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Sorge um die Lebensqualität: Anwohner im Gewerbegebiet von Kurve Kassel betroffen

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Von: Valerie Schaub

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Nicolai, Stefan und Sonja Göttig sowie Sandra und Andreas Huhn im Garten der Familie Göttig.
Machen sich Sorgen um ihr Zuhause: (von links) Nicolai, Stefan und Sonja Göttig sowie Sandra und Andreas Huhn wohnen an der jetzigen Bahnstrecke (hinter dem Wall rechts) im Gewerbegebiet. Wenn die Kurve Kassel kommt, ginge der Zug durch ihren Garten, möglicherweise dort, wo sie jetzt stehen. © Valerie Schaub

Um mehr Güter auf die Schienen zu bringen, soll die geplante Zugstrecke Kurve Kassel gebaut werden. Betroffene Anwohner im Gewerbegebiet machen sich Sorgen.

Vellmar/Fuldatal – Wenn am Garten der Familie Göttig ein Zug vorbeifährt, ist es manchmal so laut, dass sie auf dem Balkon das Gespräch unterbrechen müssen. Ihr Haus liegt zwischen Bahngleisen und Landesstraße, mitten im Gewerbegebiet an der Grenze zwischen Vellmar und Fuldatal. Seit Jahrzehnten ist das so, damit haben sie sich arrangiert. Was ihnen Sorgen bereitet, ist die geplante Zugstrecke für Güterverkehr – die Kurve Kassel. Denn die würde nicht nur an ihren Garten grenzen, sie würde direkt hindurch laufen.

Sonja und Stefan Göttig haben ihr Haus vor 25 Jahren quasi neben ihren Firmensitz gebaut. Sie betreiben den Zeltverleih Zelte Göttig. Genau wie ihre Nachbarn, Andreas und Sandra Huhn, hatten sie damals die Genehmigung bekommen, neben ihre Firmen im Gewerbegebiet auch Wohnhäuser zu bauen. Bedingung sei gewesen, sich mit den Begleiterscheinungen zu arrangieren. Und das haben sie. „Das ist keine Frage, wir wussten das“, sagt Sonja Göttig. „Nach Feierabend ist es im Gewerbegebiet ruhig“, findet ihr Ehemann.

Anwohner besorgt wegen neuer Bahnstrecke Kurve Kassel: Zug würde durch den Garten fahren

Das würde sich ändern, wenn die ausgewählte Streckenvariante der Kurve Kassel fertig ist, befürchten sie. Die Schienen könnten dann nur noch fünf Meter von ihrem Balkon entfernt sein, erklärt Sohn Nicolai Göttig.

Momentan trennt ein Erdwall ihren Garten von der bestehenden ICE- und Güterzugstrecke. Die Kurve Kassel solle allerdings viel näher an ihrem Haus verlaufen. Das koste die Familie einiges an Lebensqualität.

Ihre Nachbarn sehen das ähnlich. Den Huhns gehört die Firma für Zerspanungstechnik, Huhn Components, ein paar Hundert Meter entfernt von Göttigs. Außerdem befürchtet Andreas Huhn auch Auswirkungen auf sein Geschäft. Seine Maschinen arbeiteten auf ein hundertstel Millimeter genau. „Wenn der Boden vibriert, kann ich die Toleranz nicht mehr einhalten.“ Seine Arbeit könnte dann ungenau werden.

So sieht die geplante Streckenführung der Kurve Kassel auf einem Video der DB aus. Rot umrandet sind die Wohnhäuser der Familien Göttig und Huhn.
So sieht die geplante Streckenführung der Kurve Kassel auf einem Video der DB aus. Rot umrandet sind die Wohnhäuser der Familien Göttig und Huhn. © Screenshot/Montage: HNA

Neue Bahnstrecke Kurve Kassel: Anwohner im Gewerbegebiet sorgen sich um ihre Lebensqualität

Beide Familien stört, dass man bei der Planung nur das Gewerbegebiet sehe, nicht aber ihren Lebensraum. Sie fragen sich, ob ihre Häuser von Erschütterungen betroffen sind und wie lange sie das aushalten. Göttigs vermieten auch Wohnungen in einem Haus nebenan. Sie befürchten durch den Lärm in der Zukunft auch eine Wertminderung ihrer Häuser.

Bei der letzten Infoveranstaltung der Bahn hatten sie deshalb diese Frage eingereicht. Unter vielen sei sie aber nicht ausgewählt worden. Jetzt wollen sie ihre Bedenken an die Behörden einreichen. Im Rahmen des laufenden Raumordnungsverfahrens könnten sie das bis zum 4. April tun.

Unterstützt fühlt sich Sonja Göttig auch von den Bürgerinitiativen und dem SPD-Landtagsabgeordneten Oliver Ulloth. Trotzdem wünschen sich die Familien, dass die Bahn die Streckenführung über Altenbeken-Northeim-Nordhausen prüft.

Wegen neuer Bahnstrecke Kurve Kassel sind Anwohner besorgt: „Offen für Gespräche“

Wie bereits berichtet, hatte die DB tatsächlich auf Wunsch des Runden Tischs drei Ausbauszenarien über diese Strecke untersuchen und berechnen lassen. Das Ergebnis: Finanzierungs- und planrechtlich sei die Strecke nicht genehmigungsfähig, hieß es im vergangenen Jahr.

Auf Nachfrage teilt DB-Projektleiter Dirk Schütz mit, dass man mit den Anwohnern im Gespräch sei, zuletzt auch bei einer Versammlung im Februar. „Die DB ist jederzeit offen für Gespräche“, sagt er. Das schließe auch Treffen vor Ort mit Betroffenen ein.

Man werde natürlich auch am Wohnort der Familien die Grenzwerte für Lärm- und Erschütterungsschutz einhalten. Allerdings unterliegen Gewerbegebiete einem anderen Schutzstatus. (Valerie Schaub)

Bei Vellmar wurden bereits Probebohrungen gemacht, um den Boden für die Kurve Kassel zu untersuchen.

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