Pelzfabrik-Petzold: Einsturzgefärdetes Haus in Fuldatal wird abgerissen

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Neigt sich gefährlich nach außen: Ein Nebengebäude der ehemaligen Pelzfabrik Petzold wurde jetzt von der Bauaufsicht des Landkreises gesichert und muss abgerissen werden. Ein Statiker soll prüfen, wie es um die anderen Gebäude auf dem Areal steht.

Fuldatal – Ein Nebengäude auf dem gelände der ehmaligen Pelzfabrik Petzold in Ihringshausen ist einsturzgefährdet. Es muss nun abgerissen werden.

Die Altlasten auf dem Gelände der ehemaligen Pelzveredelung Petzold in Ihringshausen beschäftigen die Behörden bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert – und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Nun droht ein Nebengebäude einzustürzen. Eine Gefahr für Fußgänger und Verkehrsteilnehmer. Die Bauaufsicht des Landkreises Kassel hat das Haus vor einigen Tagen umzäunt und wird es demnächst abreißen.

„Fußgänger hatten beobachtet, dass sich die Wand zur Straße hin gefährlich nach außen neigt“, berichtet Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU). Weil es sich bei dem Petzold-Areal um ein herrenloses Gelände handele, sei die Bauaufsicht des Landkreises als zuständige Behörde informiert worden. „Wir müssen das Gebäude schnellstmöglich abreißen, um die Verkehrssicherungspflicht zu wahren“, bestätigt Kreissprecher Andreas Bernhard auf HNA-Anfrage. Die Kosten müsse der Landkreis in Form einer Ersatzvornahme übernehmen, weil die ehemaligen Eigentümer nicht greifbar seien.

Ein Statiker habe sich mittlerweile ein Bild von der Lage vor Ort gemacht. Auch das Hauptgebäude, das schon seit einigen Jahren einsturzgefährdet ist, müsse nun erneut überprüft werden. In den kommenden Tagen werde der dreistöckige Backsteinbau mithilfe eines Hubwagens aus der Luft bewertet. „Derzeit besteht dort aber keine Gefahr für Menschen“, sagt Bernhard. Lose Teile wie die Dachrinne und herunterfallende Ziegel würden abgenommen werden.

Altlasten: Das rund 8000 Quadratmeter großen Areal wird seit den 1990er-Jahren von der Firma Hessische Industriemüll GmbH dekontaminiert. Das ebenfalls belastete Gebäude (rechts) ist einsturzgefährdet und wurde unter Denkmalschutz gestellt.

Das etwa 8000 Quadratmeter große Areal ist seit einigen Jahren mit einem Bauzaun abgesichert. Seit 2017 gilt ein generelles Betretungsverbot. Das hatte der Landkreis ausgesprochen, weil immer wieder Unbefugte das Gelände und teilweise auch das Fabrikgebäude betreten hatten.

Bislang war es der Gemeinde Fuldatal nicht möglich, eine neue Verwendung für das denkmalgeschützte Gebäude zu finden – auch weil hohe Schulden auf dem Gelände lasten. Die Eigentümer waren ins Ausland gegangen, ohne die Schulden zu begleichen. Zwar hat die Firma Hessische Industriemüll GmbH den Boden in den vergangenen Jahren dekontaminiert, wie hoch die Belastungen im Mörtel des Hauptgebäudes sind, ist aber immer noch unbekannt. 

Schmutzige Produktion: Von 1946 bis 1986 wurden auf dem Fabrikgelände in Ihringshausen Pelze veredelt. Die dabei verwendeten Chemikalien befinden sich bis heute im Boden und in den Gebäudemauern.

Trotzdem hatten die Gemeindevertreter im August 2017 eine Änderung des Bebauungsplans beschlossen. Gegenüber des schadstoffbelasteten Industriedenkmals wurden bereits die Gebäude eines ehemaligen metallverarbeitenden Betriebes abgerissen. Dort sollen Wohnhäuser entstehen. Bislang hat sich auf dem Gelände aber nichts getan.

Im Dezember hatte die Gemeinde zudem Bürger dazu aufgerufen, sich an der künftigen Gestaltung Ihringshausens zu beteiligen. Gemeinsam mit dem Regionalplanungsbüro „Arbeitsgruppe Stadt“ wurden Konzepte erarbeitet. Dabei ging es auch um die Zukunft des Petzold-Areals. Bürgermeister Schreiber hofft, dass sich durch das Programm „Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte in der Städtebauförderung“ neue Möglichkeiten für die Brache ergeben.

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