Seit 2000 Tagen im Amt

Interview mit Karsten Schreiber: „Fuldatal ist attraktiv geworden“

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Jetzt ist es offiziell: Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber (links) übergibt seine Wahlunterlagen an Büroleiter Martin Gronemann. Sekretärin Antje Formella bestätigt den Eingang der Unterlagen per Stempel.

Fuldatal. Vor 2000 Tagen trat Karsten Schreiber (CDU) sein Amt als Bürgermeister von Fuldatal an. Bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag, 9. September, wird er erneut als CDU-Kandidat antreten. Wir sprachen mit ihm über die vergangenen sechs Jahre, über Erreichtes und das, was noch zu tun ist.

Sie sind Hobby-Handwerker mit „Hang zu teurem Werkzeug“, wie Sie mal gesagt haben. Auch zum Start ihrer Amtszeit wollten Sie viele Dinge in Fuldatal anpacken und besser machen. Hat alles geklappt, was Sie es sich vorgenommen haben?

Karsten Schreiber: Ein großes Ja, ein kleines Aber. Wir haben sehr viel gemacht und umgesetzt, ganz vieles liegt in den Schubladen und wartet darauf, umgesetzt zu werden, muss aber aus verschiedensten Gründen noch warten, weil Investoren nicht so schnell sind, weil Baurecht nicht so schnell geschaffen wird, weil natürlich finanzielle Ressourcen endlich sind.

Wenn Sie auf die vergangenen 2000 Tage zurückblicken, was lief besonders gut?

Schreiber: Inzwischen wird Fuldatal wieder positiv wahrgenommen. Ich habe in meiner Antrittsrede Zeitungsanzeigen vorgelesen, die lauteten: Suche Haus, Wohnung oder Grundstück, Vellmar, Ahnatal oder Espenau, nicht Fuldatal. So Anzeigen gibt es heute nicht mehr. Im Gegenteil. Es gibt viel zu wenig Anzeigen, weil alles weg ist. Das kann man auch daran sehen, dass wir in den letzten fünf Jahren 500 neue Einwohner gewonnen haben. Übrigens entgegen aller Prognosen. Wir sind jetzt bei knapp 12 500 Einwohnern.

Aber es ist nicht immer alles gut gelaufen.

Schreiber: Es gab sicherlich Schwierigkeiten, die mussten überwunden werden. Gleich am Anfang war ein großes Problem, dass unsere Personalsituation schwierig war. Das war ein bisschen so: Der Bürgermeister ist neu, aber alleine im Haus. Das war nicht wirklich witzig. Es hat viel Mühe gekostet, das irgendwie zu schaffen.

In den vergangenen Jahren sind viele Neubaugebiete entstanden. Vor allem Ihringshausen hat von dem Wachstum profitiert. Aber wie sieht es mit den anderen Ortsteilen aus?

Schreiber: Fuldatal ist attraktiver geworden. Es werden dadurch auch Bestandsimmobilien in den Ortsteilen nachgefragt, das heißt, alle profitieren von den steigenden Immobilienpreisen. Natürlich profitiert Ihringshausen mehr als Knickhagen, alleine durch die Größe. Aber auch in den anderen Ortsteilen, wo Bauland deutlich günstiger ist, werden freie Grundstücke verkauft und bebaut.

Baugebiete bedeuten auch immer Zuzug von jungen Familien. Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren neue Kitaplätze geschaffen, aber der Bedarf scheint trotzdem größer als das Angebot zu sein.

Schreiber:Wir sind dabei, im Rahmen der Möglichkeiten Anpassungen zu machen. Als ich hier anfing, waren die Kindertagesstätten in Rothwesten und Wilhelmshausen Halbtagskitas. Die sind inzwischen im Ganztag. In Rothwesten haben wir inzwischen statt zwei nun drei Gruppen, in Ihringshausen statt acht jetzt neun Gruppen. In Wilhelmshausen haben wir eine Krippengruppe aufgemacht, und in Rothwesten kommt zum Jahresende eine Krippengruppe dazu. Außerdem haben wir entschieden, eine sechste Kindertagesstätte mit sechs Gruppen im Baugebiet „Auf der Treber“ zu bauen.

Ein kontrovers diskutiertes Thema sind die Straßenbeiträge. Viele fordern ihre Abschaffung. Bisher waren Gemeinden mit Haushaltsdefizit, zu denen Fuldatal zählt, gezwungen, Straßenbeiträge zu erheben.

