„Die Planung wirkt unausgegoren“

Kritik an Barrierefreiheit in der Veckerhagener Straße

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Wer Treppenstufen locker nimmt, weiß mitunter nicht, wie unüberwindbar sie für behinderte Menschen sind. In einer Serie testen wir, wie gut man im Landkreis mit einem Handicap vorankommt.

Fuldatal – Mehr als zehn Jahre Planung, zweieinhalb Jahre Bauzeit bei laufendem Betrieb und rund vier Millionen Euro Kosten: Die Veckerhagener Straße in Fuldatal ist ein Mammutprojekt, bei dem so manches Gemüt hochkochte – nicht zuletzt wegen des Themas Straßenbeiträge. Jetzt, wo nur noch kleine Restarbeiten anstehen, sagt die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Doris Brandstetter: „Die Planung wirkt hier unausgegoren.“

Zum Beispiel das Blindenleitsystem: „Die Steine mit den Streifen geben die Richtung an und die gepunkteten sagen, dass der Weg hier aufhört“, erklärt Brandstetter vorab. Allerdings sei das nicht konsequent durchgezogen. „Dass die Markierungen nicht die gesamte Straße entlanggehen, ist normal.“

Allerdings führten sie stellenweise direkt auf Hindernisse zu, wie am Platz Ecke Moltkestraße. „Da läuft ein Blinder direkt auf eine Mauerkante zu“, kritisiert die Behindertenbeauftragte. Das sei gefährlich, man könne sich stoßen oder sogar stürzen. Oder an der Ecke Schulstraße: Nutze ein Mensch mit Sehbehinderung von der Sparkassenfiliale aus die Fußgängerampel und laufe über die Straße, werde er in einen Parkplatz hineingeleitet. „Da haut er einem parkenden Auto eine Beule rein oder tut sich womöglich weh“, sagt Brandstetter.

Sie kritisiert aber auch, dass Schilder oder Laternen manchmal mitten auf dem Weg platziert sind, oder dass die neu gestaltete Treppe an der Bushaltestelle Kirche keinen Handlauf hat. „Ab drei Stufen müsste da einer hin, die Treppe hat aber fünf Stufen.“ Sie frage sich, warum man all das so geplant hat.

Ein Ansprechpartner für diese Frage ist Martin Knopp, Fachbereichsleiter Tiefbau bei der Gemeinde Fuldatal. „Wir haben uns schon vorher Gedanken gemacht, und soweit es ging nach Normen und Vorschriften geplant“, sagt Knopp beim Ortstermin. Schließlich hingen daran Fördergelder. Auf die Mauer an der Ecke Moltkestraße angesprochen, sagt der Fachbereichsleiter, die sei für Sehbehinderte kein Problem.

So soll’s nicht sein: An der Ecke Schulstraße parkt ein Auto auf Blindenleitsystem.

Zur Ecke Schulstraße, wo das Blindenleitsystem in den Parkplatz mündet, erwidert er: „Wir konnten hier das Leitsystem nicht anders setzen, weil es an Privatgelände grenzt.“ Die Autos, die dort so parkten, dass sie direkt auf den entsprechenden Platten stünden, stünden nicht legal. „Sieht die Polizei das, gibt es Ärger.“

Wenn es um Schilder und Laternen geht, verweist Knopp auf die besonderen Umstände bei der Sanierung der Veckerhagener Straße: „Wir haben unter die Fahrbahn selbst keine Leitungen gelegt, sondern unterhalb der Gehwege, weil es so günstiger für uns und die Anlieger ist“, erklärt der Bau-Fachmann. So lägen nun mehrere Leitungen unterhalb der Gehwege. „Laternen und Schilder können wir nur dort platzieren, wo keine Leitungen liegen.“ Und auch zum Handlauf an der Treppe sagt er etwas: „Der ist geplant und kommt noch.“

Die Fuldataler SPD-Fraktion hatte die Unwägbarkeiten auf der Veckerhagener Straße kürzlich thematisiert. „Nachdem die Straße bei der Straßenkirmes eröffnet wurde, sind uns die Mängel aufgefallen“, sagt Fraktionsvorsitzende Heidrun Gottschalk. Die Parlamentarier hatten in einer Sitzung Kritik daran geäußert.

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