Firma fährt Straßen in Fuldatal mit Kameras für Gemeinde-Kataster ab

Sie messen jeden Zentimeter Asphalt

Das Bild zeigt das Technikfahrzeug der Firma eagle eye mit einem orangenen Kamera-Trägersystem auf dem Dach. Seitlich am Auto steht Vertriebsleiter Kim Gebauer.
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Zeichnen alle Straßen genau auf: Das Fahrzeug der Firma eagle eye fährt seit Tagen durch die Straßen von Fuldatal. Vertriebsleiter Kim Gebauer stellt klar, dass die Daten nur für die Gemeinde bestimmt sind und anonymisiert werden.

Auch wenn manche an den Online-Kartendienst von Google denken werden, damit hat der Transporter mit den 12 Kameras, der derzeit in Fuldatal unterwegs ist, nichts zu tun. Das stellt Kim Gebauer von der Firma eagle eye gleich klar. Trotzdem entgeht dem Sprinter mit den Adleraugen kein Detail im Straßennetz.

Fuldatal - „Wir erstellen einen digitalen Zwilling der Infrastruktur“, erklärt Gebauer. Dafür vermisst die Firma aus Berlin gerade jede kommunale Verkehrsfläche der Gemeinde: Straßen, Gehwege, Parkbuchten, Grünflächen, Feldwege. Die Daten fließen in ein Kataster, das der Gemeinde einen digitalen Überblick verschafft und aufzeigt, wo wann saniert werden muss.

Um die 200 Kilometer werden die beiden Mitarbeiter der Firma in den nächsten Tagen in Fuldatal abfahren – rund 250 Straßen. Ein Teil in Knickhagen ist schon erledigt. Nun ist Wilhelmshausen dran. Die Route hat Systemingenieur Marcus Liefeld, der hinten im Sprinter sitzt, auf einem Plan aufgezeichnet. Rot steht für die abgefahrenen Routen, die gelb markierten sind noch dran. Pfeile zeigen die Richtung an, denn die Straßen werden in beide Richtungen abgefahren, erklärt Marcus Liefeld. So entgeht den Kameras nichts. Auf dem Bildschirm vor ihm ist die Karte in digitaler Form zu sehen, darüber rattern die Bilder der zwölf Kameras durch. Gerade geht es auf die Veckerhagener Straße zu. Selbst die Blumeninsel ist aus vier Perspektiven zu sehen.

Der Großteil der Arbeit beginnt allerdings erst, wenn die Daten vom Innendienst in Berlin ausgewertet werden. Zentimetergenau wird dann jede Straße, ob aus Pflaster, Schotter oder Asphalt, aufgeschlüsselt und mit einer Note bewertet. „Das wird mehrere Monate dauern“, erklärt Kim Gebauer. Am Ende steht eine Liste, die Auskunft darüber gibt, was als erstes saniert werden sollte. Denn die schlechteste Straße sei nicht immer die, für die sich eine Sanierung lohne.

Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU) erhofft sich viel durch den 94 000 Euro teuren Auftrag. Denn bisher gibt es im Tiefbauamt nur eine händische Tabelle. „Es musste immer jemand raus fahren und sich die Straße anschauen.“ Das spare auch Kosten. Mit dem digitalen Kataster könnten Mitarbeiter im besten Fall jedes Verkehrsschild auf dem Monitor sehen.

Inbegriffen sind auch die Straßen der Landwirte, Feld- und Radwege. Auch über die gemeindeeigenen Wegsäume erhofft sich der Bürgermeister so Auskunft. Denn die würden oft von den Landwirten mitbeackert.

Wer mal zufällig von den Kameras des Transporters aufgenommen wird, hat übrigens nichts zu befürchten. Alle Daten, ob Häuser, Gesichter oder Nummernschilder, werden anonymisiert und stehen nur der Gemeinde zur Verfügung. „Wir garantieren zu 100 Prozent Datenschutz“, sagt Kim Gebauer.

Von Valerie Schaub

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