Schreiber: Erstmal ist es eine Tatsache, dass das jetzige Konzept so nicht aufrechtzuerhalten ist. Wir können nicht einzelnen Anliegern, zum Teil im hohen Lebensalter, hohe fünfstellige Beträge abverlangen und das innerhalb kürzester Zahlungsfristen.

Wie kann man das Problem lösen?

Schreiber: Wir vereinbaren Ratenzahlungspläne und strecken das über einen längeren Zeitraum. Das Konzept der wiederkehrenden Straßenbeiträge ist nicht die Lösung, weil es in der technischen Umsetzung ein gigantischer Verwaltungsaufwand ist. Straßen benutzen alle, also geht es doch am Ende um Steuergeld. Entweder wir zweigen Geld an anderer Stelle ab oder wir erhöhen die Steuern, zweckgebunden an Straßenbeiträge.

Das heißt für Fuldatal, dass weiterhin einmalige Straßenbeiträge erhoben werden?

Schreiber: Wir haben laufende Maßnahmen und die werden nach dem geltenden Recht abgearbeitet. Das geht auch gar nicht anders. Aber: Wenn das neue Gesetz uns zum Beispiel die Möglichkeit gibt, längere Ratenzahlungen zu vereinbaren, dann werden wir das sofort umsetzen.

Fuldatal hatte knapp zwölf Millionen Euro Schulden auf dem Girokonto, von denen die Hessenkasse jetzt knapp die Hälfte übernimmt. Dafür müssen sie jedes Jahr rund 300 000 Euro an die Hessenkasse zahlen. Wie können Sie gleichzeitig investieren und trotzdem den Schuldenberg abbauen?

Schreiber: Wir müssen den Menschen ganz klar sagen, wenn man Jahrzehnte lang einen solchen Schuldenberg aufgebaut hat, dann wird es auch ähnlich lange dauern, wieder von dem Berg runterzukommen. Die Frage ist, geht die Tendenz weiter in die richtige Richtung? Zweitens, weil es ja keinem so richtig wehtun soll, verteilen wir das Geld auf sehr viele Töpfchen. Wir können also zum Beispiel nicht alle Spielplätze auf einmal machen. Das ist die Kunst von Politik, einen Interessenausgleich zu schaffen.

Wenn Sie die Finanzsituation der Gemeinde allgemein beurteilen müssten, was hat sich in den sechs Jahren verändert?

Schreiber: Sie ist im Moment deutlich besser, aber hoch riskant, weil wir nur wenige Einnahmearten haben, von denen wir abhängig sind. Und die unterliegen großen Schwankungen. Zum Beispiel die Gewerbesteuer. Da hatten wir letztes Jahr mit 2,7 Millionen Euro geplant aber nur 2,1 Millionen erzielt. Das schwankt. Die Einkommensteuer ist abhängig vom Gesamtsteueraufkommen. Das können wir nicht beeinflussen.

Wie kann man dem entgegenwirken?

Schreiber: Ich habe in den vergangenen Jahren versucht, Beteiligungen aufzuzeigen, um neue Einnahmen zu generieren. Wir sind zum Beispiel an Windparks wie der Energiegenossenschaft Reinhardswald beteiligt. Wenn man an der Energiewende, an der Herstellung von regionaler Energie Geld verdienen kann, sollte man das als Kommune vor Ort tun, sonst übernehmen das private Investoren. Wir müssen uns weitere Einnahmequellen schaffen.

Sollten Sie im September für eine zweite Amtszeit gewählt werden, was nehmen Sie sich für die nächsten 2000 Tage vor?

Schreiber: Der erste Anspruch ist, das was begonnen wurde, fertig zu machen und zwar so, dass nicht in weiteren sechs oder zwölf Jahren einer meiner Nachfolger sagt: warum hat der so viel liegengelassen. Genauso wichtig ist es, parallel Neues zu entwickeln, also immer die Schublade voll zu haben mit Ideen. Immer, wenn sich eine Chance ergibt, sollte man die passende Idee für diese Chance haben. Man muss eine perspektivische Planung haben, um daraus Dinge entwickeln zu können. Weitergehen wird es eher in kleinen Schritten als in großen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre es?

Schreiber: Ich würde mich darüber freuen, wenn wir jeden Tag ein Stückchen besser werden und weiterkommen, wenn ich und meine Familie gesund bleiben und es uns gelingt, den Menschen klar zu machen, dass wir nur gemeinsam Dinge erreichen können.

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