Ohne technische Hilfe geht es nicht

Nach Anlaufschwierigkeiten läuft der Unterricht über das Schulportal Lanis

Schule nur über den Computer: Maik Weigert (vorn) geht in die 7. Klasse der Gesamtschule Fuldatal. Er lernt von zu Hause über das Schulportal Lanis. Sein Vater Andreas Weigert hilft beim Hochladen der Daten.
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Schule nur über den Computer: Maik Weigert (vorn) geht in die 7. Klasse der Gesamtschule Fuldatal. Er lernt von zu Hause über das Schulportal Lanis. Sein Vater Andreas Weigert hilft beim Hochladen der Daten.

An der Gesamtschule Ihringshausen läuft der Distanzunterricht recht störungsfrei. Fast alle der 640 Schüler können auf das Schulportal Lanis zugreifen. Dort, wo es Probleme gibt, helfen Lehrer per Mail, Telefon oder bringen die Aufgaben auch mal per Post.

Fuldatal – Am ersten Tag nach den Weihnachtsferien ging schon um kurz nach neun Uhr am Morgen gar nichts mehr. Wie Schüler überall in Hessen saß auch Maik Weigert vor dem Laptop der Familie in seinem Zimmer in Ihringshausen und versuchte immer wieder, sich in das Schulportal Lanis einzuwählen. Ohne Erfolg. Doch nach dem ersten Zusammenbruch läuft das System seither, abgesehen von kleinen Aussetzern, recht störungsfrei.

„Ich habe gute Rückmeldungen und das System ist stabiler, als ich befürchtet hatte“, sagt Liane Stephan, Schulleiterin der Gesamtschule Fuldatal. Nur Montagmorgen sei vielleicht nicht die ideale Zeit, Aufgaben zu bearbeiten, weil da der Zugriff von allen Schülern so groß sei. „In Stoßzeiten ist es manchmal etwas schwierig.“

Ebenso wie die große Mehrheit seiner Mitschüler an der Gesamtschule Fuldatal lernt auch Maik Weigert seit mittlerweile fast zwei Wochen im Distanzunterricht. „Ich mache die Aufgaben ganz allein, und an manchen Tagen machen einzelne Lehrer auch Videokonferenzen“, sagt der 14-Jährige, der in die 7. Klasse geht. Über das Schulportal stellen die Lehrer ihren Schülern Aufgaben und lassen sich über das System auch die Antworten schicken.

Ganz ohne technische Hilfe seiner Eltern schafft Maik das nicht. So müssen Arbeitsblätter ausgedruckt, die Blätter mit den Antworten fotografiert und ins System geladen werden, erklärt Maiks Vater Andreas Weigert. Allerdings hätten sie im ersten Lockdown sehr viel mehr unterstützen müssen, vor allem technisch. „Jetzt kommt Maik schon gut alleine zurecht“, sagt der 48-Jährige.

Das Schulportal Lanis – das vom Land Hessen bereitgestellt wird – nutzt die Gesamtschule Fuldatal schon seit ein paar Jahren, sagt Schulleiterin Liane Stephan. Doch bis zum ersten Lockdown sei das Portal vor allem von den Lehrern als Organisations-Instrument genutzt worden. Seit Beginn des Schuljahres hätten sie jedoch die Zeit intensiv dazu genutzt, den Schülern die Handhabung des Portals näherzubringen, was ihnen nun zugutekommt.

Jetzt lernen fast alle der 640 Schüler darüber im Distanzunterricht. Derzeit werden nur sechs Schüler der fünften und sechsten Klassen in der Schule betreut sowie die 70 Schüler der Abschlussklassen der Jahrgangsstufe zehn. Die Kommunikation mit den Schülern zu Hause funktioniere gut, sagt Stephan. Wenn Schüler mit dem Portal nicht zurechtkämen, könnten sie ihre Lehrer auch per E-Mail oder telefonisch in den Sprechstunden erreichen. „Die Betreuung passiert auf unterschiedlichen Ebenen“, sagt Stephan. So würden Lehrer mitunter Arbeitsmaterial auch bei Schülern vorbeibringen, bei denen zu Hause die technische Ausstattung nicht vorhanden sei.

Auch Maiks Klassenlehrerin hat schon bei ihm angerufen, und er findet, dass das alles schon ziemlich gut läuft. Nur bei seinem Freund wäre es etwas schwierig. „Der hat keinen Laptop und muss alles über das Handy machen, das ist nicht so schön.“

Doch auch diesen Schülern wird die Schule in den kommenden Tagen helfen können. Die Gesamtschule hat gerade vom Landkreis Kassel sieben Laptops als Leihgeräte bekommen, um Schüler zu unterstützen, denen zu Hause die technische Ausstattung fehlt. In der nächsten Woche soll die Schule dann noch 105 iPads bekommen, die sie an bedürftige Schüler ausgeben kann. (Amira El Ahl)

Zwei Dinge sind notwendig, wenn der Distanzunterricht funktionieren soll. Zum einen müssen die Upload-Kapazitäten der Schulen groß genug sein, um die Schüler mit Material über die Portale zu versorgen. Zum anderen müssen die Download-Kapazitäten bei den Schülern ausreichen. Doch im Landkreis Kassel gibt es immer noch Orte, wo es mit der schnellen Internetverbindung hapert. Um dort, wo es derzeit noch Probleme gibt, schnell zu helfen, hat der Landkreis als Schulträger sogenannte Cubes angeschafft. „Wir haben 100 Giga-Cubes angeschafft, um die Internetkapazitäten, da wo es notwendig ist, zu erhöhen“, sagt Vizelandrat Andreas Siebert. GibaCubes sind W-Lan-Router mit einer SIM-Karte. Sie bieten schnelles Internet übers Mobilfunknetz. Dafür werden nur eine Mobilfunknetz-Verbindung und ein Stromanschluss für den Router benötigt. „Damit steht ein Datenvolumen von 50 Gigabyte im Monat und eine Bandbreite von maximal 500 MBit pro Sekunde über das vorhandene LTE-Mobilfunknetz zur Verfügung“, erklärt Siebert. Falls die 50 Gigabyte ausgeschöpft sein sollten, kann mehr Datenvolumen nachgeordert werden. Der Landkreis reagiert damit darauf, dass für einen funktionierenden Distanzunterricht eine breitbandige Internetverbindung notwendig ist. Pro Schule stellt der Landkreis bis zu sechs solcher Cubes zur Verfügung. 

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