"Beim Fahren unsicherer geworden"

Das Kapitel Autofahren ist beendet: Fuldataler gibt Führerschein freiwillig ab

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Seine Leidenschaft für Käfer pflegt Otto Weymann schon sein ganzes Leben. In diesem Käfer, der 1989 gebaut wurde, wird der 82-Jährige allerdings nur noch als Beifahrer mitfahren, da er seinen Führerschein abgeben will. 

Er ist ein echter Autonarr und verrückt nach VW-Käfern: Otto Weymann aus Fuldatal. Doch mit 82 Jahren gibt er jetzt freiwillig den Führerschein ab.

Wenn jemand im Landkreis Kassel verrückt nach VW-Käfern ist, dann ist es Otto Weymann aus Fuldatal-Simmershausen. Sein ganzes Leben lang beschäftigten ihn die Oldtimer der Marke Volkswagen. Umso schwerer fiel dem 82-Jährigen letztlich die Entscheidung, seinen Führerschein – nach 64 Jahren Freude am Autofahren – endgültig abzugeben.

„Ich bin beim Fahren unsicherer geworden und ehe ich einen schweren Unfall baue oder jemanden verletzte, höre ich auf und gebe den Führerschein lieber ab“, erklärt der pensionierte Gold- und Silberschmiedemeister, der in Harleshausen geboren ist. „Autofahren war mein ganzes Leben eine Freude, aber irgendwann setzt der Körper eine Grenze – und die ist jetzt erreicht.“

Defizite beim Fahren bemerkt

Vor zwei Jahren erlitt der 82-Jährige einen Schlaganfall und ist seither kein Auto mehr gefahren. Aus diesem Grund entschied er sich in den vergangenen Monaten endgültig dazu, seinen Führerschein abzugeben. Denn er habe zuvor schon gemerkt, dass er beim Fahren einige Defizite habe – beispielsweise eine eingeschränkte Sicht.

„Die wenigsten Männer in meinem Alter wollen das wahrhaben und fahren einfach weiter. Dann passiert nochmal was und das will ich vermeiden“, betont Weymann. Seine Frau Irene, mit der er seit 56 Jahren verheiratet ist, teilt seine Entscheidung: „Das ist ein großer Entschluss für ihn. Er wollte es lange nicht wahrhaben, aber jetzt ist es gut, dass er es aus eigenem Gewissen macht.“

Schritt fiel trotz aller Vernunft nicht leicht

Auch wenn es für den 82-Jährigen schlussendlich eine notwendige Entscheidung war, gibt er den Führerschein mit einem weinenden Auge ab. Denn Autos – vor allem VW Käfer – waren schon immer ein großer Teil seines Lebens. „Ich habe Käfer gesammelt wie andere Briefmarken“, sagt der Seniorchef der Gold- und Silberschmiede Weymann in Fuldatal. „Daher ist es auch ein wichtiger Schritt, dass er von sich aus sagt, ich kann nicht mehr“, erklärt seine Frau Irene.

In den 64 Jahren, die er seinen Führerschein nun schon hat, fuhr Otto Weymann insgesamt 40 Jahre lang dasselbe Auto – einen VW Käfer, Baujahr 1942. Zum 65. Geburtstag des Wagens schickte er seinen Käfer nicht in Rente, sondern unternahm mit ihm eine 7000 Kilometer lange Fahrt zum Nordkap. Mittlerweile steht sein Exemplar, welches als der älteste fahrbereite Käfer gilt, seit zwei Jahren im Porsche-Museum in Salzburg.

Dieser Käfer war natürlich nicht der Einzige, den der Autoliebhaber in all den Jahren auf seinem Hof stehen hatte. Und genau deswegen will der 82-Jährige auf seine Leidenschaft und die Fahrten mit dem Käfer nicht verzichten: „Wenn ich mit meiner Enkelin mitfahre, dann muss ich das Käferfahren nicht ganz aufgeben.“ Denn seinen schwarzen Käfer, der noch auf seinem Hof steht, will der Seniorchef an seine älteste Enkeltochter, die gerade ihren Führerschein macht, abtreten.

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