An Marienbasilika in Wilhelmshausen

Knochen geben Rätsel auf – Archäologischer Fund oder Mord?

Laut Polizei keine historischen Knochen: Der Fund von Thomas Ackermann an der Marienbasilika in Wilhelmshausen.
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Laut Polizei keine historischen Knochen: Der Fund von Thomas Ackermann an der Marienbasilika in Wilhelmshausen.

Ein Hobby-Archäologe und -historiker aus Fuldatal findet menschliche Knochen. Ein archäologischer Sensationsfund?

Fuldatal – Nicht alle Tage wird ein altes Haus abgerissen, das direkt an eine historische Kirche angrenzt. Für Hobby-Archäologen ein Glücksfall. Denn die Chance besteht, dass im Boden noch alte Mauerreste zu sehen sind.

Genau nach denen hielt Thomas Ackermann Ausschau, als er Anfang Oktober 2020 mit seiner Kamera um die Marienbasilika in Wilhelmshausen herumging, wo gerade ein altes Haus abgerissen worden war, um Platz für einen Parkplatz zu schaffen. Was er fand, waren allerdings keine Mauerreste, sondern Fragmente von menschlichen Knochen. Becken, Rumpf sowie die zerdrückte Schädeldecke und sogar Zähne seien zu erkennen gewesen, sagt Ackermann.

Hobby-Archäologe entdeckt alte Knochen - doch es ist kein archäologischer Fund

Ein archäologischer Sensationsfund? Offenbar nicht, wie eine spätere gerichtsmedizinische Untersuchung ergab. Die Knochen sind laut der Polizei lediglich 50 bis 80 Jahre alt.

Doch Ackermann vermutete nach seinem Fund erst einmal, dass es sich um Knochen aus dem 13. oder 14. Jahrhundert handele. Denn an dieser Stelle, südlich der Kirche in Richtung der Mündener Straße, stand vermutlich einmal der Kreuzgang der Marienbasilika. „In Kreuzgängen wurde oft bestattet“, sagt Ackermann, der einige Jahre Vor- und Frühgeschichte und Archäologie in Marburg studiert hat. Der Fraktionschef der Grünen im Gemeindeparlament und Vorsitzende des Bau- und Planungsausschusses informierte deshalb gleich mehrere Stellen: das für den Bau des Parkplatzes zuständige Ingenieurbüro, den Bürgermeister und die Polizei.

Knochenfund in Fuldatal: War es ein Verbrechen?

Wie Polizeisprecher Matthias Mänz bestätigt, nahmen Beamte des Kriminaldauerdienstes die Knochenfragmente mit. „Es ging darum, zu sehen, ob strafrechtliche Ermittlungen erfolgen müssen“, sagt Mänz. Die Untersuchung des gerichtsmedizinischen Instituts in Gießen ergab, dass „Knochenfragmente menschlichen Ursprungs aufgefunden wurden, wobei die Liegezeit im Erdreich zwischen 50 bis 80 Jahre betragen haben dürfte“, wie Yvonne Ceh, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, erklärt.

Also, ein Verbrechen? Auch darauf gäbe es keine Hinweise, unterstreicht Mänz, was auch die Staatsanwaltschaft bestätigt. Bei den Ermittlungen hätten sich keine Anhaltspunkte für eine Straftat ergeben, weshalb das Verfahren eingestellt wurde, sagt Ceh auf Anfrage.

Thomas Ackermann

Der Gemeindeverwaltung wurden die Ergebnisse der Ermittlungen der Polizei und Staatsanwaltschaft übrigens nicht mitgeteilt. Da die Gemeinde aber von Ackermann über den Knochenfund im Herbst informiert worden war, habe man auch die Denkmalschutzbehörde davon in Kenntnis gesetzt, sagt Martin Knopp, Leiter des Fachbereichs Tiefbau.

Knochenfund bei Bauarbeiten in Fuldatal - Herkunft wird wohl ein Rätsel bleiben

Für die gesamten Bodenarbeiten am geplanten Parkplatz vor der Marienbasilika war ein Archäologe anwesend, der die Arbeiten überwacht hat. „Aber nicht nur wegen des Knochenfunds, sondern weil wir wissen, dass dort früher ein Kloster war und eventuell ein Friedhof sein könnte“, sagt Knopp. Gefunden wurde während der Arbeiten aber nichts, keine Mauerreste und auch keine weiteren Knochen.

Woher die Knochenfragmente stammen, die Ackermann gefunden hat, wird wohl ein Rätsel bleiben. Es sei denn, die Polizei erhält neue Hinweise, dass doch eine Straftat im Raum steht, wie der Polizeisprecher es ausdrückt. „Dann würden Ermittlungen erfolgen“, erklärt Mänz. Denn: Mord verjährt nie. (Amira El Ahl)

Ein archäologischer Sensationsfund hingegen wurde Anfang Juli in Niedersachsen gemacht - er verrät ganz neue Erkenntnisse über Neandertaler. Vor wenigen Monaten gab es ebenfalls einen überraschenden Fund von Archäologen in der Region: In Homberg wurden Überreste aus dem Mittelalter entdeckt, mit denen niemand gerechnet hatte.

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