Kosten sind nicht der Grund

Fehlender Mittelstreifen auf der Veckerhagener Straße in Fuldatal soll Verkehr verlangsamen

Fehlende Linien auf der Veckerhagener Straße in Fuldatal-Ihringshausen sollen den Verkehr verlangsamen.
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Fehlende Linien auf der Veckerhagener Straße in Fuldatal-Ihringshausen sollen den Verkehr verlangsamen.

Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit ist die Großbaustelle auf der Veckerhagener Straße in Fuldatal-Ihringshausen Geschichte. Doch für HNA-Leser Ralf Speth fehlt eine wichtige Sache: die Fahrbahnmarkierung.

Fuldatal - „Hier kann jederzeit ein schwerer Unfall passieren, weil sich gerade ältere Menschen ohne die Mittellinie schwer orientieren können“, sagt der 58-Jährige, der täglich über die Veckerhagener Straße fährt. Er habe es schon mehrere Male erlebt, dass sich Autos in diesem Bereich im Gegenverkehr gefährlich nahe gekommen seien. Die Vermutung des Fuldatalers: Aus Spargründen wurde auf die weiße Mittellinie verzichtet.

Doch dem ist nicht so, versichert Martin Knopp, Fachbereichsleiter Tiefbau bei der Gemeinde Fuldatal. „Wir haben sie nicht aus Spargründen weggelassen.“ Es sei auch nicht so, dass durch das Weglassen der Linie ein Gefahrenschwerpunkt entstehe – im Gegenteil. „Das Weglassen der Linie ist eine Möglichkeit, den Verkehr zu verlangsamen.“ Ohne Linie fühlten sich Fahrer nicht so sicher wie mit Linie und würden so automatisch langsamer fahren, zeige die Erfahrung. Fuldatal sei mit dieser Ansicht nicht alleine. Überall in Deutschland werde es seit Jahren so gehandhabt. Geregelt wird das Aufbringen von Markierungen durch die „Richtlinie für die Markierung von Straßen (RMS)“.

Bevor eine Straße gebaut wird, muss ein Beschilderungsplan aufgestellt werden. Dort werden alle Verkehrszeichen und Markierungen ausgewiesen. Im Fall der Veckerhagener Straße hat die Gemeinde ein Ingenieurbüro damit beauftragt, diesen Plan aufzustellen, der sich auf die bundesweiten Richtlinien beruft. Nachdem der Plan erstellt ist, wird er der zuständigen Ordnungsbehörde vorgelegt, die ihn freigibt. Im Fall einer Gemeindestraße wie der Veckerhagener ist das Ordnungsamt der Gemeinde zuständig, bei einer Kreisstraße wie der Kasseler Straße in Simmershausen der Landkreis Kassel und bei einer Bundesstraße wie der Mündener Straße in Wilhelmshausen Hessen Mobil.

„Bei der Veckerhagener Straße war von Anfang an klar, dass es keine Mittellinie geben wird“, erklärt Knopp. In Ortsdurchfahrten würde weitestgehend auf die Markierung verzichtet, um den Verkehr zu verlangsamen.

Auch auf der Mündener Straße in Wilhelmshausen wird es nach Abschluss der Bauarbeiten innerorts nur noch an gefährlichen Stellen, also Übergängen und Bushaltestellen, Fahrbahnmarkierungen geben. Ansonsten wird innerorts darauf verzichtet. Nur außerhalb des Orts, bis zum Ortsschild, ist eine Mittellinie auf der B 3 eingezeichnet.

Auf Nachfrage bei der Verkehrsinspektion der Polizei heißt es, dass die Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung und die Hinweise für das Anbringen von Verkehrszeichen und -einrichtungen folgendes regeln: dass auf die Markierung einer Leitlinie auf der Fahrbahnmitte verzichtet werden könne, wenn die Fahrbahnbreite weniger als 5,50 Meter beträgt. Zudem könne innerorts auf die Leitlinie verzichtet werden, da sie wegen der Straßenbeleuchtung nicht notwendig ist und durch die Betonung der Längsrichtung auch beschleunigend wirken kann.

Genau das, nämlich das Gefühl, beschleunigen zu können, will man in Fuldatal verhindern, und hat aus diesem Grund auf die Linien verzichtet. Aber egal ob mit oder ohne Linien gilt immer Folgendes: „Grundsätzlich muss jeder Verkehrsteilnehmer rechts fahren und seine Geschwindigkeit der Verkehrssituation anpassen“, erklärt Frank Siebert von der Pressestelle der Polizei. (Amira El Ahl)

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