Entscheidung fällt in zwei Wochen 

Krippen-Plätze in Fuldatal könnten deutlich teurer werden 

Fuldatal. Während manche Eltern vermutlich jubeln, müssen andere wohl künftig tiefer in die Tasche greifen. Zumindest, wenn es nach dem Willen der Gemeindeverwaltung geht. 

Eltern mit einem unter dreijährigen Kind müssen sich darauf einstellen, ab dem 1. August wesentlich mehr Geld für die Kita zu zahlen. Bis zu 16 Prozent mehr könnte eine Ganztagsbetreuung in Fuldatal dann kosten. Eine Steigerung, gegen die nun die Elternbeiräte protestieren.

In Fuldatal wird derzeit die Gebührensatzung überarbeitet. Grund ist die vom Land Hessen eingeführte Beitragsfreiheit für über Dreijährige. Der erste Entwurf wurde den Elternbeiräten Ende Mai vorgelegt und diskutiert. Am Dienstag befasste sich der Gemeindevorstand mit dem Entwurf. Er beschloss ihn in der vorgelegten Fassung, die nun an die Gemeindevertretung weitergeleitet wird. In der kommenden Sitzung der Gemeindevertreter am Mittwoch, 20. Juni, soll die Satzung dann beraten und von den Parlamentariern beschlossen werden.

Die neue Satzung regelt die Gebühren für drei Zielgruppen: die Krippenkinder unter drei Jahren, die Kinder ab dem zweiten Lebensjahr, die in altersübergreifenden Gruppen in einer Kindertagesstätte betreut werden, und die Kinder ab dem dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt. „Der Betreuungsaufwand in einer Krippengruppe ist am größten, die Kinder zählen im Betreuungsschlüssel zweifach“, erklärt Michael Thöne von der Gemeinde. Deshalb sei hier die Gebühr auch am höchsten. 

Die unter dreijährigen Kinder in den altersübergreifenden Gruppen in der Kita zählen 1,5-fach. „Für die Krippenkinder ändert sich in der neuen Satzung nichts“, sagt Thöne. Aber für die unter dreijährigen in der Kita würde es teurer, „für manche Eltern überproportional“, gibt er zu. Im Vergleich zur alten Satzung sei dort bei der Ganztagsbetreuung teilweise eine Steigerung von 15 Prozent zu sehen. Bei den über Dreijährigen sind nun ab August sechs Stunden kostenfrei, bei einer Ganztagsbetreuung werden Eltern also nur noch zweieinhalb Stunden zahlen müssen.

Die Mittagsverpflegung will die Gemeinde künftig verpflichtend für alle Kinder einführen, die auch nach 12 Uhr betreut werden. „Es gehört zum pädagogischen Konzept, das die Kinder gemeinsam essen“, erklärt Thöne.

Die Gemeinde hat errechnet, dass Eltern, die ihr Kind vom ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt in die Betreuung schicken, in dem neuen Satzungsmodell im Durchschnitt eine monatliche Gebühr von 140 Euro zahlen würden. Ob es so kommt, entscheidet das Parlament. 

So soll künftig betreut werden 

Der Entwurf der Verwaltung zur neuen Kita-Gebührensatzung sieht fünf statt bisher sechs Betreuungszeiten vor. Das Modul von 8 bis 14 Uhr soll wegfallen. Zudem soll der Frühdienst nur noch stündlich statt bisher halbstündig buchbar sein. Der Entwurf sieht – hier am Beispiel von der kürzesten und der längsten Betreuungszeit – folgendes Tarifmodell vor: Für Krippenkinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ändert sich nichts. Für die Halbtagsbetreuung ohne Mittagessen (8 bis 12 Uhr) zahlen Eltern weiterhin 199 Euro. Für die längste Betreuungszeit (Ganztagsbetreuung von 8 bis 16.30 Uhr) fallen weiterhin 316 Euro an. 

Die größte Steigerung bei den Gebühren sieht der Entwurf für die U3-Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr in altersgemischten Kindergarten-Gruppen vor. Dort müssten Eltern dann statt bisher 151 Euro für die Halbtagsbetreuung ohne Mittagessen ab 1. August 156 Euro zahlen, was einer Steigerung von 3,31 Prozent entspricht. Am größten ist die Steigerung bei der Ganztagsbetreuung. 

Dort zahlen Eltern bisher 237 Euro. Ab dem 1. August würden 38 Euro aufgeschlagen, was einer Steigerung von 16,03 Prozent entsprechen würde. Die Gewinner der neuen Satzung sind die Ü3-Kinder in altersgemischten Kindergarten-Gruppen. Da für sie ab dem 1. August die ersten sechs Stunden Betreuung umsonst sind, sinken hier die Gebühren drastisch. 

