Platz fehlt, Kosten explodieren

In Fuldatal müssen immer mehr Kinder unter drei Jahren betreut werden - Kosten explodieren

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Immer mehr Kinder, zu wenig Platz: Fuldatal wächst dank Neubaugebieten und dem Zuzug junger Familien. Doch obwohl die Gemeinde neue Kitas baut, reicht der Platz nicht aus.

Fuldatal. Entgegen aller Prognosen wächst die Gemeinde Fuldatal dank neuer Baugebiete. In den vergangenen fünf Jahren hat sie 500 neue Einwohner gewonnen. Doch der Zuzug junger Familien stellt die Gemeinde vor Herausforderungen. Denn es fehlen Betreuungsplätze.

Karsten Schreiber geht Probleme strategisch an. Für ihn sind sie Herausforderungen, die es zu meistern gilt und er tüftelt so lange, bis er eine Lösung gefunden hat. Aber beim Thema Kinderbetreuung kommt auch der Fuldataler Bürgermeister an seine Grenzen. „Ich habe keine Lösungen“, sagt Schreiber.

Das Problem: Jeder Cent gehe derzeit in das Thema Kinderbetreuung. Trotzdem reiche der Platz hinten und vorne nicht. Die Lage sei dramatisch, der Fehlbedarf könne quasi täglich nach oben korrigiert werden, sagt Schreiber.

Kindertagesstätten

Derzeit betreibt die Gemeinde Fuldatal fünf Kindertagesstätten mit 18 Kita-Gruppen und einer Krippengruppe. Daneben gibt es in Ihringshausen die privat betriebene Märchenkrippe mit 13 U3-Kindern sowie aktuell zwei Tagesmütter in Ihringshausen und Simmershausen mit derzeit acht U3-Kindern. Weitere zehn Fuldataler Kinder werden nach Angaben der Gemeinde außerhalb Fuldatals betreut.

Wartelisten

Die Anzahl der zu betreuenden Kinder sei in den letzten Jahren explosionsartig angestiegen, sagt Schreiber. Die Gründe seien vielfältig. Zum einen würden heute kaum noch Kinder über das zweite Lebensjahr hinaus zu Hause betreut. Auch die Ausweitung des Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz habe dafür gesorgt, dass immer mehr Eltern ihre Jüngsten betreuen lassen wollten. Außerdem wächst Fuldatal durch die Neubaugebiete. Die Folge: „Für das nächste Jahr führen wir 130 Kinder auf der Warteliste“, sagt Schreiber. Aktuell gebe es fast keine Plätze mehr. In Ihringshausen fehlen rund 20 Plätze, in Rothwesten etwa 24 Plätze. „Der größte Anteil der noch aufzunehmenden Kinder ist im Alter unter drei Jahren“, erklärt Schreiber. Da die Jüngsten bei der Planung mit 1,5 Plätzen berechnet werden, weil sie einen erhöhten Betreuungsbedarf haben, fehlen in Fuldatal derzeit insgesamt 66 Zählkinderplätze.

Lösungen

Um das Problem in den Griff zu bekommen, hat die Gemeinde einige Entscheidungen auf den Weg gebracht. • Anfang Januar eröffnet die Großtagespflegestelle „Feldmäuse“ in Rothwesten. Dort sollen acht Kinder unter drei Jahren von zwei Tagespflegepersonen betreut werden.

• Zudem haben die Gemeindevertreter dem Neubau der Kindertagesstätte „An den Lindenbäumen“ im Baugebiet „Auf der Treber“ in Ihringshausen mit sechs Gruppen zugestimmt. Dort sollen 111 Betreuungsplätze entstehen, 36 für Krippenkinder, 75 für Kitakinder. Die Kita soll durch den freien Träger „Kleine Stromer“ aus Kassel betrieben werden. „Wir hoffen, dass wir im Sommer 2020 mit dem Bau fertig sind“, sagt Schreiber.

• Bis dahin soll eine Containeranlage aufgebaut werden, in der 40 Betreuungsplätze für Kita-Kinder geschaffen werden sollen. Diese 40 Kinder würden dann im Sommer 2020 mit ihren Betreuern in den Neubau umziehen.

Kosten

Der Neubau der Kita „An den Lindenbäumen“ soll 3,7 Millionen Euro kosten. Zudem erwartet die Gemeinde für das Haushaltsjahr 2019 ein Gesamtdefizit bei den Kindertagesstätten von über 3 Millionen Euro. Allein die Personalkosten liegen bei über 3,3 Millionen Euro. Demgegenüber stehen Einnahmen von 1,5 Millionen Euro. „Die Gesamtkosten liegen bei über 5 Millionen Euro“, erklärt der Bürgermeister. Jede Kita kostet die Gemeinde etwa 600.000 Euro an Zuschuss.

Beschwerden

Die Verwaltung kommt mittlerweile nicht nur finanziell, sondern auch personell an ihre Grenzen. „Meine Mannschaft hat keine Reserven mehr“, sagt der Bürgermeister. „In dem ganzen Chaos haben meine Leute den Überblick verloren.“

So wurden von Mitarbeitern im Rathaus Zusagen für Kita-Plätze gemacht, die es gar nicht mehr gibt, da sie doppelt vergeben wurden. Diese Eltern haben nun beim Landkreis Kassel Beschwerde eingereicht. Denn seit August 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. Die Gemeinde muss also zum Beispiel auch für ein Kind zahlen, dass wegen fehlender Plätze in Fuldatal in einer Nachbargemeinde betreut wird. Kann gar kein Platz gefunden werden und muss deshalb ein Elternteil zu Hause bleiben, muss die Gemeinde für den Lohnausfall aufkommen.

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