Hier sollten Festspiele stattfinden

Gedenkstätte Zuschlagsruh erinnert an ehrgeizige Pläne an der Fuldaschleife

Mitten im Fuldataler Wald: Heidemarie Molkenthin an der Gedenkstätte „Zuschlagsruh“ oberhalb von Simmershausen. Der Ort erinnert an Pläne, dass im Jahr 1900 National-Festspiele in Fuldatal stattfinden sollten.
+
Mitten im Fuldataler Wald: Heidemarie Molkenthin an der Gedenkstätte „Zuschlagsruh“ oberhalb von Simmershausen. Der Ort erinnert an Pläne, dass im Jahr 1900 National-Festspiele in Fuldatal stattfinden sollten.

Wenn man an der Gedenkstätte „Zuschlagsruh“ im Wald bei Simmershausen steht, dann hat man vor allem jetzt im Winter einen schönen Blick ins Tal. Durch die kahlen Äste der Bäume blickt man auf die Fulda hinab. Am anderen Ufer ist das Gut Kragenhof zu sehen.

Fuldatal - Wenn Heidemarie Molkenthin als Kind an der Gedenkstätte stand, dann sah sie in ihrer Fantasie aber noch viel mehr. Dann war der Abhang nicht wie heute mit Bäumen bedeckt, sondern er war eine große Tribüne voller Bänke. Und unten auf der Fulda fanden Festspiele und eine Regatta statt.

„Im Dorf wurde immer davon erzählt, dass hier mal Festspiele geplant waren“, erinnert sich Heidemarie Molkenthin, die in Simmershausen aufgewachsen ist und heute noch in der Gemeinde lebt. Und von diesen Plänen erzählt auch eine Gedenktafel, die in die halbhohe, als Grotte geformte Mauer der Gedenkstätte eingelassen ist. „Zum Andenken an die für das Jahr 1900 hier geplanten National-Festspiele“ ist darauf zu lesen. Laut Molkenthin erinnert die Gedenkstätte im Wald oberhalb der Reinhardswaldschule an Professor Friedrich Zuschlag. Er hatte die Idee, an der Fuldaschleife einen Ort für deutsche Nationalspiele zu schaffen und wollte kulturelle Großveranstaltungen in freier Natur organisieren. „Das ist aber nie eingetreten.“

Erinnerungen von Heidemarie Molkenthin aus dem Jahr 1953.

Für die Simmershäuser war Zuschlagsruh früher ein beliebtes Ausflugsziel. Auch Heidemarie Molkenthin ist als Kind oft mit der Familie dorthin gewandert. „Zusehens geriet die Gedenkstätte aber in Vergessenheit und der Verfall setzte ein“, erinnert sie sich. 2015 setzten sich engagierte Einwohner für die Sanierung ein. Heinz Knüppel, Manfred Thiel und Peter Sauer verfugten die Grotte aus Bruchsteinen neu. Und auch die zerschlagene Gedenktafel wurde durch eine neue ersetzt. Zudem fertigte Heinz Knüppel Hinweisschilder aus Holz an, die Wanderern heute den Weg zur Gedenkstätte weisen. Nach dem verstorbenen Heinz Knüppel ist auch ein Unterstand für Wanderer benannt, der weiter oben im Wald Schutz bietet.

Warum aus der Idee von Friedrich Zuschlag nichts wurde, das weiß Heidemarie Molkenthin nicht. Vorstellen kann man sich die Szenerie auch heute noch, wenn man durch die kahlen Bäume hinunter ins Tal schaut.

Der Weg zur Gedenkstätte „Zuschlagsruh“ ist ab dem Parkplatz beim Tennisclub Rot-Weiß-Gelb Fuldatal an der Rothwestener Straße ausgeschildert. (Meike Schilling)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.