Kein Empfang

Im Tal der Abgeschnittenen: Fuldatal-Knickhagen ist ein Funkloch

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Auf der Suche nach Empfang: Dietmar Czaps Handy zeigt oft nur "Kein Netz" an.

Wie lebt es sich, wenn man nicht die Möglichkeit hat, per Smartphone immer erreichbar zu sein? Wer das im Kreis Kassel testen möchte, der muss nur nach Knickhagen fahren.

Denn dort ist der Empfang laut Bundesnetzagentur wenig bis gar nicht vorhanden. Schlecht ist das zum Beispiel für Michael Patzke, Betreiber des Campingplatzes. „Es gab schon den Fall, da sind Leute hier mit ihrem Wohnwagen angekommen, haben gehört, dass es kein Netz gibt und sind wieder gefahren“, erklärt er. So seien ihm mehrfach potenzielle Camper und damit Einnahmen entgangen. Auch ältere Herrschaften seien heute oft mit Laptop und Smartphone unterwegs und wünschten sich Internet, sagt Patzke. „Natürlich gibt es auch Menschen, die in Ruhe Urlaub machen wollen, aber der Standardcamper wünscht sich Empfang“.

„Das ist ein echtes Problem“, sagt Dietmar Czap. Er wohnt an der Osterbachstraße, auf der anderen Dorfseite. Empfang hat er mit dem Handy aber auch dort nicht. „Erst wenn ich über den Berg Richtung Rothwesten fahre, sehe ich meine entgangenen Anrufe und Nachrichten“. Unter anderem vom TÜV, für den er als Honorarprüfer arbeitet. Heutzutage sollte die Abdeckung eigentlich flächendeckend sein, findet er. Es gebe im Dorf schon Menschen, die sich aus Verzweiflung einen Mobilfunkverstärker angeschafft haben.

„Nur leider bewegt man sich damit mitunter in der rechtlichen Grauzone“, sagt ein Knickhagener, der einen solchen Repeater auf dem Grundstück hat. Denn die Geräte könnten Funkstörung in der Umgebung verursachen und längst nicht alle, die in Deutschland vertrieben würden, seien auch zugelassen. Die Bundesnetzagentur sagt dazu, dass es eine legale Nutzung solcher Geräte geben könne. Es komme darauf an, welche Frequenz genutzt werde und ob eine Zuteilungslizenz vorliege. Privatleute, die über die Anschaffung nachdenken, könnten sich zum Beispiel an ihren Mobilfunkanbieter wenden.

Von denen fühlen sich die Knickhagener mitunter verlassen. Bis vor einigen Jahren habe man noch mit O2 an manchen Stellen Empfang gehabt, erklärt Patzke. Dann sei aber scheinbar die Antenne gedreht worden.

Auch bei der Gemeinde Fuldatal, weiß man um die weißen Flecken. Michael Thöne, Fachbereichsleiter Allgemeine Verwaltung, in dessen Kompetenzbereich auch Informations- und Kommunikationsdienste fallen: „Die Wirkungsmöglichkeiten der Gemeinde sind eher gering, da müssen sich die Anbieter bewegen und der Wettbewerb greifen.“ Bekannt sei, dass die Telekom ihren Standort in Rothwesten modernisieren und womöglich leistungsstärker machen wolle. Auch Vodafone verkündet, in Fuldatal ein Bauvorhaben zu planen. Wo genau, kann Sprecher Volker Petendorf aber noch nicht sagen. Das würde geprüft. Vielleicht gibt es ja dann bald Balken im Handydisplay von Dietmar Czap zu sehen, statt der Anzeige „Kein Netz“.

Auf den jeweiligen Anbieter kommt es an

In keinem Ort des Altkreises ist es laut Bundesnetzagentur so schlecht mit dem Empfang wie in Knickhagen. Weiße Flecken gibt es aber noch mehr. Nur liegen die oft in Waldgebieten, an Ortsrändern oder auf Landstraßen: zum Beispiel im Stiftswald rund um den Bielstein oder in der Söhre. Keinen bis wenig Empfang dürften auch Autofahrer haben, die aus Nieste auf der Landesstraße 563 Richtung Kleinalmerode fahren oder von Schauenburg-Breitenbach nach Bad Emstal-Sand.

Soweit die Bundesnetzagentur. Unsere Leser und Facebookfans kennen allerdings noch viel mehr Funklöcher im Altkreis Kassel. Etwa zwischen Helsa und Waldhof. Ein Dachdecker nennt gleich mehrere Orte im Kreis, wo man nicht einmal auf den Dächern Empfang habe. Seine Beispiele: Ahnatal-Weimar, Espenau-Schäferberg, bei Helsa-Wickenrode und hinter Schauenburg-Elmshagen. Oft sind es auch nicht ganze Orte, die abgeschnitten sind, sondern nur einzelne Straßenzüge.

Ein Leser hat etwa in Schauenburg-Martinhagen nur Probleme auf Höhe der Firma Bott und auf dem Hoofer Berg an den Bahnschienen. Und natürlich kommt es auf den Anbieter an, ob man Netz hat, wie ein Nutzer ganz richtig anmerkt. Ein Blick auf den Breitbandatlas der Bundesnetzagentur zeigt: Während die Telekom oft eine hohe Abdeckung im Altkreis schafft, sieht das bei Vodafone und Teléfonica (O2) mitunter anders aus. (mia)

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