Bei der Halbtagsbetreuung ohne Mittagessen um 100 Prozent, es fallen also keine Gebühren an. Bei der Ganztagsbetreuung von 8 bis 16.30 Uhr sinken die Gebühren um 63,38 Prozent von jetzt 213 auf 78 Euro. Für alle Kinder, die länger als 12 Uhr im Kindergarten betreut werden, käme in der neuen Satzung noch die Gebühr von 72 Euro für das Mittagessen hinzu. 

Der Satzungsentwurf sieht zudem eine dreistufige, jährliche Steigerung der Gebühren bis August 2021 um jeweils fünf Prozent vor. Voraussetzung hierfür ist jedoch zuerst, dass der Gemeindevorstand sowie die Gemeindevertretung dem Entwurf zustimmen.

Hintergrund

In Fuldatal gibt es derzeit fünf gemeindliche Kindertagesstätten für Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr bis zum Schuleintritt mit insgesamt 19 Gruppen. Außerdem gibt es mit der Märchenkrippe in Ihringshausen einen privaten Träger mit einer Krippengruppe für Kinder vom vollendeten ersten bis vollendeten dritten Lebensjahr. Insgesamt werden derzeit 406 Kinder in Fuldatal betreut. 

„Die vorhandenen Kapazitäten sind aufgrund der „Zählweise“ des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches nahezu ausgelastet“, sagt Michael Thöne, Fachbereichsleiter für Allgemeine Verwaltung und Familie im Fuldataler Rathaus. Die Gemeinde rechnet damit, dass bis zu 483 U3- und Ü3-Zählplätze ab August erforderlich werden könnten, wenn das neue Gesetz kommt. Derzeit vorhanden sind 450 Kita-Plätze. 

„Aber wir können aufgrund der Zählweise nicht 450 Kinder aufnehmen, das ist die Krux“, sagt Thöne. Um dem Platzmangel entgegenzuwirken, plant die Gemeinde ab November in Rothwesten eine neue Krippengruppe. Außerdem soll es nach den Sommerferien 2019 in Ihringshausen eine neue Kita mit drei Krippen- und drei Kita-Gruppen geben.

Das sagt der Elternbeirat

Die Elternbeiräte alle Fuldataler Kindertagesstätten haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme zu den geplanten Änderungen geäußert. „Wir haben versucht, in den allermeisten Punkten Kompromissmöglichkeiten zu finden“, sagt Christian Sinning, Sprecher der Elternbeiräte. Ausdrücklich begrüßen die Eltern, dass in der neuen Satzung eine Ermäßigung von 50 Prozent für den ersten Betreuungsmonat für die Eingewöhnung der Kinder vorgesehen ist. Auch seien sie damit einverstanden, dass die Gemeindeverwaltung in Zukunft für die Notbetreuung der Kinder (zum Beispiel bei Streiks) fünf Prozent auf die Gebühren aufschlagen will. 

Doch es gibt auch viele Punkte im Satzungsentwurf, die die Eltern kritisieren. So empfinden sie die geplante Erhöhung der Gebühren bei den U3-Kindern von über 14 Prozent (ab einem Fünf-Stunden-Platz) als „unangemessen und nicht tragbar“. Die Elternbeiräte schlagen stattdessen eine Erhöhung um vier Prozent zum 1. August 2018 vor. Bei der letzten Satzungsänderung 2016 hätten die Elternbeiräte mitverabschiedet, die Kosten jährlich um vier Prozent zu steigern. „Diese jährliche Steigerung um vier Prozent finden wir auch weiterhin akzeptable“, sagt Sinning, nicht jedoch 15 Prozent und mehr in einem Jahr. 

Auch bei der Abschaffung einer Abholzeit (8 bis 14 Uhr) und der Neuregelung der Mittagsverpflegung gibt es Gegenwind von den Elternbeiräten. Die grundsätzliche Verpflichtung zur Mittagsverpflegung wurde auch innerhalb der Elternbeiräte kontrovers diskutiert, wie Sinning sagt. Bisher können die Eltern entscheiden, ob sie ihren Kindern ein Brot für die Mittagszeit mitgeben, oder es im Kindergarten warm isst. Das soll sich nun ändern. 

Da die Eltern untereinander sehr unterschiedliche Positionen zu dem Thema vertreten, wurde nun von den Elternbeiräten als Kompromiss vorgeschlagen, die Verpflichtung erst zum 1. Januar 2020 einzuführen. „Wir sind auf jeden Fall gesprächsbereit “, erklärt Sinning.

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