Investor für Pelzfabrik gesucht

Sicherung des Gebäudes in Ihringshausen kostet Landkreis 70 000 Euro

Verfällt zusehends: Die alte Pelzveredlungsfabrik Petzold in Ihringshausen ist seit Jahrzehnten marode. Weil es keinen Eigentümer gibt, ist der Landkreis Kassel in der Sicherungspflicht. Der Landkreis hofft nun auf einen Investor für das Areal.
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Verfällt zusehends: Die alte Pelzveredlungsfabrik Petzold in Ihringshausen ist seit Jahrzehnten marode. Weil es keinen Eigentümer gibt, ist der Landkreis Kassel in der Sicherungspflicht. Der Landkreis hofft nun auf einen Investor für das Areal.

Die Altlasten auf dem Gelände der ehemaligen Pelzveredelung Petzold in Ihringshausen beschäftigen die Behörden bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Jetzt scheint – zumindest zaghaft – Bewegung in die Angelegenheit zu kommen, mit der Erstellung eines Gutachtens und der Suche nach einem Investor.

Fuldatal - Nachdem bereits Teile des Dachs auf benachbarte Hofflächen gestürzt waren, hatte der Landkreis Kassel als örtliche Bauaufsicht Anfang des Jahres Teile der Dachfläche der ehemaligen Pelzveredlungsfabrik gesichert. Kostenpunkt: 51 300 Euro.

Die Reparaturkosten plus die Rechnungen für den Prüfstatiker und den Bauleiter müssen jetzt beglichen werden. Da die Kosten nicht vorhersehbar waren und deshalb nicht im Haushalt des Landkreises berücksichtigt wurden, werden sie nun dem Kreistag in seiner nächsten Sitzung als außerplanmäßige Auszahlungen vorgelegt. Die insgesamt 70 000 Euro werden aus nicht benötigten Mitteln für die Verbandsumlage an den Landeswohlfahrtsverband gezahlt.

„Das Dach ist gesichert worden, damit es nicht zusammenbricht“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Aber es ist allen Beteiligten klar, dass das marode Gebäude mit jedem Jahr, in dem keine Lösung gefunden wird, weiter verfallen wird und damit eine Gefahr darstellt.

Das etwa 8000 Quadratmeter große Areal ist zwar seit einigen Jahren mit einem Bauzaun abgesichert und seit 2017 gilt ein generelles Betretungsverbot. „Aber das kann keine Dauerlösung sein“, sagt Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber. Vor allem, weil sich das Gebiet am Ortsrand von Ihringshausen ideal für eine neue Nutzung anbietet – mit der Gesamtschule, Sporthalle, Kita und Walschwimmbad in unmittelbarer Nähe. „Das Gebiet schreit ja geradezu nach einer Entwicklung“, sagt Schreiber, „und es gibt auch ein gemeindliches Interesse über alle Gremien hinweg.” Das Gelände sei seit Jahrzehnten eine offene Wunde am Ortsrand.

Doch das ganze Areal ist ein kompliziertes Konglomerat aus Schulden, unklaren Eigentümerverhältnissen und möglichen weiteren Schadstoffbelastungen am Hauptgebäude. Zudem leben in Teilobjekten auf dem Gelände Menschen ohne Mietvertrag. Die Königsdisziplin sei, diesen Knoten zu lösen, sagt Schreiber.

Das denkmalgeschützte Gebäude ist seit der Auflösung der Firma Petzold herrenlos – die Eigentümer waren ins Ausland gegangen, ohne die Schulden zu begleichen. Herrenlose Grundstücke fallen an das Land, doch das hat es sich nicht angeeignet. Die Kosten für Abbruch und Entsorgung des Gebäudes lagen nach einer etwa zehn Jahre alten Schätzung bei etwa 900 000 Euro, erklärt der Landkreissprecher. Die Verkehrssicherungspflicht trägt der Landkreis als örtliche Bauaufsicht, der verhindern will, dass er – und damit die Steuerzahler im Landkreis – auf den Kosten sitzen bleiben, sollte es zum Abbruch kommen, erklärt Kühlborn. Deshalb „sucht der Landkreis proaktiv nach einem Investor für diesen Bereich“, wie es in der Begründung an den Kreistag heißt. Erste Verhandlungen habe es bereits gegeben.

Das bestätigt auch Schreiber. Es hätten bereits zwei Gesprächstermine im Rathaus stattgefunden. Die Gemeinde hatte bereits im August 2017 Baurecht geschaffen und sich klar positioniert: Auf dem Gelände soll Wohnraum entstehen und auch nicht störendes Gewerbe wie Kunstgalerien oder Ähnliches soll Platz finden. (Von Amira Sayed El Ahl)

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