Er lässt nichts anbrennen

Uwe Rühl aus Fuldatal leitet die Betriebsfeuerwehr des Staatstheaters Kassel

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Gut ausgerüstet: Uwe Rühl leitet die Betriebsfeuerwehr des Staatstheaters Kassel. 

Uwe Rühl aus Fuldatal leitet die Betriebsfeuerwehr des Staatstheaters Kassel. Dabei hat der Bühnentechniker schon so einiges erlebt. 

Einmal stand ein etwa zwei Mal zwei Meter großer Hirsch auf der Bühne des Kasseler Staatstheaters. Und er brannte lichterloh. „Da haben wir uns schon Sorgen gemacht“, sagt Uwe Rühl. Passiert sei zum Glück nie etwas.

Der Simmershäuser hat schon viel Außergewöhnliches gesehen. Das bringt sein Job als Bühnentechniker am Opernhaus des Kasseler Staatstheaters mit sich. Brennende Hirsche inklusive. Doch Rühl ist nicht nur im Hauptberuf Bühnentechniker, er leitet ehrenamtlich auch die Betriebsfeuerwehr des Kasseler Staatstheaters – und ist auch deshalb schon mal für brennende Hirsche zuständig.

Wenn sich Requisite und Regisseur überlegen, Pyrotechnik, hunderte Kerzen oder eine Feuerschüssel in ein Stück einzubauen – wie erst vor Kurzem bei der Inszenierung der „Walküre“ von Richard Wagner – dann stehen Rühl und seine Kollegen der Betriebsfeuerwehr gemeinsam mit zwei Kollegen der Berufsfeuerwehr hinter der Bühne bereit und passen auf, dass nichts schiefgeht. „Man sieht uns nicht, aber wir sehen alles.“

Das Staatstheater Kassel hat als einzige Bühne in Deutschland eine eigene Betriebsfeuerwehr, und dass nun schon seit 30 Jahren. Alles begann damit, dass 1988 ein Brief der Theaterleitung im Schaukasten hing, mit der Aufforderung, in öffentlichen Gebäuden einen eigenen Brandschutz aufzustellen. „Um im Notfall selber löschen zu können, bevor die Feuerwehr eintrifft“, sagt Rühl. „Es ging aber auch darum, im Verteidigungsfall eingreifen zu können.“ Der Kalte Krieg spielte damals noch eine entscheidende Rolle auf der großen Bühne der Weltpolitik.

Rühl, der zu der Zeit gerade ein Jahr am Staatstheater arbeitete, war von Anfang an mit von der Partie. Der Simmershäuser ist seit über 40 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Simmershausen aktiv. Von 1990 bis 2007 war er Wehrführer und ist heute Leiter.

Es war also keine Frage für Rühl, sich auch in der Brandschutzstaffel des Staatstheaters zu engagieren. Er sei sofort zur Theaterleitung gegangen, um sich für den freiwilligen Dienst zu melden, erinnert sich Rühl, nachdem er den Aushang gelesen hatte. „Feuerwehr fängt im Kopf an“, sagt der 58-Jährige, und tippt sich an die Stirn. „Es geht immer darum, ob ich dazu bereit bin, jemandem zu helfen, der in Not geraten ist.“ Für ihn war das nie eine Frage. „Mir macht das auch nach all den Jahren Spaß.“ 1989 wurde er zum Staffelführer ernannt und später dann zum Leiter der „Betriebsfeuerwehr Staatstheater Kassel“, wie sie seit 2006 offiziell heißt. Das ist er noch heute.

Mittlerweile hat die Betriebsfeuerwehr 20 freiwillige Mitglieder, die aus allen Sparten des Theaterlebens kommen, von der Haus- und Betriebstechnik über die Beleuchtung, die Verwaltung und die Schneiderei sind fast alle Berufsgruppen vertreten. Auch eine Frau ist Teil des Teams, das sich einmal im Monat zur Ausbildung trifft, sowie einmal im Jahr zu einer Fortbildung. „Der Feuerwehr-Lehrgang findet natürlich in Simmershausen statt, weil wir da im Feuerwehrhaus gute Übungsmöglichkeiten haben“, sagt Rühl.

Alleine in diesem Jahr hatte die Betriebsfeuerwehr schon 98 Einsätze. „So viele haben wir in Simmershausen nicht“, sagt Rühl. Um wirkliche Feuer geht es in den wenigsten Fällen, meist sind es technische Hilfeleistungen, wie ausgelaufenes Öl oder medizinische Notfälle, zu denen die Kollegen der Betriebswehr gerufen werden.

Einen Großbrand hat es in all den Jahren in Kassel nicht gegeben. Ein Grund dafür ist, dass die Männer und Frauen der Betriebsfeuerwehr schnell einschreiten können, bevor aus kleinen Gefahren große werden und Kleinbrände sofort bekämpfen können, ohne dass die Berufsfeuerwehr anrücken muss. Die Zeiten der verheerenden Theaterbrände, wie es sie weltweit im 19. Jahrhundert immer wieder gab, seien zum Glück vorbei, sagt Rühl.

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