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Zu Besuch in Autosattlerei in Fuldatal: „Jedes Teil ist ein Einzelstück“

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Von: Valerie Schaub

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Oft auch Feinarbeit: An einer Industrienähmaschine fertigt Autosattler Wolfgang Schmoll in Fuldatal Planen und Sitzbezüge. Oft macht er Ausbesserungen und Reparaturen.
Oft auch Feinarbeit: An einer Industrienähmaschine fertigt Autosattler Wolfgang Schmoll in Fuldatal Planen und Sitzbezüge. Oft macht er Ausbesserungen und Reparaturen. © Valerie Schaub

Autosattler Wolfgang Schmoll aus Fuldatal fertigt Planen und Sitzbezüge. Er erklärt, was diesen Handwerksberuf ausmacht.

Fuldatal – Wenn Wolfgang Schmoll eine fertige Plane über Boote, Lkw oder Kutschen zieht, gibt ihm das ein gutes Gefühl. Wenn alles passt und faltenfrei aufliegt, hat der Autosattler seinen Job richtig gemacht. Es ist in etwa so, als würde der 37-Jährige Mäntel maßschneidern – nur eben nicht für Menschen, sondern für alle möglichen Gefährte und Gestelle. Manchmal sogar für Straßenbahnen.

In der Autosattlerei an der Dörnbergstraße in Fuldatal-Ihringshausen stellt Schmoll mit seinem Mitarbeiter Planen her. „Jedes Teil ist ein Einzelstück“, sagt er. Privatkunden hätten oft spezielle Wünsche. Viele Aufträge seien Reparaturarbeiten. Ein Loch, das geflickt werden muss. Dauercamper, die einen neuen Reißverschluss für ihr Vorzelt brauchen. Auch verschlissene Autositzbezüge richtet der Sattler wieder her. Ein neuer Bezug sei oft teurer.

In Schmolls Garage steht aktuell ein Boot, der Kunde braucht ein neues Verdeck, das auch über die Scheiben reicht. Der Sattler misst jedes Modell aus, statt die Maße der alten Plane zu kopieren, erklärt er. Diese überträgt er dann auf den Stoff von der Rolle auf einem acht Meter breiten Zuschneidetisch.

Schmoll verarbeitet seine Stoffe mit unterschiedlichen Industrienähmaschinen

Die Stoffe, die er aus Europa bezieht, verarbeitet Schmoll mit unterschiedlichen Industrienähmaschinen. Für alles Sperrige nutzt er eine Maschine mit längerem Arm, unter den der feste Planenstoff passt.

„Auf der Maschine hat mein Vater seine Ausbildung gemacht“, sagt Schmoll. Die Maschine ist nicht das Einzige, was er übernommen hat. Auch das Handwerk hat er vom Vater gelernt, nebenbei sozusagen. Schmoll hat zunächst eine Ausbildung als Bürokaufmann gemacht – ebenfalls im Familienbetrieb. Dann lernte er Lagerlogistik, war eine Weile im Lager tätig, bevor er sich entschied, den Familienbetrieb zu übernehmen. Er hatte kontinuierlich immer mehr dort ausgeholfen, die Abläufe, Werkzeuge und die Handgriffe kannte er ohnehin seit der Kindheit, sagt er.

Handwerkliches Geschick, räumliches Denken und vor allem Geduld sind die Fähigkeiten, die ein Autosattler laut Schmoll mitbringen sollte. Bis aus der Meterware eine passgenaue Plane wird, sind viele Arbeitsschritte nötig.

„Es sind keine Standartprodukte“

Das Spannendste, was Schmoll bislang hergestellt hat, sind Planen für Straßenbahnwagen. „Das war eine Herausforderung“, erinnert er sich. Die Planen habe er vor Ort angepasst.

Etwas Eigenes herzustellen, das reizt den 37-Jährigen. „Es sind keine Standardprodukte.“ Und der Beruf sei vielfältig: Von kleinen Detailarbeiten bis zur Herstellung von meterlangen Planen sei in der Autosattlerei alles dabei.

Kleine Betriebe wie die Sattlerei in Fuldatal sind selten geworden. Dabei sind vor allem Reparaturen dort noch möglich. „Viele große Betriebe machen fast alles neu.“ Besonders gefragt in der Coronazeit seien übrigens Planen für Terrassen gewesen. „Die Leute konnten nicht weg, also haben sie es sich zu Hause schön gemacht.“

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