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Nikolaus aus Fuldatal sucht einen Nachfolger

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Von: Amira Sayed El Ahl

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Arnold Hupe ist seit fast 40 Jahren mit Leidenschaft Weihnachtsmann und Nikolaus. Jetzt sucht er einen Nachfolger, den er anlernen will, um die Tradition fortzuführen, hier hat er nur einen Pappaufsteller an der Hand.
Arnold Hupe ist seit fast 40 Jahren mit Leidenschaft Weihnachtsmann und Nikolaus. Jetzt sucht er einen Nachfolger, den er anlernen will, um die Tradition fortzuführen, hier hat er nur einen Pappaufsteller an der Hand. © Amira El Ahl

Arnold Hupes Kalender ist im Dezember schon pickepackevoll. Seine Familie wird ihn da wenig sehen, ist das aber schon längst gewohnt. Wenn für andere die gemütliche Zeit beginnt, dann ist bei Hupe Hauptsaison, denn seit 36 Jahren tritt der 66-Jährige als Nikolaus und Weihnachtsmann auf.

Fuldatal – Für den Kasselaner, der seit 13 Jahren mit seiner Familie in Fuldatal lebt, beginnt am 6. Dezember die schönste Zeit des Jahres, und wenn er davon erzählt, dann blitzen seine Augen unter der gold-gerandeten Lesebrille hervor. Wenn Hupe in eines seiner vier Kostüme schlüpft, die alle handgenäht wurden, dann braucht es nicht viel mehr Requisite, um aus dem Beamten einen echten Weihnachtsmann zu machen.

In Kassel sei er der einzige echte Bartträger unter den Weihnachtsmännern, betont Hupe, und mittlerweile muss der auch nicht mehr weiß gefärbt werden. „Wenn ich den Mantel anhabe, dann bin ich ganz Weihnachtsmann, dann glaube ich es manchmal selbst“, sagt Hupe und lacht sein herzliches Lachen. Überhaupt sei Spaß an der Sache eine Grundvoraussetzung für den Job, ebenso wie die Kinder ernst zu nehmen. „Weil man wird von ihnen auch ernst genommen.“

Viele Familien hat er über Jahre begleitet, vor allem im Einkaufszentrum Dez, wo er seit 35 Jahren in der Weihnachtszeit jeden Tag zwischen 17 und 18 Uhr sitzt, an Kinder Süßigkeiten verteilt und sich ihre Wünsche, manchmal aber auch Sorgen anhört. Da war zum Beispiel mal der kleine Junge, der einen schweren Herzfehler hatte und operiert werden musste. Darum machte er sich aber gar keine Sorgen. „Sein Problem waren seine Eltern, die sich so Sorgen um ihr Kind machten, da sollte ich helfen“, erinnert sich Hupe.

In solchen Momenten mache er das Mikrofon aus und unterhalte sich so lange mit dem Kind, bis es ihm besser gehe. Im nächsten Jahr kam der Junge wieder zu ihm. Er rannte auf ihn zu und rief schon von Weitem, dass alles gut gegangen war. „Da kommen einem dann schon die Tränen“, sagt Hupe. Ein bisschen muss der Weihnachtsmann auch Psychologe sein.

Zum Weihnachtsmann geworden, ist Hupe durch seine zwei Töchter. Im Kindergarten wurde ein Nikolaus gebraucht, und da Hupe schon als junger Mann gemeinsam mit seinem Bruder bei Veranstaltungen auftrat, der eine als Zauberer, der andere mit Kasperletheater, meldete sich Hupe. Und blieb dabei.

Als sein Bruder mit Mitte 30 starb, übernahm er von ihm einige die Zauberutensilien und trat fortan alleine mit einer Kindershow auf, mit dem Kasperletheater, einer Einlage als Bauchredner und Zauberer. Mit der Show war er jahrelang in Deutschland und Südtirol unterwegs.

Aber auch als Nikolaus und Weihnachtsmann ist er viel rumgekommen, wurde in ganz Deutschland gebucht und trat sogar drei Mal bei der Fernsehshow Big Brother auf. Er hatte angefragt, ob der Weihnachtsmann dort wohl durch den Schornstein passen würde, und dann wurde er tatsächlich eingeladen und mit einem Container, der wie eine Kutsche aussah, an einem Kran im Garten des Hauses abgelassen.

Dass alles ging, weil „ich eine tolle Chefin hatte, die das alles erlaubt hat“, sagt Hupe. Bei der Stadt Kassel war er jahrzehntelang für die Obdachlosen zuständig. Gerade ist er aus der Rente zurückgeholt worden, um die Kollegen bei der Unterbringung der Flüchtlinge zu unterstützen.

Als Nikolaus und Weihnachtsmann will er noch so lange wie möglich auftreten. „Im Rollstuhl lasse ich mich noch schieben.“ Trotzdem sucht er bereits nach einem Nachfolger. Dem möchte er seine Tipps und Tricks weitergeben. Dafür hat er einen Kurs vorbereitet, den Interessierte besuchen können. „Es ist eine schöne Tradition, und die soll auch ordentlich fortgeführt werden“, sagt Hupe.

Wer Interesse hat, kann sich bei Arnold Hupe melden: AHupe@gmx.de

(Amira El Ahl)

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