netz gerissen. „Die Kita Weddel ist für uns das Maß der Dinge.“

Zwei Tage, nachdem bei den Fischers die Absage im Briefkasten lag, hat Ralf Fischer beim Landkreis Kassel Beschwerde eingereicht. „Solange meine Tochter ihren Platz im Weddel nicht hat, ist das für mich nicht vorbei“, erklärt er.

Gemeinde sucht nach Gesamtlösung

Derzeit kann Bürgermeister Karsten Schreiber keine verbindlichen Aussagen machen. Aber die Verwaltung sei dabei, gemeinsam mit den politischen Gremien Lösungen zu finden. „Es ist geplant, dass sich die Gemeindevertretung zeitnah mit dem Thema erneut beschäftigt.“ Die Gemeinde habe ein Gesamtproblem und dafür müsse eine große Gesamtlösung gefunden werden. 

Ab Januar bis Juni gebe es in der Gemeinde bis zu 65 Plätze an Bedarf, erklärt der Bürgermeister. „Wir werden uns auch den Einzelfall der Familie Fischer anschauen“, verspricht Schreiber. Aber im Moment wäre die Priorität, die Gesamtlage in den Griff zu bekommen. Alleine in Rothwesten gebe es einen Bedarf von fast 100 Kindern. „Wir brauchen da eine Lösung.“

Landkreis Kassel sieht Gemeinde in der Pflicht 

In der Absage an die Familie Fischer schrieb die Gemeinde Fuldatal, dass sie „irrtümlicherweise die Erteilung einer erforderlichen Einzellfall-Ausnahmegenehmigung durch die Kita-Fachaufsicht beim Landkreis Kassel angenommen“ hätten. Dem sei nicht so, sagt Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreises. „Die Gemeinde hatte bestimmte Plätze doppelt gebucht.“ Einzelgenehmigungen erteile der Landkreis nur zur Überbrückung, um eine Notlage zu mindern. 

Der Landkreis erwartet nun von der Verwaltung, dass die Problemlage kurzfristig gelöst wird. Dies habe man Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber im persönlichen Gespräch auch kommuniziert, erklärt Kühlborn. Die Containeranlage im Baugebiet „Auf der Treber“ sei ein erster Schritt.

Die Eltern hätten alles richtig gemacht und es sei nachvollziehbar, dass sie nicht begeistert seien. Aber Kühlborn unterstreicht auch: „Rein formal ist es so, dass ich den Kindergarten-Anspruch nicht in der Nachbar-Kita habe, sondern im Ort.“ Rein rechtlich käme für Kinder aus Ihringshausen auch das Kita-Angebot in Wilhelmshausen infrage. „Ich habe keinen Anspruch auf eine Kita in meiner Straße, wenn es da keinen Platz gibt.“ 

Für Kompromissvorschläge sei der Landkreis aber offen. „An uns wird eine rechtlich, fachlich und pädagogisch vertretbare Möglichkeit nicht scheitern.“

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