Fristet in Europa noch ein Nischendasein

Topinambur erobert den Markt: Eine Fuldatalerin baut das trendige Wurzelgemüse an

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Petra Schminke baut in ihrem Betrieb nur besondere und eher außergewöhnliche Gemüsesorten an. Unter anderem wachsen bei ihr auf 285 Quadratmetern Topinambur-Pflanzen.

Sie sieht wunderschön aus, ist unempfindlich, sehr gesund und lässt sich leicht anbauen. Topinambur ist eigentlich die perfekte Pflanze.

Trotzdem fristet sie in Europa eher ein Nischendasein und wurde erst in den vergangenen Jahren von Kennern und Feinschmeckern wiederentdeckt.

Dabei bietet sie auch Bienen eine hervorragende Nahrungsquelle, wird hingegen selten von Schädlingen befallen. „Außer von Wühlmäusen, die lieben den süßen Geschmack der Knolle“, sagt Frank Rohde, Inhaber von Samen Rohde am Königsplatz in Kassel. Wühlmäuse wissen eben auch, was gut ist.

Petra Schminke baut seit 1980 Topinambur an

Im vergangenen Jahr hat Rohde über 300 Kilo der südamerikanischen Pflanzenknollen verkauft. Jede einzelne davon hat Petra Schminke mit der Hand aus der Erde ihres Betriebs in Ihringshausen gezogen. Schon seit 1980 baut die 60-Jährige Topinambur in ihrem Betrieb an, seit etwa drei Jahren verkauft sie den Großteil der Ernte an Rohde. „Sie hat eine super-schöne Qualität, die Knollen werden frisch geerntet und haben ganz kurze Transportwege“, sagt Frank Rohde. „Besser und frischer geht es nicht.“

Erntezeit ist von Ende Oktober bis Anfang April

Derzeit blühen die Topinambur-Pflanzen.

Von Ende Oktober bis Anfang April erntet Schminke die Knollen. „Ich hole sie nach Bedarf aus der Erde“, sagt die Gemüseanbauerin. Sobald sich das Kraut der Staude braun färbt, beginnt die Erntezeit, und sobald die Pflanze im Frühjahr wieder ausschlägt, ist die Erntezeit vorbei. 

„Aber Mitte April ist Schicht“, sagt Schminke. Für sie ist die Pflanze, die bis zu drei Meter groß werden kann, ein perfekter Lückenfüller. Denn das Frühjahr sei eine magere Zeit, in der anderes Gemüse noch nicht so weit sei. „Da ist es super, dass es die Topinambur gibt.“

Schminke verkauft das Wurzelgemüse vor der Markthalle in Kassel

Die Wurzelknolle ähnelt der Kartoffel und ist reich an Ballaststoffen. 

Seit 40 Jahren verkauft Schminke ihr Gemüse vor der Markthalle in Kassel. „Nur besondere Sachen“, wie sie sagt. Besonders heißt zum Beispiel: Kugel-Karotten, die aussehen wie kleine Bälle, schwarze und weiße Karotten oder Gurken, die wie Kaktusfrüchte aussehen (Horngurken) oder solche, die so exotische Namen tragen wie die Liso Kalkutta. Über 3000 Pflanzen hat Schminke in ihren drei Gewächshäusern und im Außenbereich ihres Betriebs in Ihringshausen, den sie vor fast 20 Jahren von ihrem Vater übernommen hat.

Dort überragen derzeit die Topinambur-Stauden alles andere, was auf dem Hof wächst. Ursprünglich stammt die Topinambur-Pflanze aus Nord- und Mittelamerika. Dort wächst sie – im Gegensatz zu unseren Breitengraden – wild und in rauen Mengen. Der Name leitet sich vom indigenen Volk der Tupinambá ab.

In ein paar Wochen, wenn die Pflanzen absterben, wird Schminke wieder ihre Gartengabel in die Erde bringen und die Knollen aus der Erde holen. Vermutlich noch öfter als im vergangenen Jahr.

Nachfrage wächst: Schminke hat das Anbaugebiet vergrößert

Weil die Nachfrage so groß war, hat Schminke die Anbaufläche noch mal vergrößert, auf fast 300 Quadratmeter. „Auf dem Markt verkaufe ich zwar nicht so viel davon“, sagt die Produzentin. Aber bei Frank Rohde ist die Nachfrage umso größer. Der freut sich schon auf eine gute Ernte und viele Besuche auf dem Hof von Petra Schminke.

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